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"Dann droht Dresden eine leere Zelt-Stadt"

16.11.2021
Während die Veranstalter und Händler die Dresdner Weihnachtsmärkte aufbauen, geht die Diskussion ums Absagen weiter. Das würde Millionen kosten.

Von Julia Vollmer & Andreas Weller 

Dresden. Dürfen Dresdens Weihnachtsmärkte stattfinden oder nicht? Auf dem Neumarkt, dem Altmarkt, entlang der Hauptstraße, der Prager Straße und im Stallhof - überall wird bereits gebaut und dekoriert.

Die selbsternannte Weihnachts-Hauptstadt Dresden bereitet sich auf die besinnliche Zeit vor, soweit das wegen der Auswirkungen der Corona-Maßnahmen möglich ist. Veranstalter und Händler hoffen, endlich wieder die Märkte durchführen zu können und bangen gleichzeitig vor einem erneuten Verbot wie im vergangenen Jahr.

"Weihnachtsmärkte sind keine Hotspots"

"Wir bauen auf, auch weil wir vertraglich dazu verpflichtet sind", berichtet Frank Schröder, der im Auftrag der Stadt die "Dresdner Winterlichter" an der Prager Straße durchführt. Am 22. November ist der Start geplant. "Für jeden Tag, den wir nicht öffnen, müssen wir 10.000 Euro Strafe an die Stadt Dresden bezahlen." So steht es im Konzessionsvertrag.

Dazu gilt die Corona-Schutzverordnung, die festlegt, dass Weihnachtsmärkte durchgeführt werden dürfen. Dass Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vor wenigen Tagen die Veranstalter und Kommunen aufgerufen hat, die Märkte abzusagen, bezeichnet Schröder als "Doppelmoral". "Erst wurde den Märkten von der Staatsregierung ein Privileg eingeräumt, dann spielt sich der Ministerpräsident als Moralapostel auf. So geht es nicht."

Schröder hat längst viel Geld für Waren und Dienstleistungen ausgegeben, auch die Händler haben Verträge. "Ein Abbruch würde uns jetzt 200.000 Euro kosten", so Schröder. Und er müsse zusätzlich mit Schadensersatzforderungen der Händler rechnen.

Aber vor allen Dingen wolle Schröder endlich wieder seinen Markt veranstalten. Zum Schutz vor dem Virus haben alle Veranstalter Flanier- und Verweilbereiche eingerichtet und die Flächen entzerrt, sodass die Besucher bestmöglich geschützt werden sollen. "Weihnachtsmärkte sind keine Hotspots", ist sich Schröder sicher. "Und auf der Prager Straße werden ohne Weihnachtsmarkt nicht weniger Menschen unterwegs sein als mit."

Er hoffe nun, dass es bei dem aktuellen Stand bleibe und die Märkte wie geplant eröffnen können.

Abwarten beim Loschwitzer Weihnachtsmarkt

Noch mehr Geld hat Holger Zastrow bereits investiert. Der FDP-Fraktionschef organisiert den "Augustusmarkt" an der Hauptstraße. Die Pagoden bis zum Goldenen Reiter stehen teilweise bereits. "Der Schaden wäre gigantisch", sagt er. 500.000 Euro koste die Umsetzung des Marktes. "Wird er jetzt noch verboten, wäre das ein Totalausfall", so Zastrow.

Abzusagen, sei "außerhalb jeglicher Diskussion". "Der Ministerpräsident schiebt die Entscheidung runter auf Veranstalter und Bürgermeister und treibt damit uns alle in den Ruin." Zastrow hat längst die Zelte gemietet, den Aufbau und das Dekorieren beauftragt. Da gebe es kein Zurück mehr. "Selbst bei einem Verbot: Die Firma kann nicht einfach so abbauen, das Personal ist eingebunden." Würde bedeuten, die Zelte würden trotzdem bis in den Januar hinein stehenbleiben. "Dann droht Dresden eine leere Zeltstadt auf der Hauptstraße", erklärt Zastrow.

Der "Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof" eröffnet am 24. November - bis zum 23. Dezember, vom 27. bis 30. Dezember und vom 2. bis 6. Januar 2022 wird er zu den "Rauhnächten".
 
Für den Striezelmarkt ist ab sofort bis 30. Dezember die Wilsdruffer Straße für die Durchfahrt zwischen Postplatz und Pirnaischen Platz gesperrt. Der Markt soll am 22. November eröffnet werden.
Für den Striezelmarkt ist ab sofort bis 30. Dezember die Wilsdruffer Straße für die Durchfahrt zwischen Postplatz und Pirnaischen Platz gesperrt. Der Markt soll am 22. November eröffnet werden. © Sven Ellger
Der "Advent auf dem Neumarkt" öffnet am 25. November und ist täglich von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Er geht bis zum 29. Dezember, bleibt nur am 24., 25. und 26. Dezember geschlossen.
 
 
 
 
 

Etwas später startet der Loschwitzer Weihnachtsmarkt, den der Elbhangfest-Verein veranstaltet. "Alle Vorbereitungen für den diesjährigen Weihnachtsmarkt sind getroffen", sagt Geschäftsführer Jörg Ullrich. "Alle Händler sind vertraglich gebunden und freuen sich wie die Organisatoren und viele Besucher."

Der Aufbau soll am 2. Dezember beginnen, am 5. Dezember ist dann der scharfe Start. "Durch mehr Abstände zwischen den Buden wird für eine Entzerrung der Flanierbereiche gesorgt", erklärt Ullrich. "Derzeit heißt es abwarten, ob von behördlicher Seite die Weihnachtsmärkte abgesagt werden oder ob sie uneingeschränkt oder mit bestimmten Einschränkungen stattfinden dürfen. Wir hoffen, dass der Elbhangfest Weihnachtsmarkt aufgrund seiner begrenzten Kapazität von weniger als 1.000 Besuchern mit keinen oder nur sehr begrenzten Auflagen stattfinden kann."

Viele Händler haben bereits aufgegeben

Allerdings schlagen das Verbot vom vergangenen Jahr und das Hin und Her in dieser Saison bereits heftig durch. "Vor allem bei der normalen Handelsware, ohne Gastronomie, macht sich das bemerkbar", so Schröder. Statt 85 Stände hat er in diesem Jahr nur 65 an die Händler bringen können. "Wir haben dramatische Einbrüche bei der Händlerzahl", berichtet auch Zastrow. Erstmals werde es keinen Stand mit Herrnhuter Sternen auf dem "Augustusmarkt" geben, nur zwei Erzgebirgs-Stände und einen mit Pfefferkuchen. Stollen werden an zwei Ständen verkauft, bisher waren sieben Bäcker auf dem Markt. Auch bei Kerzen und Baumschmuck sei das Angebot ausgedünnt. Statt mehr als 100 Ständen werden es dieses Mal nur 70. Ähnlich sieht es bei den anderen Märkten in Dresden aus, das betrifft auch den Striezelmarkt, den "Advent auf dem Neumarkt" und den Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof.

"Das Weihnachtsland Sachsen und die Weihnachts-Hauptstadt Dresden werden nachhaltig geschädigt, wenn die Märkte erneut verboten werden", ist sich Zastrow sicher. "Schaden ist bereits eingetreten, aber die Zukunft der Weihnachts-Region steht komplett auf dem Spiel."

Stollenfest, Bergparade und Kulturprogramm abgesagt

Zum Schutz vor dem Coronavirus hat die Stadt nun offiziell das Stollenfest und die Bergparade abgesagt. Das Stollenfest war am 4. Dezember geplant und die Bergparade am 18. Dezember. "Wir nehmen als Stadt unsere Verantwortung wahr und versuchen angesichts der steigenden Infektionszahlen unnötige Kontakte durch Großevents zu vermeiden", sagt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

Die Entscheidung habe aber keinen Einfluss auf den Aufbau der Weihnachtsmärkte. "Anders als bei den herausgehobenen und publikumsstarken Einzelevents verteilen sich die Gästeströme bei den Weihnachtsmärkten besser und sind so einfacher beherrschbar", sagt Robert Franke, der Amtsleiter für Wirtschaftsförderung. "Gleichwohl treffen wir aktuell auch hier zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, um Konzentrationen zu vermeiden." Deshalb werde es auch kein Kulturprogramm auf der Bühne auf dem Striezelmarkt geben.

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