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Darum ist Görlitz perfekt für Yellow Tec

Landkreis Görlitz 23.04.2019
Ursprünglich sollte die Ansiedlung nach Bautzen, doch nun ist Baustart im Gewerbegebiet Hagenwerder.

Es wirkte beinah wie ein Befreiungsschlag. Auf jeden Fall machte es allen Spatenträgern gestern sichtlich Spaß, den Boden schwungvoll in die Luft zu schmeißen. Es war der erste Spatenstich für eine große Neuansiedlung im Gewerbegebiet Hagenwerder.

Das Unternehmen Yellow Tec Holding GmbH will hier in den kommenden Jahren bis zu 23 Millionen Euro investieren. Laut Geschäftsführer Hans-Jürgen Große sind drei Millionen Euro schon ausgegeben für Planungen und Vorarbeiten. Wie lang und hochkomplex die Vorbereitungsphase für die Ansiedlung war, mit der im Industriegebiet Hagenwerder zugleich die letzte große Lücke geschlossen wird, umriss Große am Mittwoch vor den geladenen Gästen. Ursprünglich wollte sich das noch in Radebeul ansässige Unternehmen in Bautzen neu ansiedeln. Wasser gibt es dort genug und Wasser ist eine der wichtigsten Produktionsvoraussetzungen für das Unternehmen, das Kunststoffprodukte für den Medizinischen Bereich und die Biotechnologie herstellt, etwa Plasteröhrchen und Kanülen aus Plastegranulat, wie sie in Laboren, in Kliniken oder der Pharmabranche zum Einsatz kommen. Ganz wichtig dafür: ausreichend Kühlwasser. Denn statt mit Elektrizität wie andere Unternehmen kühlt Yellow Tec mit Wasser. 

Allerdings stellte sich für Bautzen heraus, dass die technischen Voraussetzungen nicht stimmen. Und so wird es das Grundwasser von Hagenwerder sein, das Yellow Tec nun nutzt und das nachher zurück in die Pließnitz geleitet wird. Von jährlich rund 1,2 Millionen Kubikmeter ist die Rede. Damit diese auch pieksauber und richtig temperiert zurück in die Natur gelangen, waren viele Untersuchungen nötig, die Umweltbehörde selbstverständlich mit im Boot. Doch das Wasser war nicht die einzige Hürde, die es zu überwinden galt. So manches Mal hätte er ganz sicher aufgegeben, betont Hans-Jürgen Große, wäre da nicht die Stadt Görlitz gewesen, die ihm immer wieder Mut machte und half, wo sie konnte. Besonders am Herzen lag Große deshalb gestern, sich bei der Chefin der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH, Andrea F. Behr, zu bedanken, die quasi Tag und Nacht für Hilfe und Rat zur Verfügung stand. In ihrer reichlich zweijährigen Amtszeit ist es die erste große Industrie-Ansiedlung von Frau Behr. Auch an OB Siegfried Deinege richtete Große ganz persönlichen Dank und hoffe auch nach dessen Amtszeit weiter auf Kontakt.

Neben der städtischen Unterstützung, der des Landkreises und des Freistaates, seien letztlich die gute Verkehrsanbindung, die passenden Rahmenbedingungen – eben das Grundwasser – und eine gute Finanzierung durch die Volks- und Raiffeisenbank die ausschlaggebenden Punkte gewesen. Und so wurde gestern die Erleichterung aller, dass die Ansiedlung geglückt ist, eben auch im schwungvollen Spatenstich sichtbar.

Nun soll es zügig voran gehen. Die erste Produktionshalle, deren Größe gestern nur durch Eckfähnchen erahnbar war, soll im Frühjahr 2020 fertig sein. Sie steht etwas versetzt hinter den Nachbarn Skan AG und KSC Anlagenbau. Nächstes Jahr sollen auch die ersten von 60 geplanten Mitarbeitern schrittweise eingestellt werden. Produziert wird rund um die Uhr, benötigt werden Bediener von Plastespritz- und -gießmaschinen, Mechatroniker, Mechaniker, Qualitätskontrolleure, Verpacker, Lageristen. Sogar der Weg für eine Erweiterung ist schon geebnet. Die Stadt hat gewährleistet, dass Yellow Tec später etwas oberhalb noch einmal vier Hektar Land dazu kaufen könne. „Dort würden wir dann noch einmal etwas Ähnliches investieren“, kündigte Große an.

Sachsens Ministerpräsident freut’s. Michael Kretschmer schwang gestern persönlich den Spaten und betonte rückblickend, wie wichtig es war, dass Sachsen in Biotechnologie investiert hat – insgesamt 600 Millionen Euro bislang. Er dankte Görlitz dafür, an der Ansiedlung dran geblieben zu sein und versprach, dass der Freistaat gerade Görlitz mit seiner besonderen Lage in den kommenden Jahren unterstützen werde. „Wir wollen Dinge hier produzieren und woandershin verkaufen, damit Geld in die Region kommt.

 

Von Daniela Pfeiffer

Foto: © Nikolai Schmidt

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