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Das bessere Knie

Landkreis Meißen 07.11.2018
Die Chirurgen aus den Elblandkliniken sind Vorreiter für den Einsatz besonderer Gelenke und bauen dabei auf die Partnerschaft mit Boston (USA).

Was machen zwei gute Berufskollegen oder gar Freunde, wenn sie weit entfernt arbeiten und sich dann endlich mal treffen? Klar, sie gehen einen trinken, gut essen und haben viel zu erzählen. Dr. Axel Ripp und Professor Wolfgang Fitz gehen zusammen in den OP-Saal in Radebeul.

Am Freitagmorgen haben sie dort einer älteren Dame, die die Schmerzen im Knie nicht mehr aushalten konnte, ein neues Kniegelenk eingesetzt. Die beiden Ärzte sind Chirurgen, Ripp der absolute Experte in Sachen Knie. Fitz mindestens genauso an seinem Brigham Hospital in Boston (USA).

Warum die beiden gern gemeinsam operieren, hat vor allem einen Grund: Fitz hat an seiner Klinik vor elf Jahren eine neuartige Knieprothese entwickelt und eingeführt, wobei das Gelenk dem jeweiligen Knochen und den Weichteilen des Patienten angepasst wird. Und Ripp hat diese Methode als Erster in Deutschland eingeführt.

Noch immer wird weltweit bei den meisten Knieoperationen ein vorgefertigtes Gelenk eingesetzt und der Knochen am Menschen dem Gelenk angepasst. 190 000 Mal wird im Jahr in Deutschland ein Kniegelenk eingesetzt.

Die Unterschiede sind nach jeder OP zu sehen, sagen die beiden Ärzte. Schon am Nachmittag des Operationstages in Radebeul geht die Patientin die erste Runde um ihr Bett. Weitestgehend schmerzfrei.

Wolfgang Fitz, eigentlich ein Bayer, der seit 20 Jahren in den USA lebt und arbeitet, hat seinen besten Verbündeten in Radebeul. Axel Ripp setzt mit seiner Methode eben genau jene Knieprothese ein, die für den Patienten besser ist. In den letzten Jahren hat er in dem neuen Verfahren bereits rund 100 Ärzte geschult. Chirurgen aus Deutschland, der Schweiz, Spanien, Großbritannien, Belgien, Österreich, Singapur und Hongkong. Die Mediziner sind nach Radebeul ans Elblandklinikum gekommen, haben sich die hellgrüne OP-Kleidung übergestreift und neben Ripp im OP-Saal geschaut, wie der Radebeuler das macht.

Wolfgang Fitz als Entwickler des neuen Knies und Ripp als sein Deutschland-Verbündeter lernen auch noch voneinander. Der eine spricht davon, wie er beim anderen gesehen hat, wie der perfekte Beugespalt vorm Einbau der Prothese zu bewerkstelligen ist. Der andere, wie Weichteile und Patientenlagerung eben bei einer Knie-OP verbessert werden können.

Eine Entwicklung und Vorreiterrolle an der Radebeuler Elblandklinik, die sich fortsetzen wird, sagt Dr. Jaroslaw Pyrc, der im Sommer den Chefarztposten von Axel Ripp übernommen hat. Die Unfallchirurgie und das regionale Traumazentrum sollen hier stärker ausgebaut werden. Die neue Rettungsstelle in der Notaufnahme wird dafür im nächsten Jahr effektivere Bedingungen bieten – etwa mit der Computertomografie gleich neben der Erstaufnahme.

Eine Entwicklung, die vor 25 Jahren begann. Damals 1993 bekam Axel Ripp die Aufgabe, für die Berufsgenossenschaft eine Abteilung für Arbeits- und Wegeunfälle aufzubauen. Daraus entwickelte sich die eigentliche Unfallchirurgie. Als sich Chirurgen und Orthopäden anderenorts noch in völlig getrennten Bereichen gegenüberstanden, haben sich die Radebeuler schon zusammengetan. Hans-Gunter Sennewald, Dr. Eckehard Hütter, Arko Raue und Dr. Jörg Sempf nennt Ripp als Mitstreiter, die das alles mit aufgebaut haben.

In einem Symposium am letzten Freitag auf Schloss Wackerbarth berichteten Ripps Kollegen anlässlich des 25. Jubiläums über Fortschritte in Unfallchirurgie und Orthopädie. Auch darüber, wie das bessere (Ersatz-)Knie aus Radebeul funktioniert. Eben, dass die Patienten anschließend viel schneller wieder schmerzfrei Treppen steigen, Kniebeuge machen, sich wohler fühlen, weil sie aktiver sein können.

Wer sich für solche Erfolge einsetzt – manchmal auch gegen Widerstände –, der geht wahrscheinlich wirklich zuerst gemeinsam was schaffen in den OP-Saal und später was Gutes essen und ein Glas Wackerbarth-Wein trinken. Wie es am Wochenende dann auch noch geschah.

 

Von Peter Redlich

Foto: © Norbert Millauer

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