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Das bringt uns in Sachsen der neue Stromer von VW

13.09.2019
Der Autobauer will einen Elektrowagen fürs Volk bauen. Das Werk in Sachsen wird dabei zur Musterfabrik.

Elektroautos für Millionen und nicht für Millionäre will Volkswagen bauen und sie zu erschwinglichen Preisen verkaufen, so das Versprechen des Autobauers. Damit das Versprechen eingelöst werden kann, muss das Volumenmodell ID.3 – das am Montagabend seine Weltpremiere am Vorabend der Automobilausstellung in Frankfurt feierte – ein Erfolg werden.

Der Anschaffungspreis mit 30.000 Euro für die Basisversion mit einer Reichweite von 330 Kilometern ist immerhin schon mal günstiger als der des E-Golfs. Wer Wert auf mehr Reichweite legt, kann die ID.3-Variante mit einer größeren Batterie wählen und damit bis zu 420 Kilometer fahren. Das kostet aber auch mehr. Der Preis soll unter 40.000 Euro liegen.

Der Anschaffungspreis ist einer drei Hauptgründe, die viele Deutsche gegen den Kauf von Elektroautos anführen. Die zwei anderen sind die Reichweite und und die Ladeinfrastruktur. Mit dem ID.3 bringt VW nun ein Fahrzeug auf den Markt, das mit der größten Batterievariante maximal bis zu 550 Kilometer fährt. Der Akku lässt sich mit Schnellladern in 30 Minuten zu 80 Prozent wieder aufladen – mit einer Kaffeepause müsste das für eine Fahrt von Dresden nach München reichen. Bleibt noch die Ladeinfrastruktur.

Gibt es eigentlich genügend Strom? Schaffen die Stromnetze mit der heutigen Netzinfrastruktur das überhaupt, wenn zeitgleich so viele neue E-Fahrzeuge geladen werden sollen? Das seien die häufigsten Fragen, die man von Skeptikern zu hören bekomme, betonte Stefan Kapferer. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) räumte vergangene Woche auf dem Kongress der ostdeutschen Automobilindustrie in Dresden mit den gängigen Mythen auf. 

Für zehn Millionen E-Autos im Jahr 2030 in Deutschland würde der Strombedarf um gerade einmal vier Prozent steigen. „Die Elektromobilität wird nicht daran scheitern, dass uns der Strom ausgeht“, so Kapferer. Und die Fahrzeuge könnten auch zunehmend mit grünem Strom geladen werden, denn bis 2030 steige der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix von 44 auf 65 Prozent. 

Auch das vorhandene Stromnetz ist laut Kapferer in den nächsten zehn Jahren gut in der Lage, die E-Autos zu versorgen. Momentan würden nur knapp drei Prozent der insgesamt rund 65 Millionen zugelassenen Fahrzeuge in der Bundesrepublik elektrisch betrieben. Die heutige Infrastruktur würde laut dem BDEW-Chef bis zu 13 Millionen E-Pkws mit Strom laden können, ohne dass das Netz zusammenbricht.

Sieben Werke werden umgerüstet

In der Wolfsburger VW-Zentrale ist der Optimismus jedenfalls groß, dass sich die skeptischen Kunden nicht dauerhaft zurückhalten werden. „Mit dem ID.3 fährt Volkswagen in die Zukunft“, sagte Chefdesigner Klaus Bischoff bei der Weltpremiere. Passend dazu hatten sich das Management von VW Sachsen und die Meister abends im Raum „Zukunft“ im Zwickauer Werk versammelt, um die Präsentation per Livestream zu verfolgen. Denn was für den ID.3 gilt, gilt auch für Zwickau. Der westsächsische Standort wird zur Musterfabrik für die Zukunft des VW-Konzerns. Volkswagen stellt hier erstmals schrittweise eine komplette Autofabrik von 100 Prozent Verbrennungsmotor auf 100 Prozent E-Antrieb um. „Umziehen im Kleiderschrank“ nennt dies Reinhard de Vries, Geschäftsführer für Technik und Logistik bei VW Sachsen. 

Die im vergangenen Jahr gestarteten Umbaumaßnahmen liegen nach eigenen Angaben voll im Zeitplan. Der Karosseriebau und die Lackiererei sind schon weitgehend auf den ID.3 umgerüstet. Die erste von zwei Produktionslinien ist vollständig aufgebaut. Zurzeit werden noch Roboter installiert und die Montage eingefahren. Im November soll die Produktion des ID.3 starten. Die zweite Montagelinie wird im kommenden Sommer umgerüstet werden.

Ab 2021 werden dann in Zwickau ausschließlich Elektroautos produziert werden, zwei Modelle der ID.-Familie, zwei der Marke Audi und ein E-Modell von Seat. Alle sechs Fahrzeuge basieren auf dem modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Diese Plattform besteht im Grunde aus zwei Achsen und dazwischen der Batterie. Als weltweit erster Standort wird Zwickau die Vorreiterrolle für diese Zukunftsplattform übernehmen. Bis 2022 sollen insgesamt sieben VW-Produktionsstandorte zu Fabriken für Elektroautos umgerüstet werden, darunter Emden, Chattanooga in den USA, zwei Werke in China." Auch in der Gläsernen Manufaktur in Dresden soll ein MEB-Fahrzeug gefertigt werden. Noch steht allerdings nicht fest, welches. Derzeit läuft dort der E-Golf vom Band".

Obwohl für die Herstellung von Elektroautos weniger Personal gebraucht wird, weil ein Viertel weniger Teile verbaut werden und in der Montage mehr automatisiert wird, sollen alle Arbeitsplätze erhalten bleiben. „Wir schaffen das, indem wir die Produktion um zehn Prozent steigern“, erklärte de Vries kürzlich bei einem Baustellenrundgang in Zwickau. Die Jahreskapazität liegt dann bei 330 000 Fahrzeugen im Jahr. Ein Teil der Mitarbeiter wechselt aber auch in andere Fabrikteile, zum Beispiel ins Presswerk. Das wird derzeit für 75 Millionen Euro erweitert. Ab 2021 will VW alle zentralen Karosserieteile selbst vor Ort produzieren, um Logistikkosten zu sparen und den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Der sächsische Standort, der bislang keine große Rolle im VW-Konzern spielte, wird zum größten und leistungsfähigsten E-Auto-Werk Europas.

Trotz alledem haben alle deutschen Autohersteller im Bereich der reinen Elektromobilität noch Aufholbedarf. Tesla bleibt aufgrund seiner Reichweiten-starken Modelle mit Abstand innovationsstärkster Autobauer bei vollelektrischen Antrieben, gefolgt von zwei chinesischen Herstellern. Das ist das Ergebnis der aktuellen Elektromobilitätsstudie des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach. Der VW-Konzern konnte sich im Ranking immerhin von Platz 11 auf Platz 4 hocharbeiten dank des Audi-Modells e-tron. 

 

Von Nora Miethke

Foto: © Oliver Killig

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