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Das Ende der Atom-Ära

Dresden 20.09.2019
Der Rückbau des Rossendorfer Forschungsreaktors ist abgeschlossen – und dabei hat eine Ministerin persönlich mitgeholfen.

Das Gras ist nicht wirklich grün. Der viel zu trockene Sommer hat auch auf dem Gelände des ehemaligen Forschungsreaktors in Rossendorf seine Spuren hinterlassen. Und trotzdem ist Dietmar Schlösser stolz auf diese „grüne Wiese“, an deren Entstehung sein Verein Strahlenschutz, Analytik und Entsorgung Rossendorf e. V. über ein Vierteljahrhundert gearbeitet hat. Nun konnten endlich die Bauzäune weichen und das Schild, das vor radioaktiven Stoffen oder ionisierenden Strahlen warnt, hat seine Bedeutung verloren.

Der 1993 vom damaligen sächsischen Kabinett beschlossene Rückbau des Rossendorfer Forschungreaktors ist abgeschlossen und die Altlastensanierung beendet. Deshalb wurde das Gelände am Donnerstag offiziell aus dem Atomgesetz und der damit verbundenen Überwachung entlassen. 

Das Papier, das Bernd Maurer als zuständiger Referatsleiter für Strahlenschutz dazu in Vertretung des Umweltministers Thomas Schmidt (CDU) mit nach Rossendorf brachte, ist nicht größer als eine DIN-A4-Seite. Und doch ist es das Ergebnis von vielen Jahren Arbeit und etlichen Millionen Investitionen. Knapp 60 Millionen Euro hat der Freistaat ausgegeben, um den 1957 in Betrieb genommenen Reaktor und die dazugehörigen Gebäude zurückzubauen. Als die Entscheidung fiel, war der gerade saniert und an neue Auflagen angepasst worden.

Mehr als einen Probelauf gab es aber nicht, dabei hätte er der Forschung noch gute Dienste erweisen können, sagt Roland Sauerbrey. Der wissenschaftliche Direktor des Helmholtz-Zentrums in Dresden Rossendorf ist dennoch überzeugt, dass es damals die richtige Entscheidung war, den Standort zu schließen und zurückzubauen. „Es hat den Handlungsdruck erhöht, hier Neues zu schaffen“ , sagt er. Und das scheint gelungen zu sein. Das neu entstandene Helmholtz-Zentrum hat heute gut 1 500 Mitarbeiter, exakt so viele, wie zum Ende der DDR in Rossendorf beschäftigt waren. Hinzu komme, dass es heute vermutlich viel schwieriger sei, den Rückbau zu finanzieren, meint Sauerbrey.

Verstrahlter Schutt lagert noch

Der Rückbau ist, trotz des offiziellen Bescheids, noch nicht final abgeschlossen. In einer grau-grünen Halle mit einem Flachdach, nur wenige Meter neben dem früheren Reaktorgelände, ist das Zwischenlager von Rossendorf untergebracht. Hier lagert in gelben Fässern leicht bis mittelschwer verstrahltes Abbruchmaterial. Es sind insgesamt 1 500 Kubikmeter, die noch fertig verpackt werden müssen. Sie sollen eines Tages im Schacht Konrad, der zu dem stillgelegten Eisenerz-Bergwerk im niedersächsischen Salzgitter gehört, endgelagert werden. Der erste Castor Transport mit dem Schutt wird voraussichtlich 2027 rollen, der letzte vermutlich erst 2056.

Und das ist nicht die einzige Baustelle. Auch für die 951 verbrauchten Brennstäbe gibt es noch keine endgültige Lösung. Sie wurden zwar 2005 mit einem Castor-Transport nach Ahaus in Nordrhein-Westfalen gebracht. Aber auch das ist nur ein Zwischenlager, und für dessen Nutzung fallen für den Freistaat Sachsen jedes Jahr Kosten von rund 100 000 Euro an. Gelder, die man gern vom Bund zurückfordern möchte. Die Verhandlungen dazu laufen seit Jahren, ohne dass ein Ergebnis in Sicht ist.

Auslöser war eine Entscheidung des damaligen Bundesumweltministers Norbert Röttgen (CDU) im Dezember 2010, die Atomtransporte nach Russland untersagte. Dorthin, also in ihr Ursprungsland, sollten die Rossendorfer Brennstäbe eigentlich gebracht werden, erklärt Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange. Die SPD-Politikerin sieht deshalb nun den Bund in der Pflicht.

Sie selbst hat zu Rossendorf eine ganz besondere persönliche Beziehung. Hätte es ihr eine Lehrerin an der Oberschule nicht ausgeredet, wäre sie Kernforscherin geworden und hätte vielleicht in Rossendorf gearbeitet. Das Gelände kennt die Ministerin von unzähligen Besuchen gut, und selbst bei der Altlastensanierung hat sie persönlich mitgeholfen. Der erste Transport mit nicht bestrahlten Brennstäben war im Jahr 2005 noch ganz unkompliziert per Flugzeug nach Russland gegangen, begleitet von Wissenschaftsministerin Stange.

 

Von Ines Mallek-Klein

Foto: © dpa/Oliver Killig

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