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Das Geheimnis der grünen Kreuze

Landkreis Bautzen 04.11.2019
Sie sind auf mehreren Feldern rund um Radeberg zu finden. Wer hat sie aufgestellt?

Sie stehen auf einem Feld an der Kreuzung Rossendorf, zwischen Seifersdorf und Radeberg, bei Großerkmannsdorf und an der B 6 in Großharthau: grüne Holzkreuze. Sie wirken wie Mahnwachen, wie ein stummer Protest. „Genauso sind sie auch gemeint“, sagt Steffen Gröber, Chef des landwirtschaftlichen Unternehmens „An der Dresdner Heide“ in Großerkmannsdorf. Er und seine Mitarbeiter haben zwei Kreuze aufgestellt. „Wir protestieren gegen das Agrarpaket der Bundesregierung“, sagt er. Aus seiner Sicht wird damit den Landwirten die Arbeit massiv erschwert. „Es wird zunehmend schwerer, konkurrenzfähig zu bleiben. Schon jetzt ist es schwierig, mit den billigen Importen aus anderen Ländern mitzuhalten.“

Enge Vorgaben, beispielsweise beim Düngen, beim Pflanzenschutz und in der Tierhaltung, machen ihnen das Leben schwer, sagt er. Durch den geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erhöht sich nach Angaben von Steffen Gröber der Aufwand bei der Bodenbearbeitung. „Dadurch steigen wiederum unsere Kosten“, sagt er. Durch die restriktiven Vorgaben sinke auch der Ertrag auf dem Feld und im Stall. Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat, das von der Bundesregierung ab Ende 2023 verboten wird, setzt das Großerkmannsdorfer Unternehmen nach eigenen Angaben schon jetzt nicht mehr ein.

Ein weiteres Beispiel ist aus seiner Sicht die Hühnerhaltung. „Wir haben in Deutschland die Käfighaltung verboten. Die Folge war, dass die Käfige in andere Länder verlagert wurden. Jetzt werden die Eier, die in Lebensmitteln verarbeitet werden, von dort importiert. Das betrifft nicht das Frühstücksei, dort will jeder das Label ,Aus Freilandhaltung‘ drauf stehen haben. Bei den verarbeiteten Eiern passen die wenigsten auf.“ 

Seiner Ansicht nach werden die Landwirte für Probleme verantwortlich gemacht, für die sie nicht der alleinige Verursacher sind. „Das Bienensterben beispielsweise hat viele Ursachen. Viele Kleingärtner halten ihren Rasen so kurz, dass Insekten darauf keine Chance haben. Auch Kommunen mähen ständig ihre Parkanlagen. Immer mehr Fläche wird versiegelt. Allein in Sachsen wurden seit der Wende rund 45.000 Hektar versiegelt. Auch das trägt zum Artensterben bei. Dadurch wird zudem meist Ackerland vernichtet.“ Zu den steigenden Auflagen kommen immer mehr Dokumentationspflichten. Sie rauben Zeit, Geld und Motivation.“

Auf die Idee, die grünen Kreuze als Protest aufzustellen, ist Wilhelm Kremer-Schillings gekommen. Er war selbst Landwirt im Nebenberuf und hat auf seinem Hof am Niederrhein Rüben angebaut. Jetzt macht er als Blogger „Bauer Willi“ im Internet auf Probleme der Landwirte aufmerksam. 

Allerdings ist er umstritten. Laut der „Tageszeitung“ aus Berlin habe Kremer-Schillings bis 1990 als Projektmanager beim Schering-Konzern gearbeitet, zuständig für den unter Krebsverdacht stehenden Unkrautvernichter Betanal. Später wechselte er zum Zuckerhersteller Pfeifer & Langen und habe auch dort Landwirten zu Pestiziden geraten. Heute firmiere der Vorruheständler als Vizevorsitzender der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft. Deren Jahresumsatz von 120 Millionen Euro stammt unter anderem aus dem Handel mit Pestiziden wie Glyphosat, wie man auf der Internetseite nachlesen kann.

Als Mahnung verstehen

Für Steffen Gröber zeigt die große Resonanz auf die deutschlandweite Aktion mit den grünen Holzkreuzen, dass damit ein Nerv getroffen wurde. „Wir als unabhängige, engagierte Landwirte wollen auf das massiv einsetzende Höfe-Sterben aufmerksam machen. Die Folge wird sein, dass sich Deutschland in Zukunft nicht mehr in allen Bereichen allein ernähren kann und auf Importe angewiesen ist. Wir stellen keine Forderungen. Die grünen Kreuze sollen als Mahnung verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden“, sagt er.

Im Zusammenhang mit der Kreuz-Aktion standen auch Bauerndemos, unter anderem in Berlin, Leipzig, Chemnitz, Görlitz. Per Facebook und WhatsApp hatten sich bundesweit Hunderte Landwirte verabredet. Nach Görlitz kamen etwa hundert große Traktoren, nach Leipzig und Chemnitz fuhren jeweils über 200 Traktoren. Die flächendeckende Aktion wurde nicht von Verbänden organisiert, sondern von den Landwirten selbst.

 

Von Thomas Drendel

Foto: © Steffen Unger

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