klima.jpg

Das Klimapaket ist nicht schlecht, aber...

05.10.2019
Ein Standpunkt vom Chef des Leipziger Energie-Spezialisten Verbio Claus Sauter.

Die Öffentlichkeit ist sich einig in ihrer Reaktion auf das verkündete Klimapaket der Bundesregierung: Helle Empörung! Zu wenig, zu langsam, unwirksam! Da frage ich mich: Was habt ihr anderes erwartet – von dieser Bundesregierung, die in den letzten 14 Jahren in Sachen Klimaschutz untätig war? Den großen Wurf? Ernsthaft?

Ich bin ehrlich gesagt positiv überrascht: Es passiert etwas. Zaghaft und viel zu spät – keine Frage. Aber immerhin: Mit den angekündigten 10 Euro/t CO2 könnte man die Emissionen im Verkehr um 10 Prozent reduzieren. Das wäre schon mal mehr als das Doppelte von dem, was wir heute haben, nämlich mickrige 4 Prozent Treibhausgasreduktion, mit denen sich das zuständige Umweltministerium bisher zufriedengibt.

Für den Anfang gar nicht so schlecht – ich bin bescheiden geworden. Entscheidend wird sein, dass man das Geld für bereits verfügbare Klimaschutzlösungen im Verkehr einsetzt und nicht für irgendwelche wilden Prestigeforschungsprojekte, die vielleicht in zehn Jahren marktreif sind. Wasserstoff ist kurz- bis mittelfristig im Verkehrsbereich sicherlich keine Lösung. Biomethan aus Reststoffen und Stroh dagegen ist ein verfügbarer, bezahlbarer innovativer Kraftstoff, der bis zu 90 Prozent CO2-Reduktion erreicht.

Seit Jahren kritisiere ich, dass außer großen Ankündigungen auf unzähligen Klimakonferenzen, praktisch nichts kommt. Die Bundesregierung verfährt seit 14 Jahren immer nach dem gleichen Schema: Ambitioniert rumquatschen und nichts machen. Sie reagiert nur auf Druck und bisher waren beschwichtigende Worte des Herrn Altmaier in einschlägigen Talkshows bei kritischen Nachfragen immer genug.

Jetzt ist der Druck da. Heftig, nicht zu überhören und vor allem zu Recht. Millionen Menschen gehen auf die Straße und fordern Veränderung. Die Wirtschaft ist orientierungslos und fordert Veränderung. Sogar die ältere Generation organisiert sich in „Omis for future“ und fordert Veränderung. Schwammige Versprechen von 1 Million Elektroautos bis 2020 helfen nicht weiter.

Der Klimaschutz erfordert es, echte Akzente zu setzen. Uns allen muss klar sein, dass es auf unser eigenes Verhalten ankommt und die notwendigen Veränderungen auch mit Wohlfahrtsverlust einhergehen. Für 50  Euro über das Wochenende nach Ibiza? Geht nicht! Die breite Forderung nach mehr Klimaschutz passt nicht zusammen mit wachsendem Flugverkehr, explodierenden Verkaufszahlen für tonnenschwere Sport- und Geländewagen oder der täglichen Paketflut von Amazon & Co.

Titel Klimakanzlerin muss sie sich erarbeiten

Die Einzigen, die es nicht kapiert haben, sind unsere Regierenden. Aber aus einem Ackergaul macht man einfach kein Springpferd. Der Klimawandel erfordert radikale Veränderungen, wie sie zuletzt Gerhard Schröder im Angesicht einer ähnlichen gesellschaftlichen Herausforderung unter Schmerzen durchgesetzt hat.

Heute sind wir in einer ähnlichen Situation mit ganz anderen Herausforderungen. Leider hat Frau Merkel nicht die Power und nicht das Profil sich gegen die Widerstände in ihren eigenen Reihen durchzusetzen. Den Titel Klimakanzlerin muss man sich erarbeiten, in dem man schmerzhafte Akzente setzt. Die Union ist mit einer sterbenden SPD an ihrer Seite nicht in der Lage, die Herausforderungen unserer Zeit zu lösen.

Warnung an Ministerpräsident Michael Kretschmer

Gleiches gilt für Sachsen: Ministerpräsident Michael Kretschmer hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass sich die Welt weiterdreht. Zuletzt haben in Leipzig im Jahre 1989 mehr als 25.000 Menschen auf der Straße für Veränderung demonstriert. Wir alle wissen, was im Anschluss mit den politischen Verantwortlichen passiert ist. Lieber Herr Kretschmer, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ich lade Sie ein. Kommen Sie nach Leipzig und ich zeige Ihnen, wie wir neue, innovative Arbeitsplätze in Ihrem Bundesland schaffen und gleichzeitig Millionen Tonnen CO2 im Verkehr mit heimischen Rohstoffen einsparen. Die Braunkohle ist ein umweltpolitscher Dinosaurier, den kein Mensch mehr braucht. Auch nicht die Sachsen! Wie ich die Lage aktuell einschätze, wird die CDU mit den GRÜNEN in der nächsten sächsischen Regierung koalieren. Und man kann es drehen und wenden wie man will: Die Grünen werden auch in der nächsten Bundesregierung sitzen. Ich prophezeie Herrn Kretschmer, dass der Kohleausstieg in Sachsen nicht bis 2038 auf sich warten lässt. Putins Erdgas wird der Braunkohle das Licht vorher ausblasen. Das ist reine Betriebswirtschaft. Die Kohleverstromung ist bei den aktuellen Preisen für ETS-Zertifikate von fast 30 Euro/t CO2 und den niedrigen Preisen für Erdgas schon heute unwirtschaftlich. Sachsen soll froh sein, dass der Bund sich so großzügig zeigte und noch üppige Subventionen für etwas bezahlt hat, das sowieso unabwendbar ist. Wenn die Union den Strukturwandel in den Braunkohleregionen vor 30 Jahren angeschoben hätte, dann könnte heute schon die Lausitz eine „blühende Landschaft“ sein. Doch konservative Politik heißt „nix machen“ und das hat die Union großartig hinbekommen. Die Sachsen brauchen keine Angst vor Veränderung haben. Innovative Unternehmen wie Verbio stehen mit neuen, klimaschonenden Technologien für neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze bereit. Wir würden sehr gern lieber heute als morgen neue Biokraftstoffanlagen in Sachsen für sauberen, nachwachsenden Kraftstoff aus heimischen Rohstoffen bauen.

Es wird endlich Zeit, dass sich die Union nicht weiter der Zukunft verschließt und positiven Entwicklungen in Deutschland im Wege steht. Es ist ganz gut, dass die Grünenmal frischen Wind in die Sächsische Staatskanzlei bringen. Ich freue mich!

Das vorgestellte Klimapaket ist jedenfalls mehr als ich erwartet hatte, aber es kann nur ein zaghafter Anfang sein.  

Weitere Artikel

Er soll Dresdens Airport auf Kurs bringen

Er soll Dresdens Airport auf Kurs bringen

Götz Ahmelmann macht als Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG einiges anders als seine Vorgänger. Auch was Billigflieger angeht.

Dresden
Das sind die Risiken der 5G-Technologie

Das sind die Risiken der 5G-Technologie

Die EU-Kommission will bei der Einführung der Technik neue Abhängigkeiten vermeiden. Es gibt auch andere Bedenken.

Schluss mit dem Lkw-Notstand an der A 4

Schluss mit dem Lkw-Notstand an der A 4

Vor allem nachts wird es auf den Parkplätzen eng und gefährlich. Das soll sich jetzt ändern.

Landkreis Bautzen
Joop verteidigt Job für Manufaktur

Joop verteidigt Job für Manufaktur

Der Modedesigner gibt Einblicke zu seiner Berater-Tätigkeit für die Porzellanmanufaktur Meissen in den letzten Jahren der DDR.

Landkreis Meißen