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Das sagt der ehemalige Florena-Chef zur Schließung

Landkreis Mittelsachsen 02.03.2020
Heiner Hellfritzsch ist einer der drei Männer, die der Treuhand den Betrieb abkauften. Die Stadt büßt durch die Schließung viel Geld ein.

Es war ein mutiger Schritt: 1992 kauften Heiner Hellfritzsch, Günter Haferkorn und Dr. Reinhard Hübner per Management by Out der Treuhand den Betrieb ab. Sie führten das Unternehmen bis 2002 als Florena Cosmetics GmbH, bevor sie es an die Beiersdorf AG in Hamburg veräußerten.

Dass der Konzern am Mittwoch vergangener Woche  überraschend verkündete, das Werk am Eichberg 2022 schließen zu wollen, weil im Norden Leipzigs ein moderner Neubau entstehen soll, war das für Heiner Hellfritzsch ein sehr emotionaler Moment. „Aber keine Frage, aus der Sicht des Konzerns ist dieser Schritt für mich vollkommen nachvollziehbar“, sagt er.

Beiersdorf sei ein weltweit agierender Konzern, der sich am Standort Waldheim nicht mehr so erweitern könne, dass es marktwirtschaftlich sinnvoll wäre. „Noch dazu steht jedes einzelne Werk im Wettbewerb und muss sich innerhalb des Konzerns behaupten. Insofern muss man diese Entscheidung von Beiersdorf sogar noch als positives Zeichen für die Belegschaft sehen“, so der ehemalige Florena-Chef.

Denn den 250 Mitarbeitern soll ein Stellenangebot für den neuen Standort Seehausen unterbreitet werden.

Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) hat am Mittwochmittag von der Entscheidung des Beiersdorf-Konzerns erfahren, den Standort Waldheim verlassen zu wollen. „Für Waldheim ist es ein Schlag in die Magengrube“, sagte er ohne Umschweife. „Die Arbeits- und auch die Ausbildungsplätze werden hier auf jeden Fall fehlen.“

Auch er kann die unternehmerische Entscheidung von Beiersdorf nachvollziehen. „In Waldheim hätten wir die Infrastruktur und die Größe der Flächen, die für das neue Werk gebraucht werden, nicht bieten können.“

Enttäuscht sei er trotzdem. „Es ist traurig und tut mir sehr weh“, so der Bürgermeister. Als im vergangenen Jahr mit den Plänen für den Neubau des Werkes im Norden Leipzigs erste Befürchtungen laut wurden, das Werk könnte schließen, hatte Steffen Ernst noch gehofft, dass die Produktion in der Zschopaustadt dadurch nicht gefährdet wird. Es gebe keine Überschneidungen mit der Produktion in Waldheim, da in Seehausen ganz andere Produkte hergestellt werden sollen, hieß es damals.

Dass sich der Kosmetik-Riese für Sachsen entschieden hat, begrüßt Steffen Ernst aber. Auch, weil so den Beschäftigten aus Waldheim, die künftig in Leipzig arbeiten könnten, so wenigstens noch ein einigermaßen zumutbarer Arbeitsweg angeboten werden könne.

Halbe Million weniger in Stadtkasse

Nach Bekanntwerden der Pläne hat Kämmerin Barbara Wesler ausgerechnet, was der Wegzug des Unternehmens für die Stadtkasse bedeutet. Sie erklärt: „Etwa eine halbe Million Euro wird uns jährlich fehlen. Das ist schon bitter.“ Diese halbe Million, so erklärt sie weiter, beziehen sich nicht auf die Gewerbesteuereinnahmen. „Gehen Steuern zurück, gibt es mehr Schlüsselzuweisungen vom Freistaat. Das haben wir gegeneinander abgewogen.“

„Beiersdorf hat die Beteiligten hinters Licht geführt. Dass mit öffentlichen Geldern in Leipzig eine neue Fabrik gebaut wird, während gleichzeitig in Waldheim eine Industrieruine entsteht, ist ein Paradebeispiel für völlig verfehlte Strukturpolitik. Hier werden alle Beteiligten in Konkurrenz zueinander gesetzt und am Ende lacht nur die Gewinnaussicht des Unternehmens“, sagen Susanne Schaper und Stefan Hartmann, Landesvorsitzende der Linke. 

Es sei nicht in Ordnung, den ländlichen Raum zu predigen und gleichzeitig zuzuschauen, wie die Beschäftigten von dort in die Großstädte genötigt werden. Der Fall Waldheim zeige: „Wir müssen die Förderpolitik im Freistaat wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Im Fokus steht nachhaltiges Wirtschaften statt Standortwettbewerb.“

 

Von Elke Braun & Elke Görlitz

Foto: © Archiv/DietmarThomas

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