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Das sind die frechsten Produktkopien 2019

09.02.2019
Es wird nach wie vor dreist kopiert. Chinesische Firmen sind dabei die größten Übeltäter. Deutsche stehen ihnen aber  nicht viel nach.

Ein Schrägsitzventil für Textilmaschinen, ein Spielzeug-Radlader, ein Bräter, ein Bewegungsmelder und eine Handbrause – alles ist fein säuberlich aufgereiht im Konferenzsaal Transparenz der Frankfurter Messe. Und das jeweils gleich doppelt. Grund: Neben dem Original steht jeweils eine dreiste, meist schlechte und minderwertige Kopie. Jedes Jahr anlässlich der weltgrößten Konsumgüter-Messe Ambiente verleiht die Aktion Plagiarius, wie am Freitag, einen Schmähpreis für dreiste Kopien von hochwertigen, teuren Produkten. In diesem Jahr kommen die höchst fragwürdigen Preisträger ausnahmslos aus China. „Es wird weiter munter abgekupfert“, sagt Plagiarius-Sprecherin Christine Lacroix. „Das bewegt sich weiter auf hohem Niveau.“

Beim Ventil hat die chinesische Firma Ningbo alle Elemente des Originalprodukts der Bürkert Werke aus dem baden-württembergischen Ingelfingen kopiert, den Spielzeug-Radlader der Bruder Spielwaren GmbH aus Fürth hat die chinesische Hengheng Toys Factory einfach etwas kleiner nachgebaut, allerdings mit billigen Materialien und schlecht verarbeitet. Extrem dreist hat die chinesische Zheijang Keland den Bräter der renommierten Firma Zwilling aus Solingen nachgemacht. Statt Gusseisen wurde einfach billiges Aluminium verwendet.

Es gehe ja nicht nur um die schlechte Qualität der kopierten Produkte, sagt Lacroix. „Es geht auch um Sicherheit und Gesundheit“. In der Regel werden die Kopien aus dem Handel genommen. Die dreisten Kopierer schreibt die Aktion an. Die meisten reagieren nicht. In wenigen Fällen können die Originalhersteller eine Unterlassungserklärung durchsetzen, wie jüngst im Fall des Bräters, wie Lacroix berichtet.

Die fragwürdigen Preisträger markieren freilich nur die Spitze des Eisbergs, auch wenn der Zoll an den EU-Außergrenzen 2017 mehr als 31 Millionen rechtsverletzende Produkte mit einem Gesamtwert von mehr als 580 Millionen Euro beschlagnahmt hat. Die Auswirkungen auf die betroffenen Original-Hersteller sind immens. Ihnen gehen Umsätze und Gewinne verloren, sie tragen die meist hohen Entwicklungskosten. Professor Arndt Sinn, Direktor des Zentrums für Europäische und Internationale Strafrechtsstudien an der Universität Osnabrück, schätzt, dass allein in Deutschland 70 000 bis 80 000 Arbeitsplätze mehr zur Verfügung stünden, würde es die Produkt- und Markenpiraterie nicht geben. In der ganzen EU liegen die Umsatzeinbußen allein durch gefälschte Kleidung bei mehr als 43 Milliarden Euro pro Jahr, fast 520 000 Arbeitsplätze gingen verloren.

Allein im deutschen Maschinenbau, schätzt der Branchenverband VDMA, sind mehr als 70 Prozent der Unternehmen von Fälschungen betroffen. Schaden: rund 7,3 Milliarden Euro. Auch hier deutet man vor allem auf China. Es sei das Ursprungsland Nummer eins bei Plagiaten. Gleich dahinter folgt Deutschland, heißt es beim VDMA – mit einem Anteil von 19 Prozent vor Italien mit 18 Prozent.

„Seit Jahren ist diese Einkommensquelle attraktiv für kriminelle Akteure, lässt sich doch mit Produktpiraterie mehr Geld verdienen als im Kokainhandel und das bei niedrigerem Entdeckungsrisiko, geringerem Sanktionsniveau und kaum Verfolgungsdruck“, sagt Sinn. Der Zoll könne, glaubt er, nur zwei bis fünf Prozent der Einfuhren wirklich kontrollieren. Würden die illegalen Gewinne durch Plagiate mittels Geldwäsche in den legalen Finanzkreislauf eingeschleust, würden die legalen Märkte unterminiert. Deshalb gehe es um ein gesamtgesellschaftliches Problem.

 

Von Rolf Obertreis

Foto: © Frank Rumpenhorst/dpa

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