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Das sind die Risiken der 5G-Technologie

11.10.2019
Die EU-Kommission will bei der Einführung der Technik neue Abhängigkeiten vermeiden. Es gibt auch andere Bedenken.

Sie gilt als die Zauberformel für das Hochgeschwindigkeits-Internet der Zukunft: 5G. Nun hat die Europäische Kommission erstmals die Risiken zusammengestellt – und dabei eine deutliche Warnung vor China ausgesprochen, ohne Peking direkt zu nennen. Zwar sei die neue Technologie, die sich „wesentlich vom bekannten Vorgängernetz 4G unterscheidet“, für die EU „ein wichtiger Faktor, um auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu sein“, heißt es in dem Papier, das am Mittwoch in Brüssel vorgestellt wurde.

Denn der weltweite Umsatz, der mithilfe des schnellen Netzes im Jahr 2025 möglich sei, wird auf 225 Milliarden Euro geschätzt. „Die Vorteile der 5G-Einführung in den vier Schlüsselsektoren Auto, Gesundheit, Verkehr und Energie dürften bei 114 Milliarden Euro pro Jahr liegen“, schreibt die EU-Behörde weiter. Aber es gebe eben auch viele Gefahren.

Bei den Risiken nennt die Kommission Hacker, Aktivisten und das organisierte Verbrechen. Die größte Bedrohung ginge aber von „Staaten und der Abhängigkeit von Drittanbietern“ aus. „Da Großkonzerne versuchen, eine globale Führungsrolle bei neuen Technologien einzunehmen, könnten sie diese nutzen, um geistiges Eigentum oder sensible Daten zu stehlen.“ Diese Warnung richtet sich unmissverständlich gegen den chinesischen Mobilfunk-Riesen Huawei, der bei der 5G-Technik eine weltweite Führungsrolle einnimmt.

Problem der Abhängigkeit

Wenn aber nur ein Anbieter praktisch die gesamte Infrastruktur des 5G-Netzes liefere und auch die Software stelle, sei die Abhängigkeit gefährlich hoch. Zum einen wäre die EU dann darauf angewiesen, dass diese Länder und Konzerne die europäischen Grundsätze beispielsweise beim Datenschutz übernehmen. Zum anderen müsse man in diesem Fall allein diesen Partnern vertrauen, dass es bei der Funktion der 5G-Technik nicht zu Störungen komme. Fazit der Brüsseler EU-Kommission: „Zusammen bilden diese Risiken eine neue Herausforderung in Sachen Sicherheit und machen es nötig, die derzeitige Politik und die Grundsätze für risikoarme Netze neu zu bewerten.“

Die EU steht unter Druck. Denn die Vereinigten Staaten haben die Gemeinschaft offen aufgefordert, den chinesischen Anbieter Huawei nicht zu beteiligen. Washington befürchtet, dass Peking über seinen Konzern direkten Einfluss auf die Lebensadern der digitalen Gesellschaft Zugriff bekommen würde. Aber diese Entscheidung wird, wie die Kommission bestätigte, nicht in Brüssel getroffen. Denn die Mitgliedsstaaten alleine legen fest, an wen welche Aufträge vergeben werden.

Trotz aller deutlichen Warnungen dürfte die Zusammenstellung der Risiken, die die Brüsseler Behörde auf der Grundlage der Ergebnisse aus den Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft vorgenommen hat, für viele Bürger enttäuschend sein. Denn die Frage höherer Strahlung kommt überhaupt nicht vor.

Dabei hatten genau diese Bedenken Anfang des laufenden Jahres zu einem Stopp des Netzausbaus geführt. Die Umweltministerin der Hauptstadtregion Brüssel, Céline Fremault, ließ die Vorbereitungen für 5G sogar ganz einstellen, weil sie es ablehnte, die „Bürger zu Versuchskaninchen zu machen“.

Folgen die EU-Mitgliedsstaaten der Risikoanalyse der Kommission, dann bleibt noch bis zum 1. Oktober kommenden Jahres Zeit, um die „Auswirkungen zu bewerten und eventuellen Handlungsbedarf“ festzustellen. Bis dahin hält die Gemeinschaft unbeirrt an ihrem Ziel fest, 5G bis zum Jahr 2025 in allen europäischen Regionen aufzubauen.

 

Von Detlef Drewes, Korrespondent in Brüssel

Foto: © Hendrik Schmidt/ZB/dpa
 

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