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Datenfalle Homeoffice?

07.04.2021
Die Arbeit daheim kann es Betrügern leichter machen, auf sensible Firmendaten zuzugreifen. Doch die Risiken lassen sich minimieren.

Seitdem in Deutschland die Digitalierung Fahrt aufgenommen hat, steigt die Anzahl der Menschen, die von zu Hause aus arbeiten. Zeitgleich erhöht sich die Zahl von Hackerangriffen auf Computernetzwerke.

Das kann auch im Homeoffice zum Problem werden. Viele Arbeitnehmer rufen nun mit ihrem Rechner zu Hause sensible Daten ihres Unternehmens ab, der E-Mail-Verkehr fließt über den Computer im heimischen Büro. Laut einer Forsa-Umfrage erfolgen 70 Prozent aller Cyberattacken per E-Mail.

Doch man kann sich durchaus schützen. Mitarbeiter sind selbst gefragt „Am Beispiel bösartiger Phishingmails kann man das verdeutlichen“, erklärt Sabine Träumer vom Versicherungsunternehmen Axa. „Der erste technische Schutz sind Mailfilter und eine umfassende Firewall. Daneben komme es vor allem auf die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Unternehmens an. Bei manipulierten Texten beispielsweise handelt es sich um extrem genaue, oftmals bis auf winzige Details identisch wirkende Firmen-Korrespondenzen. Sie ermöglichen durch das Ausführen bestimmter Dateien den Angreifern, ins Unternehmensnetzwerk einzudringen“, so die Cyber-Expertin.

In der Folge kann es unter anderem zu Datenschutzverletzungen kommen oder zu unvorhergesehenen Überlastungen des Systems durch Denial of Service-Angriffe (so genannte DdoS-Attacken), die alles lahmlegen. In diesen Fällen kann eine Cyber-Versicherung zumindest vor finanziellen Schäden bewahren, die Betroffene aller Branchen vom Handwerk über Freiberufler bis hin zum Mittelstand und Industrieunternehmen ereilen können.

Abhängig vom eigenen Bedarf sollten Nutzer nicht unbedingt einen Pauschalvertrag abschließen, sondern einzelne Bausteine ergänzen oder ausschließen können. Eine Cyber-Versicherung könne hier als sinnvolle Ergänzung zur Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung gesehen werden. Sie deckt zum Beispiel die Kosten zur Wiederherstellung von Daten, eines Einsatzes von Sachverständigen oder unterstützt mit professionellem Krisenmanagement.

Für Unternehmen sichern Produkte wie ByteProtect zusätzlich das Risiko eines Ertragsausfalls ab. Zudem sollten Firmen und auch deren Mitarbeiter im Homeoffice stets aktuell informiert bleiben. „Allgemein lohnt sich immer ein Blick auf die Informationen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)“, rät Sabine Träumer.

Die Angebote für Cyberversicherungen richteten sich nach Angaben der Verbraucherzentrale ursprünglich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen. Mittlerweile werden sie auch für privaten Nutzer interessant. Weil es sich um eine junge Sparte handelt, seien die Angebote aufgrund großer Leistungsunterschiede oft nur schwer vergleichbar, so die Verbraucherschützer. Ein Blick in die Details lohne sich - vor allem auch, weil ein Teil der Cyberrisiken auch durch die gängigen Verträge abgesichert sei.

Leitet etwa jemand unabsichtlich einen schädigenden Virus weiter, kann die Private Haftpflichtversicherung (PHV) für die Folgekosten aufkommen – und die sollte nicht nur nach Ansicht der Verbraucherschützer ohnehin jeder haben. Diese Versicherung springt dann ein, wenn einem Dritten unabsichtlich ein Schaden im privaten Bereich zugefügt wird. Bei vielen Policen schließt das auch das Internet und die entsprechenden Risiken mit ein. Daneben wehrt die private Haftpflichtversicherung unberechtigt erhobene Ansprüche ab.

Rechtsschutz kann helfen Auch der Fall eines Daten- und Identitätsdiebstahls könne zumindest teilweise über herkömmliche Policen versichert werden. Wird etwa jemand Opfer eines Phishing-Angriffs, in dessen Folge das Konto geplündert wird, lässt sich das verlorene Geld unter Umständen über die Bank zurückholen. „Der Hausratversicherungsvertrag kann Schutz beim Onlinebanking enthalten und deckt damit die entstandenen Schäden. Darüber hinaus erstreckt er sich oft auch auf gestohlene Daten und die daraus entstehenden Folgeschäden, wenn zum Beispiel missbräuchlich Einkäufe im Internet getätigt wurden“, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Die Rechtsschutzversicherung wird dann gebraucht, wenn es - zum Beispiel durch Probleme, die bei der Internetnutzung entstehen können - zu einem Rechtsstreit kommt. Hier übernimmt der Rechtsschutzversicherer etwa die Anwaltskosten und Prozesskosten. Ein oft wenig beachteter Nebenaspekt der Cyberkriminalität können gesundheitliche Beeinträchtigungen, vor allem psychischer Art, sein. Etwa dann, wenn dem Betrug massive Belästigungen über Online-Medien vorausgegangen ist oder wenn durch einen Angriff in der digitalen Welt ein realer Schaden auch für Andere - zum Beispiel den Arbeitgeber - entstanden ist.

So mancher Betroffene leidet dabei unter mehr als nur einem schlechten Gewissen. Die Kosten für die Behandlung gesundheitlicher Beeinträchtigungen, die zum Beispiel Cyber-Mobbing-Opfer erleiden, übernehmen die privaten und gesetzlichen Krankenversicherer. (djd, aks)

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