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Decín zeigt langjährige Schloss-Chefin an

02.12.2019
Eine Wirtschaftsprüfung hat Verschwendung und Begünstigung aufgedeckt.

Die über zehnjährige Amtszeit der Direktorin des Schlosses Děčín (Tetschen) Iveta Krupičková hat ein juristisches Nachspiel. Die Stadt will sie verklagen. Das hat eine Wirtschaftsprüfung ergeben. Die Stadt wirft Krupičková Verschwendung im Umgang mit öffentlichem Eigentum und Begünstigung vor. So seien Arbeitsverträge abgeschlossen worden, aber nicht nachprüfbar, ob die vereinbarten Arbeiten überhaupt ausgeführt wurden. „Auf dem Schloss gab es nie ein System zur Anwesenheitsprüfung“, beklagt Oberbürgermeister Jaroslav Hrouda. 

Außerdem sei ein Kaffeeautomat für umgerechnet 2.000 Euro angeschafft worden, der im Handel schon für 800 Euro zu haben ist. „Hinter vielen Verfehlungen sehe ich Fahrlässigkeit, aber hinter einigen auch Absicht“, schätzt Rathauschef Hrouda ein. Krupičková lehnt die Anschuldigungen ab. „Ich habe ein reines Gewissen und nie gegen die Interessen des Schlosses gehandelt“, wird Krupičková in der Tageszeitung Mladá fronta Dnes zitiert. Sie habe alle Anweisungen der Stadt als Eigentümer des Schlosses umgesetzt. Außerdem war die Wirtschaftsführung regelmäßigen Kontrollen der Stadt sowie mehrerer Fördermittelgeber unterworfen. „Festgestellte Mängel wurden fristgerecht abgestellt“, sagt Krupičková.

Krupičková war die erste Direktorin des Schlosses und hatte unter schwierigen Rahmenbedingungen dafür gesorgt, dass aus der einstigen Kaserne der Sowjetarmee wieder ein beliebtes Ziel von Besuchern wurde. 2018 waren die Besucherzahlen auf über 80.000 gestiegen. Außerdem hatte sie intensive Beziehungen nach Sachsen geknüpft, mit dem Děčín über die Adelsfamilie Bünau verbunden ist.

Im Frühling wurde sie durch den seit Herbst 2018 amtierenden Oberbürgermeister Hrouda überraschend abberufen. In einer eilig durchgeführten Ausschreibung wurde mit Miroslava Poskočilová eine erfolglose Stadtratskandidatin als Nachfolgerin eingesetzt.

 

Von Steffen Neumann 

Foto: © Petr Špánek

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