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Der Herr der Busse

09.07.2020
Stefan Löwe führt seit März die Geschäfte der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda.

Von Mirko Kolodziej 

Hoyerswerda. Während der ersten hundert Tage im Job als Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda gleich die Auswirkungen einer Pandemie auf den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt managen zu müssen, war nun wahrlich alles andere als voraussehbar. „Ach naja, selbst Geschäftsführer mit 30 oder 40 Jahren im Job hätten da nichts anders machen können. Es gibt ja keine Erfahrungen“, sagt Stefan Löwe. Er hat die Führung der VGH Anfang März von Rainer Warkus übernommen, die hundert Tage waren im Juni herum.

Eine unerwartete Baustelle sei Covid-19 schon gewesen, schildert er. Andere Baustellen habe er dagegen erwartet. Auch, wenn Löwe aus Dresden kommt, wo er nach wie vor mit seiner Familie lebt: Die VGH sind ihm alles andere als unbekannt. Im Gespräch hat er keinerlei Schwierigkeiten, die Haltestellen-Namen einzuordnen. Denn schon bei seiner vorherigen Tätigkeit für die VCDB Verkehrsconsult Dresden-Berlin GmbH, eine Tochter der Dresdener und der Berliner Verkehrsbetriebe, war er wiederholt für die VGH tätig. Sein Spezialgebiet war die sogenannte Verkehrstelematik, also die Datenverarbeitung zur Steuerung von Verkehrssystemen. Fragt man Stefan Löwe, was denn das für erwartete Baustellen seien, von denen da die Rede ist, beginnt er also bei der Digitalisierung. Am Firmensitz in der Straße B im Industriegelände mangelt es unter anderem an WLAN. Und das ist nur ein Beispiel. „Da müssen wir einiges tun“, findet der Herr der Busse.

Vom Diesel zum Strom

Als er sich im Oktober vorigen Jahres im Stadtrat vorstellte, nannte er aber auch andere Herausforderungen wie den demografischen Wandel mit weniger, aber älteren Menschen oder auch die Elektromobilität. Löwe erzählt von einer EU-Richtlinie, die vorschreibt, dass die Hälfte der Fahrzeuge eines Flottenbestandes ab 2025 mit sogenannten alternativen Antrieben unterwegs sein müssen. Abgesehen davon, dass die Betriebs-Dauer so eines VGH-Busses wirtschaftlich auf 16 bis 18 Jahre kalkuliert ist, steht die Frage nach der „Betankung“ etwa von Elektrofahrzeugen. Es bedarf dafür nicht nur der passenden „Zapfsäulen“, sondern auch eines funktionierenden Starkstromanschlusses. Und die Kollegen in der VGH-Werkstatt sind bisher eher Experten für Diesel- statt für Elektro-Antriebe. Fragen, die zu klären sind, umfassen zudem den etwaigen Einsatz von Bio-Kraftstoff und auch die Kapazität eines angepassten Kfz-Bestandes. „Man kann sich zum Beispiel fragen, ob der 12-Meter-Bus auf Dauer das richtige Fahrzeug ist“, sagt Löwe.

Die jüngste Neuerwerbung ist freilich noch genau so ein Dieselfahrzeug. Es ist im April in Dienst gestellt worden. Der Vorgänger hatte seine kalkulierte Laufzeit weg. Es ist typischer Hoyerswerda-Bus: In der Mitte fehlen ein paar Sitze, damit auch drei oder vier Fahrgäste mit Rollatoren bequem Platz haben. Das wird wohl vorerst auch bei künftigen neuen Bussen so sein. In anderen Details, sagt der VGH-Chef,würden künftige Bestellungen bei Herstellern geändert. Das betrifft zum Beispiel die Montage von Außenlautsprechern, sodass Busfahrer ohne Ausstieg reagieren können, wenn sie einen blinden Menschen an der Haltestelle stehen sehen. Und Leute, die Schwierigkeiten mit Augen haben, dürften sich über andere Schriftlaufbänder an den Bussen freuen. Was heißt: Sie sollen besser zu erkennen sein, zum Beispiel nicht mehr so flackern. Auch die Fahrgastinformation am Bus-Heck wird Stefan Löwes Vorstellungen zufolge größer, sodass mehr als die Liniennummer darauf unterzubringen ist. Das soll insbesondere beim Umsteigen am Lausitzer Platz oder am Bahnhof nützlich sein. Und: Künftige Busse werden wohl Fußböden in Holzoptik erhalten - für einen wohnlicheren Gesamteindruck.

Nachwuchsgewinnung wichtig

Was nun aber den demografischen Wandel angeht, betrifft er keineswegs nur die Fahrgäste, sondern ebenso die aktuell 42 VHG-Mitarbeiter. Innerhalb der kommenden Jahre werden 40 Prozent der Belegschaft in den Ruhestand gehen. Auch als Reaktion darauf bildet die Verkehrsgesellschaft im Schnitt pro Lehrjahr drei Azubis aus. Um einen neuen Geschäftsführer muss das Unternehmen sich dagegen wohl so rasch nicht mehr kümmern. Denn Stefan Löwe ist im Januar erst 40 geworden.

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