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Der Schwund in Sachsens Gewerkschaften

29.04.2019
Nur Metaller, Pädagogen und Polizisten melden Zuwächse. Der Schwund hat verschiedene Ursachen.

Der Mitgliederschwund im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Sachsen hält an. Wie der Landesbezirk mitteilte, waren dort Ende 2018 in den acht Einzelgewerkschaften 264 237 Menschen organisiert, 5 785 weniger als ein Jahr zuvor.

Demnach haben die Sparten Bauen-Agrar-Umwelt, Bergbau-Chemie-Energie sowie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft jeweils Hunderte Beitragszahler verloren, die mitgliederstärkste Dienstleistungsgewerkschaft Verdi 1 270. Die größten Verluste vermeldet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die in einem Jahr ein Drittel der Mitglieder verlor.

Volkmar Heinrich, Chef der NGG-Region Dresden-Chemnitz, begründet den Schwund damit, dass 3 500 im Freistaat gezählte Beitragszahler aus dem Raum Leipzig-Halle-Dessau jetzt Sachsen-Anhalt zugeschlagen würden. „Tatsächlich haben wir keine Mitglieder verloren“, stellt er klar.

Unter dem Aspekt bleibt für 2018 insgesamt ein Minus von 2 285. Das liegt unter dem Verlust des Vorjahrs, aber weit über den Abgängen zuvor. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaften der Polizei und Erziehung-Wissenschaft konnten leicht zulegen, die IG Metall sogar um 257 Köpfe. Sie blieb aber unter dem Wert von 2015. Die Gewerkschaft schließt mit nunmehr 88 300 Mitgliedern fast zu Verdi auf.

Tarifverträge als Werbe-Argument

„Alle Gewerkschaften unternehmen starke Anstrengungen, ihre Mitglieder zu halten und neue zu gewinnen“, sagt Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach. Das Werbe-Argument: Mit den Arbeitgebern ausgehandelte Tarifverträge machten Bezahlung verlässlich und Arbeit attraktiv. „Wer keinen Tarifvertrag hat, dem sagen wir: ,Werdet Mitglied, denn je mehr ihr seid, desto besser könnt ihr gemeinsam kämpfen und so in den Genuss von Tarifverträgen kommen’“, so Schlimbach.

Der DGB ist die größte Dachorganisation von Gewerkschaften in Deutschland mit fast sechs Millionen Mitgliedern. Ferner gibt es 41 Interessenvertretungen von Beschäftigten, die – wie die Lokführergewerkschaft GDL – beim Beamtenbund organisiert sind, sowie 13 Organisationen des Christlichen Gewerkschaftsbundes und gut 50 weitere Berufsverbände.

„Uns fehlt ein starker Arbeitgeberverband als Partner“, sagt Schlimbach. Wie es dort um den Organisationsgrad bestellt ist, ist unklar. „Uns liegt keine vollumfängliche Statistik dazu vor, auch weil die Verbände teilweise bundesländerübergreifend agieren“, heißt es auf Anfrage von der Dachorganisation VSW. Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner will sich nicht äußern. Sachsen hat bundesweit die geringste Tarifbindung. Nicht mal jeder fünfte Betrieb vereinbart mit Gewerkschaften Löhne, Arbeitszeit und -bedingungen. 

 

Von Michael Rothe

Foto: © imago images / momentphoto/Killig

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