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„Die Bevölkerung zur Energiewende ermuntern“

Dresden 20.09.2019
Der Chef der Solarwatt GmbH aus Dresden erklärt, wie die Energiewende schaffbar ist. Ein Standpunkt von Detlef Neuhaus.

Deutschland war einst Vorreiter der Energiewende, doch mittlerweile laufen wir anderen Ländern hinterher. So arbeiten in China mittlerweile – relativ zur Einwohnerzahl – vier Mal so viele Menschen in der Solarbranche wie in Deutschland.  

Was hierzulande fehlt, ist das klare Bekenntnis der Regierung zum Klimaschutz. Die Zahl der Menschen in Deutschland, die erneuerbare Energien als selbstverständlichen Teil ihres Lebens betrachten, wächst. Vor diesem Hintergrund wundert man sich über die teils absurden Regelungen und Vorgaben, die den Anwendern der Erneuerbaren das Leben schwer machen. Diese müssen überarbeitet werden. Meine fünf Vorschläge:

Schluss mit dem Ausbau-Deckel

Der viel diskutierte Ausbau-Deckel bei 52 GW wird ein fatales Signal in den Markt senden. Hier geht es nicht nur um die finanziellen Folgen, sondern um die psychologische Wirkung des Stopps der EEG-Vergütung. Jetzt liegt die Fördersumme für eine PV-Anlage mit Eigenverbrauch bei 2 000 Euro innerhalb von 20 Jahren. Ein „Deckel“ ist dazu da, eine negative Sache einzudämmen. Dieses Wording ist absolut kontraproduktiv und zeigt, dass die Politik nicht hinter ihrem Ziel steht, die CO2-Emissionen durch erneuerbare Energien zu senken. Das Gegenteil tut Not. Der Deckel muss abgeschafft werden unter Beibehaltung des EEG-Vergütungs-Degressionsmechanismus, um ein positives Signal in den Markt zu senden.

Steuerliche Entlastung
Zurzeit müssen Solaranlagen bei der Anmeldung beim lokalen Netzbetreiber zunächst angefragt werden. Der nächste Schritt ist die Registrierung der Anlage im zentralen Marktstammdatenregister. Beide Prozesse laufen getrennt voneinander – mit unterschiedlichen Verfahren und Dokumenten. Das bedeutet für die Nutzer sehr viel Papierkram, noch bevor die Anlage überhaupt läuft. Privatpersonen werden durch eine Solaranlage zu Unternehmern. Die Erträge der Solaranlage sind umsatz- bzw. einkommenssteuerpflichtig. Auch dies bedeutet Bürokratie. Doch damit nicht genug: Sobald die Anlage die Leistungsgrenze von 10 kWp überschreitet, werden die Nutzer für den gesamten in der Anlage erzeugten und selbst verbrauchten Strom zur Kasse gebeten, denn sie müssen EEG-Umlage zahlen. Damit stellt sich die grundsätzliche Frage: Sollen die Bürger, die in Fotovoltaiktechnologie investiert haben, um Strom aus den – kostenlosen – Sonnenstrahlen zu ernten, dafür bestraft werden, dass sie das Netz entlasten? CO2Die Anmeldung wie die Registrierung der Anlage muss über ein zentrales System erfolgen, um die Prozesse transparenter und schneller zu gestalten. Die Eigenverbrauchsbesteuerung muss gestrichen und PV-Anlagen im Privatbereich steuerlich freigestellt werden. Die Finanzierung kann durch eine Umschichtung bei den Förderungen gewährleistet werden.

Neues Mieterstromgesetz

Momentan verhindern die steuerlichen und behördlichen Auflagen das Durchdringen der Energiewende in den Städten. Der gute Ansatz – die Partizipation der Stadtbewohner an umweltfreundlich erzeugtem Strom – wurde durch ein Bürokratiemonster wieder zunichtegemacht. Eigentümer von Mehrfamilienhäusern oder Wohnblöcken schrecken vor dem „Paragrafendschungel Mieterstrom“ zurück. Vorschlag: EEG-Anlagen auf Mehrparteien-Häusern müssen wie Einfamilien-Häuser betrachtet werden: Das bedeutet keine EEG-Umlagepflicht und keine Sondervergütung für Mieterstrom.

E-Fahrzeuge mit Ökostrom laden

Damit der Klimaschutz tatsächlich vorankommt, müssen Energie-, Verkehrs- und Wärmewende miteinander verflochten werden. Für Elektrofahrzeuge muss es das Ziel sein, diese bevorzugt mit sauberem Strom, beispielsweise aus einer Fotovoltaik-Anlage, aufzuladen. Nur dann sind Elektrofahrzeuge wirklich umweltfreundlich unterwegs und der Ladevorgang belastet das Stromnetz nicht. Damit Elektroautos und Hybride über den gesamten Lebenszyklus eine bessere CO2-Bilanz erzielen können, müssen die Förderungen für diese Fahrzeuge daran geknüpft sein, mit welchem Anteil an lokal erzeugter Energie (Fotovoltaik, Windkraft- oder Biomasse-Anlagen) sie geladen werden.

Flexible Strompreise

Zurzeit ergibt sich im Durchschnitt in Deutschland ein Strompreis für Endkunden in Höhe von 29 Cent pro Kilowattstunde. Darin enthalten sind diverse Abgaben für Steuern, Netzentgelte, EEG-Umlage etc. Eine Flexibilisierung der Strompreise würde Lastspitzen reduzieren und das Netz entlasten. Als Anreiz für einen weiteren Ausbau und den Eigenverbrauch von erneuerbaren Energien sollten die Netzentgelte dahingehend reformiert werden, dass bei lokalem Eigenverbrauch diese nur reduziert berechnet werden. Ebenfalls könnten zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Preise gelten, um beispielsweise das Beladen von E-Autos in Nicht-Spitzen-Zeiten zu verschieben.

Foto:  © Solarwatt GmbH

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