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Die erste Turbo-Tankstelle steht in Zittau

Landkreis Görlitz 24.05.2019
Elektroautos können nun am Haus I der Hochschule Strom zapfen. Und das schneller als anderswo in der Region - theoretisch.

In Zittau ist am Dienstag die erste regionale und öffentliche Schnell-Ladesäule für Elektrofahrzeuge in Betrieb gegangen. Sie hat ihren Platz am Haus I der Hochschule an der Theodor-Körner-Allee. Zwei Parkplätze sind dafür reserviert, die Beschilderung folgt noch. Es sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Professor Klaus-Dieter Haim von der Fakultät Elektrotechnik und Informatik, der an der neuen E-Tankstelle gleich einmal den von der Enso für die Hochschule bereitgestellten Nissan Leaf auflädt.

Der Unterschied zu einer herkömmlichen Ladesäule: Die Batterie des Wagens ist schneller wieder voll. So bietet die E-Tankstelle an der Hochschule eine Leistung von 50 Kilowatt pro Stunde. "Damit lässt sich ein Kleinwagen in 30 Minuten laden", berichtet Haim. Theoretisch. Praktisch kommt diese Leistung nicht bei der Batterie an. Der Grund: Das an der Säule liegende Kabel der Stadtwerke Zittau lässt nur 22 Kilowatt pro Stunde zu. "Aber wir wollten erst einmal loslegen", so der Professor. Dafür betragen die Kosten für die neue E-Tankstelle mit rund 30.000 Euro das Dreifache einer normalen. 

Die Zapfsäule verfügt über die drei wichtigsten Anschlussvarianten. So kann ein Elektrofahrzeug mit Gleichstrom, Wechselstrom oder einem gekoppelten System geladen werden. Das Tanken ist kostenpflichtig. Möglich ist dies beispielsweise nach einer Registrierung unter www.stromticket.de. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte, Lastschrift oder einem anderen Zahlungsverfahren. Verschiedene Tarife bieten die Möglichkeit, Ladezeiten individuell festzulegen.

An der E-Tankstelle - übrigens nach einer an der Friedensstraße und Breite Straße die dritte für Fahrzeuge in Zittau - beteiligt sind Hochschule, Stadtwerke, Enso Netz, Walther-Werke und ATN Hölzel. Sie ist wiederum Teil des Projektes "Saxony5", an dem fünf sächsische Hochschulen mitwirken. Das Thema der Zittauer dabei: Die vernetzte Mobilität. "Wir kümmern uns um die Lade-Infrastruktur im ländlichen Raum", erklärt Haim. Das geht schon beim Einfamilienhaus los, das den Strom für das E-Auto beispielsweise über Photovoltaik selbst erzeugen könnte. "Noch charmanter wird es, den Wagen als (Not-)Stromerzeuger zu nutzen." Die Energie ließe sich natürlich auch wieder ins öffentliche Netz einspeisen. Ein Ansatz, an dem die Hochschule forscht.

Doch selbst wenn die Infrastruktur da ist, so fahren noch viel zu wenig E-Autos herum. Das liegt am Preis, ist der Professor überzeugt. Solange ein mit Strom fahrender Wagen für eine Privatperson das Doppelte eines herkömmlichen kostet, steht der Umweltgedanke eben hinten an. "Es ist zu teuer."

E-Mobilität sei noch ein schwieriges Geschäft in Deutschland, sagt Haim. Unter anderem, weil dadurch viele Arbeitsplätze wegfallen würden. "Aber daran führt kein Weg vorbei", so der Professor. "Entweder man macht es oder wird überrollt", sagt er mit Blick auf andere Länder, die beim Thema E-Mobilität schon weiter sind.

 

Von Thomas Christmann

Foto: ©  dpa

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