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„Die Grünen haben die Landwirte verletzt“

Landkreis Mittelsachsen 18.09.2019
Sachsens oberster Bauer Torsten Krawczyk will den CDU-Umwelt-Minister behalten und im Verband viel verändern.

Mit Torsten Krawczyk aus Großweitzschen haben die Mitglieder des Landesbauernverbandes Sachsen einen neuen Präsidenten an ihre Spitze gewählt. Der 44-jährige Landwirt und Unternehmer löst damit Wolfgang Vogel ab, der den Berufsverband seit 2007 geleitet hat. Krawczyk war bisher sein Stellvertreter und ist zudem seit 16 Jahren der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Döbeln/Oschatz.

Herr Krawczyk, Sie haben bei der Wahl 96 Prozent der Stimmen der Verbandsdelegierten erhalten. Wie erklären Sie sich das deutliche Ergebnis?

Ich war und bin immer noch von dem enormen Zuspruch überwältigt. Ich spüre aber auch die große Verantwortung und die noch größere Erwartungshaltung der Mitglieder. Das Ergebnis hat deutlich gemacht, dass sie einen Generationswechsel unbedingt wollen. Der Wechsel an der Verbandsspitze wird auch spürbar sein. Ich hoffe, die Euphorie aus der Wahl bedeutet auch, dass alle bereit sind, sich mitzuverändern. Denn es stehen große Veränderungen an, nicht nur deshalb, weil sich gerade die neue Landesregierung bildet. Es gibt wahrscheinlich kaum eine spannendere Zeit, ein solches Amt zu übernehmen.

Ihr Vorgänger hat in einem Interview mit der Sächsischen Zeitung am 13. September mit einigen deutlichen Aussagen für Wirbel gesorgt. Darin spricht er unter anderem den Grünen jede Kompetenz für die Landwirtschaft ab. Was sagen Sie zu diesem Thema?

Ich werde und will keine Kritik dazu an meinem Vorgänger üben. Ich kann seine Meinung nachvollziehen, will es aber anders ausdrücken und erklären. Die Landwirte wurden im Wahlkampf der Grünen mit deren Negativ-Botschaften zur Landwirtschaft sehr verletzt. Die Partei hat deutlich gemacht, wie sie mit unserem Berufsstand umgeht. Bislang war sie in der Opposition, nun wird sie wahrscheinlich Regierungsverantwortung übernehmen. Ich sehe bei den sächsischen Grünen aber derzeit keine Konzepte. Deshalb hoffe ich, dass sie dazu bereit sind, bei den Verhandlungen für die Landesregierung auf das Ressort Umwelt und Landwirtschaft zu verzichten. Außerdem hat der aktuelle CDU-Minister Thomas Schmidt in den vergangenen Jahren eine sehr gute Arbeit gemacht. Er hat viele gute Impulse gegeben, Projekte angeschoben, mit denen wir europaweit führend sind. Diese brauchen nun Zeit und Kontinuität. Die sollte er auch bekommen und das Ministeramt weiterführen.

Glyphosatverbot, Insektensterben, Nitratbelastung im Grundwasser sind nur einige kontroverse Themen, die bundesweit diskutiert werden, aber auch Sachsens Landwirtschaft betreffen. Wie stehen sie dazu?

Das Thema Glyphosat ist für mich durch. Da gibt es keine Sachlichkeit mehr. Wir in Sachsen wenden es unter strengeren Regeln an, andere Regionen in Deutschland haben diese noch nicht. Fakt ist aber, wenn es zum Verbot kommt, werden die Landwirte auf ein anderes Mittel zurückgreifen müssen, das nicht so im Fokus steht, welches dann aber vielleicht nicht so effizient ist. Auch beim Insektensterben fehlt der sachliche Umgang. Die Bauern werden oft zu Unrecht kritisiert. Dass die Landwirte in Deutschland in diesem Jahr so viele neue Blühstreifen angelegt haben, dass damit der Äquator zweimal umrundet werden könnte, wird in der öffentlichen Diskussion kaum wahrgenommen. Oder es wird viel zu sehr vereinfacht, wie beim Thema Nitratbelastung. Da spielen so viele Faktoren und mögliche Ursachen eine Rolle, die zunächst noch gründlicher erforscht und ausgewertet werden müssen. Daran arbeiten wir.

Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden vier Jahre Ihrer Amtszeit gesteckt?

Ich möchte die Landwirtschaft wieder in die Mitte unserer Gesellschaft rücken. Jetzt wird unserer Branche viel zu oft mit Misstrauen, Angst und Unverständnis begegnet. Ich sehe aber eine positive Zukunft für unsere sächsische Landwirtschaft. Wir haben den Anspruch und die Möglichkeiten, in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle für ganz Deutschland einzunehmen. Und ich möchte den Verband in die digitale Zukunft führen. Wir fahren zwar hoch technisierte Erntefahrzeuge mit Satellitenunterstützung, aber in der Welt der digitalen Kommunikation sind wir noch nicht angekommen. Das muss sich ändern.

Wie wird sich der Generationswechsel ganz konkret im Verband auswirken?

Wir haben bereits vor einem Jahr gemeinsam begonnen, ein neues Konzept für den Verband zu erarbeiten. Meine Aufgabe wird nun sein, dieses Konzept auch stringent umzusetzen. Wir wollen die Aufgaben konzentrieren und den Verwaltungsaufwand straffen. Das heißt, aus jetzt noch 16 Regionalverbänden mit eigenen Büros sollen in Zukunft nur noch sechs werden. Wir fangen damit gleich hier bei uns in der Region an. Der Regionalverband Döbeln/ Oschatz wird sich zum Ende dieses Jahres auflösen und die Mitglieder werden sich den zwei benachbarten Verbänden Mittweida und Torgau anschließen. Nach etwa zwei Jahren werden wir sehen, wie das gelaufen ist. Dann machen wir die nächsten Schritte in Nordsachsen. Die Mitarbeiter in den Büros sollen sich künftig mehr auf ganz bestimmte Aufgaben konzentrieren können. So wird es zum Beispiel Leute nur für Öffentlichkeitsarbeit geben, andere werden sich auf den intensiven Kontakt zu den Mitgliedern spezialisieren.

Obwohl die Funktion des Verbandspräsidenten eine rein ehrenamtliche Arbeit ist, wird sie viel Zeit in Anspruch nehmen. Wie können sie das mit Familie und Firma vereinbaren?

Es ist ein riesiger Einschnitt in meinem Leben. Ich werde viele Aufgaben im Familienbetrieb an meinen Bruder und meine Assistentin abgeben müssen. Aber genauso wie von meiner Familie, werde ich dabei von allen unterstützt. Sie machen es möglich, dass ich zu Hause den Rückzugsort habe, den ich brauche. Ich freue mich aber auch auf die Arbeit, vor allem in Berlin, wo ich im Bundesverband unseren Freistaat und unsere Landwirte vertreten werde.

 

Das Gespräch führte Verena Toth

Foto: © Dietmar Thomas
 

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