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Die Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen

22.06.2020
Corona hat viele Unternehmen in Bredouille gebracht. Nun gibt es erste Zahlen für den April. Welche Branchen betroffen sind – und wie es weitergeht.

Von Kevin Schwarzbach 

Landkreis. Der Monat April war der bisher härteste für die hiesigen Industrie- und Handelsunternehmen: Sachsenweit ist der Umsatz durch die Corona-Krise im Vergleich zum April 2019 um rund 38 Prozent zurückgegangen. Ein massiver Einschnitt in die Finanzen der Firmen.

Den Landkreis Meißen hat es dabei vergleichsweise mild erwischt. Nach einer Erhebung des Statistischen Landesamtes Sachsen lag der Umsatz im April etwa 14 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Doch allgemeine Aussagen lassen sich kaum treffen, die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen sind teils eklatant.

"Schaut man sich die Rückgänge in absoluten Zahlen an, wird schnell ersichtlich, wo die Differenz zum größten Teil herrührt: Herstellung von Kraftfahrzeugen, Maschinenbau und Herstellung von elektronischen Erzeugnissen", sagt Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer Dresden, mit Blick auf ganz Sachsen.

Zwei Drittel der Unternehmen setzen auf Kurzarbeit

Fiehlers allgemeine Beobachtung deckt sich größtenteils mit den Daten des Statistischen Landesamtes für den Landkreis Meißen. Die gravierendsten Umsatzrückgänge mussten demnach mit rund 59 Prozent Unternehmen hinnehmen, die sich mit der Herstellung von Druckerzeugnissen beschäftigen. Dahinter folgen die Hersteller von Metallerzeugnissen mit einem Rückgang von etwa 44 Prozent. Mit einem Umsatzrückgang von 35 Prozent müssen die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren zurechtkommen.

Die erheblichen Einbußen haben auch für die Beschäftigten im Landkreis Meißen zu zahlreichen Einschränkungen geführt. "Nach unseren eigenen Erhebungen wurde mit großem Abstand die Kurzarbeit am häufigsten genutzt", sagt IHK-Sprecher Lars Fiehler. Etwa zwei Drittel der Unternehmen im Kreis haben wegen der Corona-Krise Kurzarbeit angemeldet. "Zudem wurde von gut einem Drittel der Firmen finanzielle Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen, von Steuerstundungen bis Darlehen."

Auch eines der größten und bekannten Unternehmen im Landkreis Meißen stellte infolge der Corona-Krise auf Kurzarbeit um: Anfang Mai schickte Wacker Chemie am Standort in Nünchritz 250 Beschäftigte in Kurzarbeit. Gleichzeitig verabschiedete sich das Unternehmen von einer Jahresprognose. Wegen der globalen Belastungen infolge der Corona-Krise traue man sich für das laufende Jahr keine Prognose mehr zu.

Lars Fiehler ist Geschäftsführer Standortpolitik und Kommunikation der IHK Dresden. In dieser Funktion beobachtet er auch die Auswirkungen der Corona-Krise sehr genau.
Lars Fiehler ist Geschäftsführer Standortpolitik und Kommunikation der IHK Dresden. In dieser Funktion beobachtet er auch die Auswirkungen der Corona-Krise sehr genau. © IHK Dresden

IHK-Sprecher Lars Fiehler beobachtet indes, dass die Corona-Krise zu einer Unterbrechung der Suche und Auswahl junger Leute geführt hat. "Hier wird sich erst noch zeigen müssen, wie viel bis zum Beginn des Ausbildungsjahres noch nachgeholt werden kann", so Fiehler. "Erfreulicherweise wurden aufgrund von Corona keine Ausbildungsverhältnisse gekündigt, was auch dafür stehen dürfte, dass den Betrieben der Wert des eigenen Nachwuchses bewusst ist." Dennoch hat bereits ein Zehntel aller Unternehmen signalisiert, dass sie in diesem Jahr möglicherweise nicht oder weniger ausbilden werden als bisher.

Die Zahl der Insolvenzen sei laut Fiehler im Vergleich zum Vorjahr bisher nicht gestiegen. Dies könne aber auch daran liegen, dass die Insolvenzanzeigepflicht bis September 2020 ausgesetzt wurde. "Hier kann es also zu einem nachlaufenden Effekt kommen."

Betriebe investieren in Digitalisierung

Wie lange es dauern wird, bis sich die hiesigen Industrie- und Handelsunternehmen von der Corona-Krise erholt haben, vermag man bei der IHK Dresden aktuell jedoch noch nicht zu bewerten. "Das lässt sich aus heutiger Sicht kaum beantworten und wird zu großen Teilen vom Faktor Zeit abhängen", sagt IHK-Sprecher Lars Fiehler. Wichtig sei dabei vor allem die Frage: "Wann springt die Wirtschaft wieder an, hier insbesondere auch die wichtigen Auslandsmärkte?"

Eines aber scheint sich schon jetzt abzuzeichnen: Die Corona-Krise hat bei den hiesigen Unternehmen zu einem Umdenken geführt. Etwa ein Drittel hat zuletzt verstärkt in Digitalisierung investiert, ähnlich viele Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell um- oder zumindest auf den Prüfstand gestellt. Langfristig kann die Krise zu mehr Bewusstsein für regionale Strukturen führen, glaubt Lars Fiehler. Er hält es für möglich, "dass sicher viele Unternehmen, die Teile von Wertschöpfungsketten sind, ihre Kunden- und vor allem Lieferantenbeziehungen neu bewerten werden. Das wird im Ergebnis ganz sicher keine Abkehr vom arbeitsteiligen Wirtschaften rund um den Globus werden, ein größeres Augenmerk auf regionale Zulieferbeziehungen als bisher sind aber durchaus vorstellbar."

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