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Die Neuen an der Spitze von Selectrona

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 05.11.2019
Der Mitbegründer ist kein Geschäftsführer mehr. Aber das Dippoldiswalder Unternehmen bleibt in der Familie.

Die Selectrona GmbH mit ihren Standorten im Gewerbegebiet Reinholdshain in Dippoldiswalde, im Glashütter Ortsteil Schlottwitz und im tschechischen Košt’any hat eine neue Geschäftsführung. 

Steffen Söhner, der die Firma mitgegründet und seitdem geleitet hat, ist im September als Geschäftsführer ausgeschieden. Der 49-Jährige bleibt dem Unternehmen aber erhalten in der Funktion eines Beirats, vergleichbar einem Aufsichtsrat.

An der Spitze der Selectrona stehen jetzt Helmuth Rauscher als Geschäftsführer und Herbert Bender als technischer Leiter des Unternehmens. Weiter sind Jörg Anderl für die Leitung des operativen Geschäfts und Walter Gebert für das Risikomanagement im Unternehmen verantwortlich. Der Anwalt Jörg Spies bleibt noch in der Geschäftsführung, solange die Selectrona weiter im Insolvenzverfahren steckt.

Die Mitarbeiter von Selectrona wurden vor wenigen Tagen über die neuen Köpfe an der Spitze des Unternehmens informiert. Auch in der zweiten Reihe wurde die Selectrona neu aufgestellt. Der Kopf hinter dieser Umstellung ist Walter Söhner. Der 77-jährige Unternehmer aus der Nähe von Heilbronn ist der Vater von Steffen Söhner und hat 1992 mit seinem Sohn das Unternehmen in Schlottwitz gegründet. Es ist stetig gewachsen und hat auch schwierige Phasen erfolgreich überstanden.

So hat die Augustflut 2002 die damaligen Standorte in Schlottwitz und Glashütte getroffen. Darauf hat das Unternehmen den Hauptsitz ins hochwassersichere Reinholdshain verlegt. Die Finanzkrise 2008 brachte einen Umsatzrückgang um 30 Prozent, verbunden mit Kurzarbeit und Stellenabbau. Damals kehrte Steffen Söhner, der zwischenzeitlich andere Projekte verfolgt hatte, als Geschäftsführer zurück. Seitdem hat sich die Firma stetig weiter entwickelt. Es gab sogar Pläne, eine Niederlassung in Vietnam zu errichten.

Doch davon hat das Unternehmen sich wieder verabschiedet. Denn vergangenes Jahr ist es in Schwierigkeiten geraten, die weder mit Naturgewalten noch mit internationalen Finanzproblemen zu tun haben. Selectrona hat mehrere neue Produkte aufgelegt. So etwas ist immer mit dem Aufbau neuer Produktionsanlagen und hohen Kosten verbunden. Dabei ist das Unternehmen an seine Grenzen gegangen. Als dann eine Anlage nicht wie vorgesehen funktionierte, reichten die eigenen Mittel nicht mehr und Selectrona ging in eine besondere Form der Insolvenz, die sogenannte Eigenverwaltung.

Hier ist das erklärte Ziel, dass der Betrieb erhalten bleibt, auch Geschäftsführer Steffen Söhner machte erst einmal weiter. Um aus der Insolvenz zu kommen, brauchte Selectrona Geld. Also hat man nach einem Investor Ausschau gehalten und den in der eigenen Familie gefunden. Walter Söhner hat sich mit seiner Technologieberatungsfirma wieder beteiligt. Der Senior hat auch seine Beziehungen genutzt, um die neue Firmenleitung zu besetzen. So kennt er Herbert Bender schon lange. Der 62-jährige Bender ist gelernter Werkzeugmacher und war dann in verschiedenen Unternehmen im Raum Pforzheim, die mit Stanztechnik und Kunststoff gearbeitet haben, unter anderem als Werkleiter tätig.

Helmuth Rauscher, der aus der Nähe von Erfurt kommt, hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet als Interims-Manager. Das heißt, er steigt bei Unternehmen ein, die in Schwierigkeiten geraten sind und führt sie wieder in ruhiges Fahrwasser. Normalerweise sind das kürzere Einsätze von ein, zwei Jahren Dauer. Für die Selectrona hat er aber mit Walter Söhner vereinbart, dass er längere Zeit bleibt. Das soll ein langfristiges Engagement werden, das auch fünf Jahre dauern kann.

Wichtigste Aufgabe ist jetzt, das Insolvenzverfahren möglichst schnell abzuschließen. Dafür gibt es einen Insolvenzplan, der beim Amtsgericht Dresden liegt und dort genehmigt werden muss. Rauscher ist zuversichtlich, dass von dort grünes Licht kommt. Denn der Gläubigerausschuss der Selectrona und Rechtsanwalt Harald Bußhardt, der als Sachwalter die Firma in der Insolvenz überwacht, haben ihm schon zugestimmt.

Der Betrieb am Industriering in Dippoldiswalde läuft auf vollen Touren. Die Mitarbeiterparkplätze sind alle besetzt. „Wir sind froh, dass unsere Mitarbeiter und Kunden bei der Stange geblieben sind“, sagt Rauscher. Wenn das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist, will Selectrona auch wieder neue Produkte entwickeln. Die neuen Chefs sind auch zuversichtlich, dass der Betrieb gut aufgestellt ist für den Umbruch in der Automobilbranche hin zu neuen Antriebssystemen.

„Mit unseren gut ausgebildeten Mitarbeiter spielen wir technologisch in der Spitzenliga“, sagt Bender. So arbeitet die Selectrona bei der Fertigung von Bestandteilen für Elektromotoren mit einem großen Automobilbauer zusammen. Was sie mit dem Betrieb vorhaben, fassen die neuen Chefs in einem Leitspruch zusammen, den sie auch der Belegschaft vorgestellt haben: „Selectrona als innovatives, kundenorientiertes Unternehmen, mit dem Anspruch, maximale Leistungen gegenüber den Kunden und innerhalb des Unternehmens zu erbringen.“

 

Von Franz Herz

Foto: © Egbert Kamprath

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