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Die Reparaturprofis

Landkreis Meißen 25.04.2019
Ein Radebeuler Start-up zeigt Laien, wie sie streikende Haushaltsgeräte wieder in Gang kriegen. Dazu liefert es Ersatzteile und Reparaturvideos.

Robert Tittel-Morawietz und Max Uhlmann kennen ihre Kunden ganz genau. Die Wände im Besprechungsraum der K11 Ersatzteilshop GmbH haben der Gründer und der Geschäftsführer fast vollständig mit bunten Klebezetteln zugehängt. Auf ihnen steht, was das Team noch alles zu tun hat.

Ganz oben, kurz unter der Decke, hängen drei Blatt Papier quer nebeneinander. Auf jedem ist ein Gesicht abgebildet. „Das sind unsere Kunden“, sagt Robert Tittel-Morawietz. Links der Ahnungslose, in der Mitte der handwerklich Begabte und rechts der Profi.

Sie alle haben ein anderes Vorwissen, unterschiedliche Fragen und Anliegen. Eines aber haben die Kunden des jungen Start-ups auf der Gartenstraße in Radebeul trotzdem gemeinsam: Irgendein Haushalts- oder Küchengerät funktioniert nicht mehr so, wie es soll. Viele gehen dann einfach in das nächste Geschäft und kaufen sich ein neues. Der K11 Ersatzteilshop wendet sich an die Tüftler und Bastler, die ihr Gerät selbst reparieren wollen und dafür Ersatzteile und Hilfestellung brauchen.

Angefangen hat Robert Tittel-Morawietz 2014 mit einem Versandhandel für eben diese Geräte, den es auch immer noch auf der Gartenstraße gibt. Für Radebeul hat sich der 34-jährige Kaufmann aus wirtschaftlichen Gründen entschieden: „Hier haben wir eine große Logistikfläche, die wir in Dresden nicht so günstig gefunden hätten“, sagt er.

Mit den Geräteherstellern gibt es nun manchmal Diskussionen: „Die wundern sich natürlich, dass wir den Leuten zeigen wollen, wie sie ihre Waschmaschine reparieren können, anstatt sie einfach neu zu kaufen“, sagt er. 

Wer bei ihm ein Gerät kauft, kann sein altes dalassen. Aber immer, wenn er durch das Altgerätelager lief, fiel ihm auf, dass viele der Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler gar nicht alt waren. „Die meisten Geräte sahen aus wie neu und waren höchstens vier bis fünf Jahre in Gebrauch“, sagt der Dresdner, der in Weinböhla lebt.

Dass viele heute fast neue Geräte bei dem kleinsten Fehler wegschmeißen, findet er eine falsche Entwicklung. Auch wenn er weiß, dass dafür nicht nur die Verbraucher verantwortlich sind: „Die Hersteller verkaufen die Produkte heute so, dass der Zyklus bis zum Kauf eines neuen immer kürzer wird.“

 Dabei könnten in 90 Prozent der Fälle die Nutzer ihr Gerät selbst reparieren, sagt Robert Tittel-Morawietz. Das sieht er auch daran, dass bis zu 50 Prozent Ersatzteile wie Dichtungen oder Scharniere bestellt werden, die sich relativ leicht einbauen lassen.

Wie das geht, zeigt der Gründer des Onlineportals für Reparaturen von Haushaltsgeräten in selbstgefilmten Ratgebervideos. Das Versprechen: Damit soll jeder zu Hause alles selber machen können. Von der Fehlerdiagnose über die Bestellung der Ersatzteile bis zu deren Einbau. 

Die Videos entstehen gleich im Verkaufsraum des Geschäftes auf der Gartenstraße. Zurzeit arbeiten sie vor allem an Reparaturvideos für Waschmaschinen und Geschirrspüler. Die scheinen am häufigsten Probleme zu machen, denn sie werden am meisten auf der Webseite geklickt.

Aller zwei Tage lädt das fünfköpfige Team ein neues Video hoch. Im Mai beginnen drei neue Kollegen, denn die Idee selbst zu reparieren, damit Geld zu sparen und die Umwelt zu schonen, kommt gut an. 

Einige Videos haben bereits 15 000 und mehr Aufrufe. Eventuelle Ersatzteile können die Besucher auf der Webseite sofort bestellen. Über ein Suchfeld gibt man die Modellnummer des Gerätes ein, damit das georderte Ersatzteil auch wirklich passt.

Auch privat greift der Hobby-Bastler lieber erst mal in den eigenen Werkzeugkasten, bevor er ein Gerät für tot erklärt. Seit seinem 18. Lebensjahr schraubt er an seinem VW Bulli herum. 

Der ist 40 Jahre alt und fährt immer noch. Auch an eigene Elektrogeräte oder Heizkörper traut er sich ran. „Ich repariere wirklich alles“, sagt er, „am Ende bin ich immer stolz, wenn ich etwas mit meinen eigenen Händen wieder ganz gemacht habe.“

 

Von Beate Erler

Foto: © Arvid Müller

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