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Die Sorgenmaschine von Selectrona

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 05.01.2019
Eine Anlage funktioniert nicht richtig und bringt die Reinholdshainer Firma in Schwierigkeiten. Wie geht es weiter?

Parkplätze sind knapp rund um den Betrieb von Selectrona. Das ist ein gutes Zeichen. Der Betrieb läuft auf Hochtouren, wenn auch unter ungewöhnlichen Umständen. Im Dezember wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, aber in einer besonderen Form. Das Amtsgericht Dresden hat die Eigenverwaltung angeordnet.

Steffen Söhner, der geschäftsführende Gesellschafter, hält also weiter das Steuer in der Hand. Er hat allerdings zwei Juristen an seiner Seite, die ihn in der schwierigen Situation unterstützen. Jörg Spies aus Dresden ist ein erfahrener Unternehmenssanierer. Er ist auch in die Geschäftsführung von Selectrona eingetreten. Dass ein solcher Mann mitarbeitet, gibt auch den Kunden und Lieferanten Sicherheit. Außerdem ist der Rechtsanwalt Harald Bußhardt vom Gericht als sogenannter Sachwalter bestellt, der die Aufsicht über das Verfahren hat. Er steht dafür, dass die Gläubiger am Ende ihr Geld bekommen.

Wie kam Selectrona in die schwierige Lage, obwohl der Betrieb voll arbeitet? Den letzten Ausschlag gab eine neue Anlage, die vollautomatisch Teile für Autolenksäulen herstellen soll. Ein ringförmiges Metallstück wird ausgestanzt. Daran werden Kontakte angeschweißt und schließlich das ganze Teil mit heißem Kunststoff umspritzt, der dann aushärtet. All das sollte vollautomatisch in großen Stückzahlen laufen. Tut es aber nicht. "Die Anlage ist verspätet geliefert worden, und der Lieferant unterstützte uns nicht wie gewünscht", sagt Steffen Söhner. Das ist ein Grund, warum die neue Anlage zum Sorgenkind wurde, wie Söhner es nennt. Rund um die Anlage stehen mehrere rote Kisten. Das ist ein schlechtes Zeichen, denn diese sind für Ausschuss vorgesehen.

Dazu kamen Probleme bei der Finanzierung. Die Anlage kostet rund 2,3 Millionen Euro. Dafür hatte Selectrona eine mündliche Kreditzusage, welche die Bank jedoch wieder zurückgezogen hat. Selectrona hatte aber im Vertrauen darauf schon den Vertrag unterschrieben. Nun steht das Sorgenkind da, muss bezahlt werden, bringt aber nicht die erwarteten Einnahmen.

In guten Zeiten hätte die Firma das vielleicht verkraftet. Aber die Selectrona GmbH ist in einer Übergangsphase. Der Automobilzulieferer hat eine wichtige Produktfamilie, eine Drosselklappensteuerung. Die regelt das Kraftstoffgemisch, das bei einem Verbrennungsmotor eingespritzt wird. Diese Produktion hatte bei Selectrona 2014 ihren Höhepunkt erreicht. Damals hat Selectrona 4,4 Millionen solcher Teile hergestellt und damit 22 Millionen Euro Umsatz gemacht. Es war aber abzusehen, dass dieser Bedarf zurückgeht.

"Das mussten wir kompensieren, wenn wir unsere Arbeitsplätze erhalten wollten", sagt Söhner. Also haben sich er und seine Mitarbeiter auf den Weg gemacht, neue Kunden gesucht und mehrere neue Produkte auf den Weg gebracht. Ein neues Produkt heißt bei Söhner aber immer, eine neue Anlage zu bauen. Das kostet Geld, bindet Mitarbeiter und ist immer auch mit Risiko verbunden. "Wir haben uns dabei etwas übernommen", stellt Geschäftsführer Steffen Söhner heute fest.

Als dann das Sorgenkind dazu kam, musste er die Notbremse ziehen. Sofort nach dem entscheidenden Bankengespräch fiel die Entscheidung. Söhner meldete Insolvenz an und holte den Sanierungsspezialisten Spies ins Unternehmen. Die Besonderheit in diesem Verfahren ist nun, dass es in Eigenverwaltung läuft. Und das erklärte Ziel ist, das Unternehmen weiterzuführen. Es sind reichlich Aufträge da für die nächsten Jahre. Auch Kunden warten auf die Teile aus Reinholdshain. Derzeit arbeiten die Geschäftsführer einen Insolvenzplan aus, der Ende Januar vorliegen soll. Nun benötigt das Unternehmen neues Geld und muss seine Kräfte bündeln. Derzeit stehen die Geschäftsführer in Gesprächen mit möglichen Kapitalgebern und Investoren. Bis Dezember sind die Löhne und Gehälter von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt worden. Das hat die Finanzlage für den Betrieb entspannt. Allerdings muss er auch diese Gelder wieder zurückzahlen.

Außerdem hat Söhner seine Abteilungen für den Betriebsmittelbau wieder auf den eigenen Betrieb konzentriert. In den vergangenen Jahren hat er auch Werkzeuge für andere Firmen hergestellt. Das wurde deutlich zurückgefahren, von acht Millionen Umsatz auf geplant zwei Millionen im Jahr 2019. "Unser Ziel ist, im April aus dem Insolvenzverfahren wieder herauszugehen", sagt Söhner.

 

Von Franz Herz

Foto: Egbert Kamprath

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