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Die Übernahme

Landkreis Meißen 06.09.2019
Ein Coswiger hat einen Unternehmensstandort mit Erfolg aus dem Schweizer Mutterkonzern gekauft.

Er hat es geschafft. Thomas Liebisch. Vor vielen Jahren als Isolierer angefangen, hat er vor einem Jahr den Klipphausener Novisol-Standort aus seinem Schweizer Mutterkonzern herausgekauft. Das Nachfolge-Unternehmen TL Concept fertigt Kälte-, Wärme-, Schall- und Brandschutzisolierungen und hat einen jährlichen Umsatz in Höhe von etwa 15 Millionen Euro. 

Liebisch beschäftigt etwa 120 Mitarbeiter und zusätzlich Subunternehmer. Es gibt Niederlassungen in Berlin und Jena sowie eine Sägehalle in Wilsdruff. Um eine Herauslösung aus so einem großen Konzern wie Novisol zu wagen, braucht man „jede Menge Mut, Glück und gute Mitarbeiter“, sagt der in Coswig wohnende 49-Jährige.

Seine berufliche Entwicklung trieb Thomas Liebisch stetig voran. So arbeitete der gelernte Isolierer bald als Bauleiter, machte seinen Meister und war später als Projektleiter viel unterwegs. 2007 bekam er die Chance, für die Schweizer Firma Novisol einen Standort in Klipphausen aufzubauen. 

Mit zwei Monteuren fing er an, seine Frau Nicole erledigte die Büroarbeiten. „Ich habe den Betrieb hier selbst aufgebaut.“ Und vor zwei Jahren war dann der Zeitpunkt für ihn gekommen, sich ernsthaft auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. „Ich bin an den Schweizer Geschäftsführer herangetreten und habe ihm gesagt, dass ich den Standort in Klipphausen gern kaufen möchte“, erzählt Liebisch.

Doch so einfach, wie das klingt, war es natürlich nicht. „Ich hatte viele schlaflose Nächte. Wird das alles klappen? Sagt die Bank Ja?“ Fragen über Fragen. Hilfe bekam Liebisch von vielen, dank seines bis dahin sehr gut aufgebauten Netzwerkes. Anwälte und Unternehmensberater standen ihm zur Seite. Finanzielle Hilfe erhielt Liebisch vom Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen (WMS) mit einer Minderheitsbeteiligung. Gründe für diese Entscheidung, so sagt WMS-Geschäftsführer Harald Rehberg, seien nach intensiver Prüfung unter anderem das Potenzial dieser Firma und die Arbeitsweise der Mitarbeiter gewesen.

Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis der Kaufvertrag stand. Besonders hebt Liebisch auch die Arbeit seiner Steuerberater hervor. „Die Steuerberatung Avericon aus Dresden hat mich ganz genial durch den Prozess geführt“, sagt der Geschäftsmann dankend.

Im August dieses Jahres zog Rehberg vom Wachstumsfonds erste Bilanz: „Wir haben eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Herrn Liebisch. Er sieht uns auch als Partner und nicht nur als reinen Finanzier. Und wir sind mit dem ersten Jahr mehr als zufrieden.“ Liebisch selbst resümiert nach einem Jahr Selbstständigkeit etwas kritischer: „Ich will nicht sagen, dass es sehr gut gelaufen ist. Ich würde sagen, ich bin fast sehr zufrieden.“

Genau diese Einstellung scheint ein Erfolgsgeheimnis des Unternehmers zu sein. Der große Dynamo-Dresden-Fan vergleicht seine Arbeit mit einem Fußballspiel: „Man kann 3:0 gewinnen, aber trotzdem sind viele Ecken oder Freistöße nicht gekommen. Man muss immer weiter arbeiten, nachhaken“, sagt er und fügt noch schmunzelnd hinzu, „eben wie in einer Ehe.“

Ganz wichtig sei dem Geschäftsmann auch der Zusammenhalt im Team. „Darauf lege ich ganz großen Wert.“ Jeder sollte gern auf Arbeit kommen. Ein ordentliches Firmengebäude, gute Werk- und Fahrzeuge sollen dazu beitragen. Und auch viele Freizeit-Veranstaltungen im Team, zu denen auch die Partner der Mitarbeiter eingeladen sind. Einmal im Jahr gibt es beispielsweise einen Fußballcup im Dynamo-Stadion. Und natürlich kennt Liebisch seine Monteure.

Als es kürzlich 40 Grad waren, gab es hitzefrei, erzählt er. „Die Leute sind aber nicht nach Hause gegangen, sondern wir haben uns alle auf die Terrasse gesetzt und etwas getrunken. Da muss man ja was richtig gemacht haben“, sagt Liebisch erfreut und ergänzt, „meine Mitarbeiter sind einfach geil. Sie ziehen den Karren mit. Auf sie muss ich mich verlassen können.“ Deshalb gehört auch das eine oder andere private Gespräch dazu. „Wir haben hier auch keinen Betriebsrat. Wenn es Probleme gibt, dann klären wir die hier.“

Über Fachkräftemangel kann Liebisch derzeit nicht klagen. Das Unternehmen bildet auch aus. „In diesem Jahr haben wir zwei Lehrlinge.“ Aber junge Leute zu finden, sei nicht einfach. Dabei hat TL Concept einiges zu bieten. So können die angehenden Facharbeiter während ihrer Ausbildung auf Kosten der Firma ihre Fahrerlaubnis absolvieren.

Große Unterstützung bekommt der Geschäftsmann auch von seiner Frau Nicole. „Meine Frau versteht auch, wenn ich im Urlaub mal einen Großkunden anrufen muss.“

Auch wenn der große Schritt der Herauslösung des Unternehmens gelungen ist, so gibt es für Liebisch trotzdem noch die eine oder andere schlaflose Nacht. „Manchmal frage ich mich schon: Klappt das alles? Kommt das Geld?“ Noch sechs Jahre, so sieht es der Plan vor, dann muss alles abbezahlt sein. 

An Aufträgen mangelt es derzeit zum Glück nicht. „Wir haben etwa ein Dreivierteljahr Vorlauf an Aufträgen.“ Trotzdem bleibt dem Unternehmer auch Zeit für Hobbys. Auch, obwohl der Gang ins Büro Sonnabendvormittag für zwei bis drei Stunden dazugehört. So habe er kürzlich mit Golfspielen angefangen. „Damit sind meine Rückenschmerzen vom vielen Sitzen verschwunden.“

Wie die Zukunft der Firma einmal aussehen soll, dazu will sich Thomas Liebisch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern. „Natürlich habe ich viele Visionen. Mache mir viele Gedanken. Aber zunächst wollen wir auf gesunden Füßen stehen. Und dann geht es Stück für Stück weiter.“

 

Von Uta Büttner

Foto: © Claudia Hübschmann

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