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Dieser Duft ist einmalig

Landkreis Bautzen 25.02.2020
Königsbrück ist für seine Kamelien bekannt. Jetzt sind sie Basis für eine Weltneuheit.

Coco Chanel – eine Modelegende – gern schwärmt der Königsbrücker Peter Sonntag von der Kamelien-Liebhaberin. Sie verehrte den immergrünen Strauch zu Lebzeiten. Die Leidenschaft teilt Sonntag mit ihr. Ein Parfüm mit dem Duft der Blüten zu erleben, sei ihr leider nicht vergönnt gewesen, erzählt er und vermutet, sie wäre bestimmt begeistert gewesen. Der zarte Duft eines solchen Parfüms schwebt derzeit aus den ersten Testflakons durch das Kamelienhaus neben dem Königsbrücker Schloss. Er mischt sich mit dem Originalaroma der Duftkamelien dort. Es seien absolute Raritäten, so Peter Sonntag: „Es fehlt nur ein bisschen Sonne. Der Duft werde deutlich intensiver, wenn sie durch das Glasdach flute“, stellt der Chef des Heimatvereins fest, der die wertvollen Königsbrücker Kamelien pflegt. Ein großer Teil ist sogar denkmalgeschützt.

Neben dem Eingang empfangen die Duftkamelien die Besucher. Nach langer Suche war es dem Verein gelungen, Duftkamelien in die Sammlung zu holen. Eine Neuheit seit wenigen Jahren bei den Königsbrückern. Sie bringen jetzt diese lange unbekannte und seltene Seite der Blühpflanze den Besuchern nahe. So gibt es nicht nur ein Erlebnis fürs Auge unter dem Königsbrücker Glasdach, sondern auch für die Nase. Der Duft begleitet beim Rundgang und verstärkt das Kamelienerlebnis. In wenigen Tagen kann er das auch unterwegs tun, zu besonderen Anlässen oder Ereignissen als Eau de Parfüm.

Wobei die Damen besonders angesprochen sind. Einen Herrenduft gibt es noch nicht. Besonders intensiv duften die Blüten der Sorte „Minato no akebono“. Ihre zartrosa Blüten sind vergleichsweise bescheiden in der Größe. Aber der Duft ist umwerfend, verführerisch, frühlingshaft. Und war wohl inspirierend für die Idee, ein Parfüm zu entwickeln. Dafür liefert die „Minato“ nun den Grundstoff. Es sei das weltweit einzige Kamelienparfüm, das nicht synthetisch hergestellt werde, versichert Peter Sonntag. Sondern aus natürlichen Rohstoffen, aus dem Blütenextrakt.

Aus Blütenextrakt kreiert

Unterstützung holte sich der Vereinschef für das Projekt bei Sachsens einzigem Parfümeur Uwe Herrich in Dresden. Zu ihm hatte der rührige Königsbrücker Vereinschef im Vorjahr Kontakt aufgenommen und im Herbst die ersten Blüten vorbeigebracht. Fünf Proben habe der Parfümeur aus dem Extrakt kreiert, so Peter Sonntag, den die Blüten lieferten – von herbfrisch bis blumig. Eine Strichliste sollte am Ende Auskunft über den Favoriten geben. An der wirkten rund 70 Schülerinnen der Königsbrücker Oberschule Arthur Kießling mit. Parfüm-Duft ist wohl doch eher eine weibliche Angelegenheit. Besucherinnen und Besucher der Kamelienschau und zum Beispiel auch Rathausmitarbeiter stellten ihre Geruchseigenschaften ebenso in den Dienst der Königsbrücker Kamelienfreunde. Der Nasentest hatte ein eindeutiges Ergebnis. 80 Prozent entschieden sich für eine Sorte. Die Zweitplatzierte soll ebenfalls abgefüllt werden. Peter Sonntag ist gespannt, wie die Kundschaft reagieren wird. Jetzt kommt die letzte Phase vor dem Verkaufsstart. Die Mädchen vom Kamelienkurs im Ganztagsprogramm der Oberschule etikettieren und verpacken in dieser Woche noch die Flakons. Unterdessen scharre die Kundschaft schon mit den Füßen: „Wir könnten jetzt schon verkaufen“, sagt Peter Sonntag. Es gebe schon etliche Reservierungen. Aber ein paar Tage Geduld ist noch angesagt. Am Freitag wird das Eau de Parfüm bei einer öffentlichen Veranstaltung im Rathaus präsentiert. Am Sonntag beginnt der Verkauf im Gewächshaus. Kamelienblüte, elegant steht auf dem Etikett und Königsbrück/Sachsen.

100 Flakons hat Sonntag erst einmal geordert. Aber bereits weitere Blühpflanzen zum Parfümeur gebracht, damit Nachschub kommen könne. Er höre immer wieder, der Preis sei für ein echtes Parfüm der Extraklasse, wie er sagt, zu niedrig angesetzt: „Wir möchten aber, dass sich auch Menschen mit einem schmaleren Geldbeutel daran erfreuen können“, sagt Sonntag. 29,50 Euro kostet der 30 Milliliter-Flakon jetzt. Solange die Kamelie noch blüht, sei Nachschub möglich, aber nicht unbegrenzt. Er lässt zugleich durchblicken, dass der Duft aus Königsbrück im kommenden Jahr etwas teurer werden könnte.

Unterdessen denkt Peter Sonntag, dass das Kamelienthema noch viel mehr hergeben könnte: „Wer weiß, was sich aus der Neuentdeckung noch entwickeln lässt, Seifen, Cremes vielleicht oder ein Eau de Toilette?“ Der Vereinschef steckt voller Ideen. So hat er an die sächsische Staatskanzlei geschrieben. Das Parfüm wäre als Staatspräsent geeignet, ist er sich sicher. Natürlich hat er inzwischen auch zu Chanel Kontakt aufgenommen. Vielleicht wird ja mehr daraus. Übrigens kommen die Königsbrücker Kamelien jetzt in die Vollblüte. Daran hätte wohl Coco ebenso ihre Freude gehabt.

 

Von Reiner Hanke

Foto: © Matthias Schumann

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