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Döbelner Firma erfüllt Traum von Freiheit auf vier Rädern

07.06.2022
Enrico Heilenz von Sachsen Caravan lässt die Träume seiner Kunden wahr werden. Der Trend zum eigenen Wohnmobil ist ungebrochen. Aber es gibt ein Problem.

Von Jens Hoyer

Döbeln. Der erste Kaufvertrag für Sachsen Caravan war unkonventionell. Der wurde auf einem Bierdeckel abgeschlossen, erzählt Enrico Heilenz. Der Chef von Sachsen Caravan erinnert sich noch gut daran. „Das war ein Lehrerehepaar aus Leipzig. Wir haben da in einer gemütlichen Runde gesessen.“

Seitdem sind 20 Jahre vergangen und die Döbelner Firma hat den fast unglaublichen Boom mitgemacht, den die Wohnmobilbranche seitdem erlebt hat. Der Trend zum eigenen Ferienquartier auf vier Rädern ist zwar etwas abgeflacht. Aber das hat einen Grund: Es sind gar nicht so viele Fahrzeuge lieferbar, wie Heilenz und sein Team verkaufen könnten.

Die Krise der Automobilindustrie trifft auch diese Branche. Es fehlt an Fahrgestellen. Wartezeiten von sechs Monaten bis zu einem Jahr sind heute normal. „Wir bestellen viel vor und schauen, dass es den Wünschen der Kunden entspricht. Man muss in diesen Zeiten weit vorplanen“, sagte Heilenz. Mal schnell vor dem Urlaub ein Wohnmobil kaufen zu wollen, das klappt nicht. „Die Kunden, die schon ein Fahrzeug haben, warten ganz entspannt.“

Stammkunden kommen aus ganz Deutschland

Viele Kunden sind Stammkunden, die immer wieder in Döbeln kaufen. „Die kommen vom Bodensee bis zur Nordsee zu uns. Wir haben welche dabei, die schon das siebte Fahrzeug gekauft haben“, so Heilenz. Auch zur Feier des 20. Jahrestages kamen die Besucher aus allen Himmelsrichtungen. Heilenz und seine Mannschaft hatten weit über 1.000 Gäste auf den Hof und dafür die 900 Quadratmeter große Ausstellungshalle ausgeräumt, in der sonst bis zu 30 Fahrzeuge stehen.

André Angermann, bei Sachsen Caravan für Beratung und Verkauf zuständig, rechnet damit, dass die Nachfrage anhaltend groß bleiben wird und dass auch wieder bessere Zeiten anbrechen. „Ich denke, die angespannte Marktsituation wird noch zwei Jahre anhalten.“ Wenn man Angermann fragt, in welchem Alter die Kunden sind, kommt die Antwort schnell: „Von 18 bis 90.“

Eine Verschiebung des Altersspektrums habe es in den Jahren gegeben, sagte Heilenz. Vor 20 Jahren schafften sich die Kunden am Ende des Arbeitslebens ein Wohnmobil an, um zu reisen. „Viele Kunden waren um die 60. Heute sind sie Anfang, Mitte 40. Die Leute sagen sich: Ich will heute leben und nicht erst, wenn ich Rentner bin.“

Etwa zwei Drittel der Wohnmobile, die bei Sachsen-Caravan verkauft werden, sind sogenannte Kastenwagen, die im Grunde auf Transportern aufbauen. „Darauf haben wir uns spezialisiert“, sagte Heilenz. Die Mobile gibt es bei ihm in drei Größen von sieben Marken.

Bei den Preisen nach oben kaum Grenzen

Die Preise beginnen bei etwa 60.000 Euro. Nach oben gibt es kaum Grenzen. Ein Drei-Achser-Mercedes mit neun Metern Länge ist für 250.000 Euro zu haben. „Der wiegt dann 5,5 Tonnen“, sagte Heilenz. Die kleineren Wohnmobile hätten Vorteile. „Die Kunden können spontaner reisen. Mit den Kastenwagen kann man in jede Stadt reinfahren.“

Erste Erfahrungen in der Branche hatte Heilenz, der aus dem Spreewald stammt, im Cloppenburg gesammelt. „Ich dachte mir: Was im Westen geht, das geht im Osten auch.“ 2002 legte er mit fünf Mitarbeitern in Döbeln Ost los. Neben Caravans verkaufte er da noch Garten- und Holzhäuser. Der Werkstattleiter gehört seit Anfang an zum Team, das mittlerweile auf 22 Leute angewachsen ist.

Zum Betrieb gehört eine Werkstatt, in der alles eingebaut wird, das das Herz eines Wohnmobilisten höher schlagen lässt: Zubehör, Stromversorgungs- und Satelliten-Anlagen, Klimaanlagen, Alarmanlagen mit Gaswarner und Trägersysteme für Fahrräder.

2014 war Sachsen Caravan von Döbeln Ost zur Fichtestraße umgezogen und hat seitdem viel investiert. Zur Ausstellungshalle kam im vergangenen Jahr ein neues Bürogebäude. Eine Waschhalle und eine Auslieferungshalle sind im Bau.

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