r2f0mz74qgxbjsnxukmuv7g2fzc5ji34.jpg

Döbelnerin ist der beste Kfz-Mechatroniker Deutschlands

30.11.2021
Sandy Schubert hat bei Porsche Kfz-Mechatroniker gelernt. Mit hervorragendem Ergebnis. Jetzt geht sie einen Schritt weiter.

Von Jens Hoyer 

Döbeln. Ein Porsche wäre schon toll. Irgendwann will Sandy Schubert einen in ihrer Garage stehen haben. Sie weiß auch schon, welchen: einen Porsche 911 997 Turbo S. Solche Träume hat man wohl, wenn man in Deutschlands Edelautoschmiede gelernt hat. Die 22-Jährige hat bei Porsche die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker mit Schwerpunkt Pkw-Technik abgeschlossen. Und nicht nur irgendwie, sondern als beste Jungfacharbeiterin Deutschlands in ihrem Jahrgang.

Dass sie einen technischen Beruf mit Autos ergreifen will, stand schon in der Schülerzeitung, als sie in der 7. Klasse war. Die heute 22-Jährige hat ihr Abi am Döbelner Lessing-Gymnasium gemacht. Mit Hinblick auf ein Studium mit Leistungskurs Physik und Mathe. Obwohl ihr das nicht leichtgefallen ist, wie sie erzählte.

Mit dem Studium hatte es dann noch nicht geklappt. Es sollte ein duales Studium sein, um ihre Eltern zu entlasten. Sie hatte sich bei VW beworben. „Da kommen aber 500 Leute auf zwei Stellen. Bei meinem Abidurchschnitt von 2,3 gibt es bessere Bewerber“, sagte sie.

An Nobelkarossen gelernt

Also erst einmal eine Lehre. „Irgendwie bin ich auf der Internetseite von Porsche gelandet. Ich hatte nie viel Bezug dazu, bin aber da reingewachsen. Es gibt mittlerweile eine große Affinität zu Porsche“, sagte sie. In ihrem Jahrgang hatte der Nobelhersteller in seinem Leipziger Werk zehn Azubis in Ausbildung. Vier davon Mädchen. „Das war aber eine Ausnahme“, sagte Sandy Schubert. Als junge Frau fühlte sie sich aber für voll genommen. „Es kommt immer darauf an, wie man sich anstellt.“

Die praktische Ausbildung haben die Azubis in der werkseigenen Lehrwerkstatt bekommen. Der Fuhrpark zum Schrauben: natürlich Produkte aus dem eigenen Haus. Ein paar ältere Porsche-Modelle, später kamen auch noch ein paar aktuelle dazu. „Das hat den Vorteil, dass man alle Autos schon mal gefahren hat“, erzählt sie. Auch einen GT 2 RS mit 700 PS. Wenn auch nicht auf der Straße.

Die Grundausbildung mit Bohren und Feilen gehört heute auch noch dazu. Später ging es beim Schrauben ins Detail. Da wurde auch mal ein Motor auseinandergenommen und wieder zusammengebaut. Die Lehrlinge gehen bei Porsche auch in die Produktion, um Erfahrungen zu sammeln.

Studium in Leipzig angefangen

Die E-Mobilität hat in der Ausbildung heute erhebliche Bedeutung, erzählte Sandy Schubert. Die System- und Hochvolttechniker sind dann noch einmal eine extra Sparte. „Ich habe mich geärgert, dass ich das nicht gemacht habe“, sagte sie. Ein E-Fahrzeug freizuschalten, lerne aber heute jeder Kfz-Azubi.

Die E-Mobilität spielt auch bei Porsche eine wachsende Rolle. „Ich bin mal mit einem Taycan auf der Rennstrecke mitgefahren. Mit dem E-Sound kann so ein Auto schon Charakter haben.“

Ihre Ausbildung hat Sandy Schubert um ein halbes Jahr verkürzt. Um danach ein Maschinenbau-Studium an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur zu beginnen. „Ich wollte in Sachsen bleiben“, sagte sie. Von ihrem Arbeitgeber ist sie für drei Jahre beurlaubt. „Ich kann jederzeit zurückkehren“, sagte sie. Eines Tages vielleicht als Ingenieur. Automobilentwicklung bei Porsche wäre auch ein Traum für sie.

Dass sie in ihrer Ausbildung gut abgeschnitten hatte, das wusste Sandy Schubert schon. Dass sie der beste Jungfacharbeiter Deutschlands ist, habe sie erst bei der Auszeichnungsveranstaltung der IHK in Leipzig erfahren. „Ich habe mir das erst nicht vorstellen können. Ich dachte, es gibt in Deutschland immer einen, der besser ist.“

Eine Veranstaltung aller sächsischen Kammern für die Besten im Dresdner Dynamostadion ist aber abgesagt worden. Die 22-Jährige bedauert das, nicht nur, weil es ein einmaliges Erlebnis gewesen wäre. Ihr Ausbilder wollte einen Porsche organisieren, damit sie in Dresden standesgemäß vorfahren können.

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Chefin der Dresdner UN-Universität verstärkt Unternehmerpreis-Jury

Chefin der Dresdner UN-Universität verstärkt Unternehmerpreis-Jury

Edeltraud Günther, Direktorin des Unu-Flores-Instituts der Vereinten Nationen, unterstützt die Suche nach den besten Ressourcenmanagern in Sachsen.

"Bitte nicht noch einen Lockdown"

"Bitte nicht noch einen Lockdown"

Nach der erneuten Corona-Zwangspause dürfen Fitnessstudios wieder öffnen. Wie es im My Gym in Kamenz jetzt läuft und was die Chefin besonders kritisiert.

Sachsens DGB-Chef: "Entsetzt über Umgang mit Kohle-Millionen"

Sachsens DGB-Chef: "Entsetzt über Umgang mit Kohle-Millionen"

Markus Schlimbach wurde im Amt bestätigt. Nach der Wiederwahl spricht er über die Schuldenbremse und eine neue Arbeiterbewegung.

Kommt langsam wieder Leben in die Stadt?

Kommt langsam wieder Leben in die Stadt?

Lokale dürfen länger öffnen, Kinos sind offen. Das zieht vor allem am Wochenende Besucher in die Dresdner City. Warum das nicht reicht.