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Dresden hofft auf die nächste Mikrochipfabrik

14.07.2021
Zwei Konzerne der Chipbranche erwägen Milliarden-Investitionen in Europa. Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat in Dresden Unterstützung angeboten.

Von Georg Moeritz 

Dresden. Baut der taiwanische Konzern TSMC für Milliarden Euro eine Mikrochipfabrik in Dresden? Während europäische Politiker mit dem US-Konzern Intel über eine Großinvestition sprechen, soll TSMC nun ebenfalls Interesse an Europa zeigen.

Das Branchenmedium Digitimes will erfahren haben, dass der taiwanische Konzern mit Kunden und Behörden über eine mögliche Großinvestition spricht. Offiziell äußert sich TSMC allerdings nicht. Die Investition in Dresden wäre eine Kehrtwende für den Konzern, der bisher seine Fabriken vorwiegend in Taiwan konzentrierte und darin Kostenvorteile sah. Derzeit investiert TSMC aber auch in den USA.

Dem Bericht zufolge interessiert sich TSMC nun angeblich für die Standorte Dresden sowie Kumamoto in Japan und hat in beiden Regionen bereits Gespräche geführt. Der Konzern gilt als größter Mikrochip-Auftragsfertiger der Welt. Er stellt Chips im Auftrag von Elektronikkonzernen her, die selbst keine Halbleiter produzieren oder nicht das gesamte Spektrum abdecken. Ein kleinerer Konkurrent in dieser Sparte ist Globalfoundries.

Mit den Fabriken von Globalfoundries, Infineon, X-Fab und seit wenigen Wochen auch Bosch ist Dresden der wichtigste Standort der Halbleiterbranche in Europa. Daher macht sich die Region Hoffnungen, wenn es um die nächste Investition in der Branche geht. Große Chipfabriken gibt es aber auch in Frankreich. Die Neubauten kosten in der Regel Milliardensummen, zumal dazu teure Anlagen zum Beschichten und Belichten der Siliziumscheiben gehören.

Dresdens OB Hilbert: Nachfrage nach Gewerbeflächen

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sagte vor wenigen Tagen, Dresden als europäisches Zentrum der Chipindustrie sei gefordert, die Nachfrage nach den Halbleitern zu bedienen. In den vergangenen Monaten mussten beispielsweise Autofabriken die Produktion unterbrechen, weil die kleinen Bauteile fehlten. Hilbert sprach zugleich von einem Nachfrageboom nach Gewerbeflächen in Dresden.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat erst zu Monatsbeginn in Dresden die beiden größten Mikrochipfabriken besucht. Bei Globalfoundries und Infineon erinnerte er daran, dass die EU derzeit über neue Subventionen für die Mikrochipbranche verhandelt, weil Chips als strategisch wichtige Produkte gelten. Europa soll nun wieder mehr Mikrochips herstellen, nachdem Marktanteile an Asien verloren wurden.

Wirtschaftsminister Altmaier: Offenheit signalisiert

Das neue europäische Förderprogramm Ipcei 2 könnte laut Altmaier beinahe zehn Milliarden Euro umfassen. Die englische Abkürzung Ipcei steht für Important Projects of Common European Interest, also: wichtige Projekte von gemeinsamem europäischen Interesse. Aus dem Programm Ipcei 1 war die Bosch-Fabrik in Dresden unterstützt worden.

Altmaier sagte bei seinem Besuch in Dresden, er habe in Gesprächen mit Intel Offenheit signalisiert. Falls ein solcher Investor Unterstützung vom Staat bekomme, sollten andere nicht leer ausgehen. Wörtlich sagte Altmaier in Dresden: "Wenn es neue Investoren von außerhalb Europas gibt, wird es nicht zulasten von Unternehmen gehen, denen wir unsere Unterstützung bereits zugesagt haben."

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