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Dresdener Mühle zahlt blühende Landschaften

25.06.2020
Das Unternehmen hat Landwirte in ganz Mitteldeutschland zu einem Schritt überzeugt, der ihnen eigentlich die Arbeit erschwert.

 

Von Peter Anderson 

Klipphausen. Ob er Disteln anbaue? Das wird Landwirt Andreas Partzsch aus Röhrsdorf unweit des Saubachtales derzeit öfter gefragt. Auf einem von ihm gepachteten Schlag oberhalb der Dorfkirche St. Bartholomäus blüht es lila. Der gern genutzte Wanderweg zur Neudeckmühle führt an dem auffälligen Feld vorbei.

Um die Fragen der neugierigen Spaziergänger zu beantworten, muss der Röhrsdorfer Bauer etwas weiter ausholen. Des Rätsels Lösung reicht 27 Jahre in die Vergangenheit zurück. 1993 taten sich mitteldeutsche Landwirte, Bäcker sowie das Unternehmen Saalemühle und Dresdener Mühle zusammen, um das Qualitätsprogramm Ährenwort aufzulegen. Aktuell nehmen 150 Landwirte und 260 Handwerksbäcker in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg daran teil.

Kurze Wege vom Feld zur Mühle und dem Bäcker

Verschiedene Gütesiegel sind in der Zwischenzeit hinzugekommen und später wieder verschwunden. Das Ährenwort gilt dagegen weiter. Der regionale Verbund garantiert kurze Transportwege. Seine Mitgliedsbetriebe befinden sich größtenteils in einem Umkreis der Dresdener Mühle von 75 Kilometern. Die Corona-Krise hat gerade weder in drastischer Form darauf aufmerksam gemacht, wie vorteilhaft solche regionalen Kreisläufe sind. Vertraglich festgelegte Kontrollen des Getreides und das Protokollieren des Pflanzenschutzes sorgen für Sicherheit sowie Rückverfolgbarkeit der Produkte.

Gleichzeitig stellt das Programm einen stetigen Informationsfluss von den Verbrauchern, über die Bäcker hin zur Mühle und den Landwirten sicher. "Die Handwerksbäcker wissen genau, welche Backwaren von ihren Kunden gewünscht werden, ob traditionelle oder moderne mediterrane Gebäcke", sagt der Vertriebsleiter der Dresdener Mühle Dirk Willkomm. Auf dieser Basis entwickelt das Unternehmen spezielle Mehle, deren Backeigenschaften auf die gewünschten Produkte ausgerichtet sind. Dafür werden ausgesuchte Getreidesorten benötigt.

Als Bindeglied zu den Landwirten fungiert die Anbauberaterin der Dresdener Mühle Konstanze Fritzsch. Sie gibt Empfehlungen für Sortenwahl, Düngung bzw. Pflanzenschutz. Zum anderen arbeiten qualifizierte Bäcker, Bäckermeister und Lebensmitteltechniker als Fachberater im Außendienst. Sie unterstützen die Bauern in allen bäckereitechnischen Fragen. Im sogenannten Backtechnikum der Dresdener Mühle finden regelmäßig Backversuche statt, um die Qualität der Mehle sicherzustellen und neue Rezepturen für die zu testen.

Die Dresdener Mühle bezahlt Landwirte in Mitteldeutschland jetzt für das Anlegen von Blühwiesen auf einem Teil ihrer Flächen. Im Klipphausener Ortsteil Röhrsdorf gibt es ein gutes Beispiel dafür .
Die Dresdener Mühle bezahlt Landwirte in Mitteldeutschland jetzt für das Anlegen von Blühwiesen auf einem Teil ihrer Flächen. Im Klipphausener Ortsteil Röhrsdorf gibt es ein gutes Beispiel dafür . © Claudia Hübschmann

Die Blühwiese in Röhrsdorf, über der Insekten summen und Feldlerchen tirilieren, ist jetzt der neuste Baustein des Qualitätsprogrammes. "Wir versuchen auf allen Gebieten nachhaltig zu arbeiten", sagt der Geschäftsführer der Mühlengruppe Bindewald und Gutting, Michael Gutting. Deshalb habe sich das Unternehmen dazu entschlossen, eine Lücke zu füllen, die durch das Auslaufen eines staatlichen Förderprogrammes entstanden wir. Die Saalemühle und Dresdener Mühle bezahle die Partnerlandwirte aus dem Ährenwortprogramm dafür, für mehr Vielfalt zu sorgen und auf einem Teil ihrer Flächen Blühwiesen anzulegen, so Gutting. Insgesamt 200 Hektar, über ganz  Mitteldeutschland verteilt, werden auf diese Weise mit mindestens fünf, nacheinander blühenden Sorten wie Sonnenblumen, Ringelblumen oder Malven zu Insektenweiden gemacht. Gleichzeitig wird ein Beitrag zur CO2-Neutralität der Produktion geleistet. Welche Flächen dafür verwendet werden, entscheiden die Betriebe eigenständig. 

Nach Angaben von Landwirt Partzsch wurde auf dem Röhrsdorfer Stück sogar zwölf Sorgen ausgesät. Die Disteln seien nun zuerst aufgegangen. Der Bauer sieht den lila Schlag mit einem lachenden und einem weinenden Auge.  Er habe ihn erst kürzlich übernommen. Um ihn für den Getreideanbau zu nutzen, sei es zu spät gewesen. Die Phase als Blühwiese gebe dem Boden jetzt Zeit, sich zu erholen. Allerdings erwarte er anschließend einen erhöhten Aufwand, um die Fläche wieder für den normalen Anbau zu kultivieren. "Das, was da jetzt wächst, sind ja eigentlich genau die Pflanzen, die wir nicht auf dem Acker haben wollen", so Partzsch.

Einen positiven Effekt erhofft sich Bäckermeister Andreas Wippler aus Dresden, Juniorchef der gleichnamigen Dresdner Bäckerei.  Er betrachtet die von der Mühle geförderten Blühwiesen auch als ein Werbemittel für das Qualitätsprogramm Ährenwort. Das Ziel der Gütesiegelgemeinschaft müsse es sein, die von ihr gepflegten Werte bis zum 30. Gründungsjubiläum bei den Kunden noch populärer zu machen und zudem weitere Mitglieder zu gewinnen. 

 

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