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Dresdens Krankenhäusern geht es besser

Dresden 17.04.2019
Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann sieht das Städtische Klinikum im Aufwind. Aktuelle Zahlen lassen hoffen.

Mehr als elf Millionen Euro Verlust hat das Städtische Klinikum 2018 gemacht. Neue Ärzte, mehr Pflegepersonal und externe Berater sollen beim Überwinden der Krise helfen. Wirtschaft in Sachsen hat mit Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Die Linke) über Lösungen für die Häuser und das Konstrukt eines kommunalen Krankenhauses gesprochen.

Frau Kaufmann, 2018 verlief wirtschaftlich noch schlechter als prognostiziert. Wie kam es dazu?

Das lag zum einen daran, dass Baustellen nicht wie geplant fertig wurden. Zum anderen spüren wir den Fachkräftemangel. Uns fehlten im letzten Jahr einfach die Köpfe und die Hände, um Leistungen erbringen zu können. Besonders im OP-Bereich schlug das ins Kontor. Auf Schlüsselpositionen haben wir lange Chefärzte gesucht und Pflegepersonal hat ebenso gefehlt. Ich bin froh, dass die Mitarbeiter jetzt an Bord sind. Dass weniger Patienten zu uns gekommen sind, lag ein stückweit vielleicht auch an der schwierigen Medienberichterstattung. Es gibt aber keinen Grund zu verzagen.

Wie sieht die Situation nach dem ersten Quartal 2019 aus?

Das Städtische Klinikum ist positiv ins Jahr 2019 gestartet. Ich hoffe, 2018 wird keine Wiederholung finden. Im Januar und Februar haben wir über den Planzahlen von 2017, das ein gutes Jahr für das Klinikum war, gelegen.

Wie wurde das plötzlich geschafft?

Es gibt neues Personal und neue Technik. Der große OP-Bereich in Friedrichstadt wurde optimiert, sodass es kaum noch Leerzeiten gibt. Vergangenes Jahr mussten wir die Ambulanz dagegen tagelang schließen, weil Personal fehlte und ein CT ausgefallen war.

Wie können Sie das Personal langfristig an das Klinikum binden?

Auf einzelnen Stationen war der Frust groß. Die Klinikleitung musste reagieren, weil die Überlastungsanzeigen zunahmen. Deshalb haben wir in der Pflege so viele neue Mitarbeiter eingestellt wie noch nie und einen gesamten Ausbildungsjahrgang übernommen. Das Personal hat auch jetzt keine Freizeit und ist sehr eingebunden, kann aber wieder eine Mittagspause machen. Wir nehmen die Probleme des Personals sehr ernst, weil nichts schlimmer ist, als eine gigantische Fluktuation. Natürlich gibt es auch Pflegekräfte, die ans Uniklinikum oder andere Einrichtungen wechseln. Manche kehren aber nach einem halben Jahr wieder zurück. Gegenüber privaten Klinikkonzernen ist unsere tarifliche Bezahlung ein echter Vorteil. Leider bekommen wir die Kosten für die Pflegekräfte erst ab 2020 komplett refinanziert.

Sie müssen beim Pflegepersonal derzeit draufzahlen und stellen noch neue Leute ein, wollen gleichzeitig aber weniger Verluste machen. Wie geht das?

Ich setze auf Nachhaltigkeit und akzeptiere, dass die Personalkosten jetzt steigen. Denn damit vermeiden wir Überlastung. Es schadet dem Klinikum viel mehr, wenn das Personal wegen Krankheit ausfällt. Irgendwann gibt es einen Schneeballeffekt, wenn Mitarbeiter aufgrund von Überlastung oder Langzeiterkrankung zwei bis drei Kollegen mit sich reißen. Wir wollen schon heute optimale Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter.

Wie leid sind Sie die Debatte um die finanzielle Lage des Klinikums? Im Raum steht doch immer wieder, ob ein kommunales Krankenhaus wirtschaftlich sein kann und sollte.

Leid bin ich es nicht. Es ist einfach eine mühsame Debatte, ob ein Klinikum ein Wirtschaftsunternehmen ist und deshalb Gewinne bringen muss. Aber Gesundheit ist keine Ware. Natürlich wäre es ideal, wenn wir in die schwarzen Zahlen kommen würden. Aber es gibt auch andere städtische Unternehmen, die ohne Not bezuschusst werden. Bei den Verkehrsbetrieben steigt der Subventionierungsbedarf jetzt von 42 auf 45 Millionen Euro. Oder auch andere Einrichtungen, wie der Zoo, bekommen natürlich Investitionszuschüsse. Das ist völlig legitim. Warum sollte man das also bei einem städtischen Klinikum, dessen Aufgabe eine gute, wohnortnahe Versorgung ist, nicht auch tun? Im Gegenzug werde ich meine Ärzte nicht anhalten, gewisse Operationen durchzuführen, nur weil sie viel Gewinn bringen.

Eine externe Beraterfirma soll trotzdem bei den Finanzen helfen. Wie lauten deren Ergebnisse, die im ersten Quartal 2019 vorliegen sollten?

Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young checkt aktuell die Finanzen und Prozesse unseres Klinikums auf Herz und Nieren. Dazu werden Statistiken ausgewertet und Interviews geführt. Ich rechne im zweiten Quartal mit ersten Ergebnissen.

Laut Wirtschaftsplan soll der Verlust in den nächsten Jahren bis auf 880 000 Euro sinken. Ist das zu optimistisch?

Das ist ambitioniert, aber machbar. Ich gehe davon aus, dass das Jahr 2018 ein kritischer Ausreißer war. Aufgrund der Analysen der Klinikleitung und der bisherigen Entwicklung glaube ich, dass wir die angestrebten Leistungszahlen bis 2021 erreichen werden. 2022 möchte das Städtische Klinikum wieder schwarze Zahlen schreiben.

 

Das Interview führte Juliane Richter.

Foto: © Sven Ellger

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