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Dresdner Bäcker: Der Stollen wird um bis zu 25 Prozent teurer

19.09.2022
Bäcker kämpfen mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen. Nicht nur Brot und Brötchen werden teuer, auch für den beliebten Stollen müssen Kunden tiefer in die Tasche greifen.

Von Julia Vollmer

Dresden. Das Leben wird Stück für Stück teurer. Die Dresdner kämpfen derzeit alle mit den steigenden Preisen für Lebensmittel im Supermarkt. Viele bekommen Post mit Erhöhungen der Abschläge für Strom und Gas. Auch die Dresdner Bäcker spüren die Preisexplosionen in mehreren Bereichen.

"Genauso wie unsere Kunden spüren wir den starken Anstieg der Rohstoffkosten beim Einkauf. Teilweise bis zu 90 Prozent beim Zucker, 60 Prozent bei der Butter und etwa 52 Prozent bei Mehl", sagt Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, Chefin des Dresdner Backhauses. Sie hat mehrere Filialen in Dresden. Laut Verbraucherzentrale lag der Preisanstieg für Lebensmittel von August 2021 zu August 2022 bei 16,6 Prozent.

Auch beim Dresdner Backhaus steigen nicht nur die Energiekosten extrem. "Wir spüren vor allem den Preisanstieg in den Kraftstoffen und insbesondere im Heizöl, das sich mehr als verdoppelt hat und unsere Öfen im Backhaus befeuert. Für unsere monatliche Heilzöllieferung zahlen wir aktuell 3.705 Euro mehr." Das bringe Zusatzkosten von 11.000 Euro im Quartal. Dies gelte nur für die Backöfen in der Handwerksbäckerei, die Ladenbacköfen seien noch nicht eingerechnet.

Teure Produkte aus dem Sortiment verbannt

Kreutzkamm-Aumüller muss nun, wie fast alle Bäcker und Gastronomen die Preise für die Kunden anheben. "Die Kunden tragen die Preiserhöhungen derzeit noch gut mit. Es ist aber zu erwarten, dass im Zuge der Einschnitte im privaten Bereich auch hier ein starker Einbruch im Umsatz zu spüren sein wird", vermutet sie. Einige sehr preisintensive Produkte habe sie vorübergehend aus dem Sortiment genommen. Weitere Preiserhöhungen kann sie für die Zukunft nicht ausschließen.

"Eigentlich müsste ich die Preise um 20 Prozent anheben, aber das kann ich den Kunden nicht zumuten", sagt Andreas Wippler von der Bäckerei Wippler, der ebenfalls mit mehreren Filialen in Dresden vertreten ist. Er will nur die Preise minimal anheben, es müsse sich aber rechnen.

"Wir straffen jetzt das Sortiment", so Wippler. Auch er kennt natürlich die steigenden Energiepreise. Sparen ist aber schwierig in seiner Branche, so der Bäckermeister. "Zum Brotbacken brauchen wir 270 Grad, das kann ich nicht bei 150 Grad machen."

Stollen wird teurer

Für alle Fans des weihnachtlichen Kultgebäcks gibt es schlechte Nachrichten: Der Stollen wird teurer in diesem Jahr. "Der Verband geht derzeit von Preissteigerungen von bis zu 25 Prozent aus", so Karoline Marschallek, Geschäftsführerin des Schutzverbandes Dresdner Stollen.

Mit Blick auf die Kostensteigerungen in allen Bereichen müssten die Hersteller die Preise anheben. "Dies ist im Sinne einer betriebswirtschaftlichen Unternehmensführung unumgänglich", betont sie. Auch die Stollenbäcker spüren wie alle anderen de Preisanstiege bei den Rohstoffen. Marschallek nennt die 60 Prozent Anstieg bei der Butter, sie beziffert den Wert bei Zucker auf 90 Prozent plus.

"Alles wird teurer: Verpackungsmaterial, Benzin für die Lieferfahrzeuge, Maschinenwartungen, Dienstleistungen, die in Anspruch genommen werden", sagt sie. Die Energiepreissteigerungen für die Stollenbäcker seien groß. Marschallek rechnet vor: "In einer Backstube in Dresden mit einem Backofen kostete der Gasverbrauch bislang 500 EUR pro Monat, jetzt sind es 4.000 EUR pro Monat."

Forderung nach Entlastung

Die Sächsische Bäckerinnung dringt auf Hilfe für die Bäcker. "Die Politik sollte auf Basis der Verbräuche von 2021 eine Grenze für die Energiekosten einziehen. 20 Prozent Zuschüsse nützen nichts. Das ist der Tropfen auf dem heißen Stein", sagt Manuela Lohse, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäcker-Handwerks Sachsen.

Die Energiekosten von 2021 sollten dafür die Basis sein. Das sei vom Inhaber der Bäckerei zu zahlen. Alles, was darüber hinaus ist, sollte staatlich finanziert werden, so die Forderung. Sachsens Bäcker-Landesobermeister Roland Ermer betont: "Die beschlossene Mehrwertsteuersenkung ist ein Schritt in die richtige Richtung." Am Mittwoch wurde eine die Senkung der Mehrwertsteuer sieben Prozent bei Gas beschlossen.

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