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Dresdner Café setzt auf Brunchboxen

30.03.2021
Wie Fräulein-Lecker-Chefin Maggie Singer im zweiten Lockdown mit einer neuen Idee punktet und nur darauf wartet, die nächste anzubieten.

Von Kay Haufe 

Dresden. Es gab diese Tage mit quälenden Gedanken. Immer und immer wieder hoffte Maggie Singer, dass sie endlich ihr kleines Café am Bischofsweg in der Dresdner Neustadt wieder öffnen kann. "Aber diese Nachricht kam bisher nicht, stattdessen gehen die Beschränkungen immer weiter, da fühlt man sich wie gelähmt", sagt die 30-Jährige. "Emotional und körperlich muss man erst mal in der Lage sein, dass wegzustecken."

Im Dezember 2020 kam der Punkt, an dem die Besitzerin von "Fräulein Lecker" beschlossen hatte, sich neu aufzustellen. Aber wie? "Das war ein langer Ideenfindungsprozess, zu lange für einen ungeduldigen Menschen wie mich", erinnert sie sich und muss heute darüber lachen. Aber am Ende zählt das Ergebnis.

Sonntags-Brunchboxen sind es geworden. Statt nur Kuchen auf Bestellung herzustellen, liefert Maggie Singer jetzt auch drei Frühstücksvarianten mit süßem und veganem Inhalt sowie Wurst und Käse. Ihr selbstgebackener Kuchen ist stets dabei. "Ich war schon immer mit meinem Frühstücksangebot erfolgreich und habe daran angeknüpft. Das hat funktioniert", sagt sie stolz.

Rund 15 Boxen werden jeden Sonntag zu den Kunden geliefert, im gesamten Stadtgebiet. Unterstützung erhält die gelernte Hotelfachfrau dabei von ihrer Familie, die beim Ausfahren hilft. Bekannt gemacht hat sie ihre Frühstücksboxen ausschließlich über Instagram und Facebook. "Es hat sich dann relativ schnell rumgesprochen." Und auch Nachahmer auf den Plan gerufen. "Nur die guten Ideen werden geklaut", schätzt Maggie Singer ein, obwohl ihr diesbezüglich nicht zum Lachen zumute ist.

Schuldenberg wächst

Doch kann sie wirklich von den 15 Frühstückskunden und den Kuchenbestellungen leben, die seit dem Vorjahr immer weniger werden? "Nein", sagt sie ehrlich. Die Einnahmen decken lediglich einen Teil ihrer Ausgaben. Die Miete für ihr Café muss sie weiterhin zahlen. "Aber nicht immer fristgerecht, das hilft schon ein Stück." Außerdem sind die November- und Dezemberhilfen vom Bund gekommen. Das Geld sei relativ schnell wieder weg gewesen.

Mit dem ständig wachsenden Schuldenberg geht Maggie Singer pragmatisch um. Immerhin hat sie relativ viel in ihr Café investiert, das sie ab 2017 gepachtet hatte und von dem sie seit Juli 2019 die Besitzerin ist. "Auch für die Frühstücksboxen musste ich erstmal in Vorleistung gehen, das ist so bei neuen Ideen. Gebe ich jetzt auf, ist alles weg."

Doch sie würde lügen, wenn sie sagt, dass dieser Gedanke nicht hin und wieder auftaucht. "Mir hilft dann meine positive Grundeinstellung. Ich bin ein optimistischer Mensch. Motiviert hat mich auch der Erfolg meiner Boxen und die Hilfe meiner starken Familie." Im Frühjahr 2020 hatten ihr Kunden mit einer Spendenkampagne geholfen, den ersten Lockdown zu überstehen. 2.200 Euro kamen zusammen. Noch heute schwärmt Maggie Singer von dieser Solidarität, die für sie unfassbar war.

Mit Zweckmäßigkeit und Optimismus ist sie an die Zusammenstellung der Frühstücksboxen herangegangen. Prämisse war, dass es den Kunden gefällt, sich aber auch für sie rechnet. Sie kauft die Produkte dafür wie Hummus, Müsli, Joghurt, Avocadodip, veganen und normalen Aufschnitt oder auch Marmeladen daher ein. Dazu kommt frisch aufgeschnittenes Obst und Gemüse. Die Boxen für zwei Personen kosten von 25,90 bis 30,90 Euro, dazu kommen 2,50 Euro Liefergebühr.

Sofort startklar für die Wiedereröffnung

Maggie Singer ist sofort startklar, sollte es demnächst wieder losgehen können. Doch sie befürchtet, dass sie ihr Fräulein Lecker wohl nicht vor Juni wieder öffnen kann. "Den April habe ich abgeschrieben, wenn es Mai würde, wäre das super."

Die freie Zeit nutzt die Schöpferin überraschender Backrezepte, um das Profil ihres Cafés für die Wiedereröffnung zu schärfen. Und wieder ist es das Frühstücksangebot, um das es sich dreht. "Ich möchte ein Buffett mit selbstgemachten Müslis und Marmeladen, frischen Waffeln und natürlich Eierspeisen anbieten", sagt sie.

Doch ist das die richtige Antwort auf die hohen Hygieneanforderungen, die das Virus mit sich bringt? Diese Frage macht die junge Frau wütend. Sie hat wie viele andere Gastronomen ein Hygienekonzept, das mit Tests von sich und den Kunden funktionieren würde. "Ich bin doch keine Unternehmerin geworden, um auf Geld vom Staat zu warten. Ich will nicht weiter hängengelassen werden, das macht so mürbe."

Aus ihrer Sicht kann die Politik nicht warten, bis durch das Impfen eine Herdenimmunität erreicht wird. "Das dauert bis mindestens September und das halten ich und andere Gewerbetreibende nicht durch."

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