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Dresdner Händler kritisieren Prager Straße

23.09.2020
Aufdringliche Buden, viel Werbung: Die Einkaufsmeile sehe "verramscht" aus. Wie die Stadt das ändern will und was Händler und Gastronomen fordern.

Von Nora Domschke 

Dresden. Die Dresdner Stadtverwaltung will eine Werbe- und Gestaltungssatzung für den Bereich um die Prager Straße, für den Wiener Platz und für den zukünftigen Ferdinandplatz aufstellen. "Ziel ist es, die gestalterische Qualität der Werbeanlagen, des Außenmobiliars und der Warenauslagen im öffentlichen Raum durch wenige einheitliche Gestaltungsgrundsätze zu verbessern", teilte das Rathaus am Dienstag mit. Dabei sollen die ansässigen Gastronomen, Händler und Hoteliers mitreden. Dazu hatte die Stadt am 15. September zu einem Gespräch eingeladen, bei dem das Stadtplanungsamt die Ziele der geplanten Satzung erläuterte und die Gewerbetreibenden ihre Hinweise einbringen konnten.

Da nicht alle Händler und Gastronomen teilgenommen haben, soll es demnächst die Möglichkeit geben, per Online-Beteiligung weitere Anregung an das Stadtplanungsamt zu übermitteln. Im Gespräch wurde zunächst erklärt, was eine Werbe- und Gestaltungssatzung ist und welche stadtgestalterischen Ziele damit verfolgt werden. So ist geplant, dass "Werbung mehr Rücksicht auf die vorhandene Architektur, Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum nehmen sollte". 

"Aufdringliche Werbung und viele Buden"

Von den Händlern und Gastronomen habe die Stadt ein differenziertes Meinungsbild dazu bekommen, was aus ihrer Sicht für diese Lage in der Innenstadt besonders wichtig ist. "Die Anwesenden haben uns bestätigt, dass auch die Prager Straße durch aufdringliche Werbung und viele Buden teilweise ein verramschtes Erscheinungsbild abgibt", berichtet Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes.

Angesprochen wurde auch, dass etwa Mieter in den Obergeschossen mitunter Schwierigkeiten haben, für sich im Stadtraum zu werben. Ein weiteres Thema: Stühle und Tische, die Restaurants auf der Straße aufstellen, hätten Nachteile für benachbarte Händler, weil sie zum Teil den Weg in die Geschäfte versperrten. Dort sei eine bessere Aufteilung der Fläche wünschenswert. Auch wird für den gesamten Bereich zwischen Hauptbahnhof und Dr.-Külz-Ring sowie zwischen der St. Petersburger und der Reitbahnstraße mehr Grün gefordert.

Hinweise gab es auch zur wachsenden Bedeutung von digitalen Werbeanlagen. "Wir nehmen diesen Hinweis mit und werden prüfen, wie digitale Werbemöglichkeiten in der Zukunft gestaltet werden können", so Szuggat, der zugleich in Aussicht stellt, dass solche digitalen Anlagen verstärkt auf der Prager Straße eingesetzt werden sollen. "Deshalb sind Ideen wichtig, in welchem Rahmen dies erfolgen sollte, um ein angemessenes stadträumliches Gesamtbild zu erzeugen", so der Chef-Stadtplaner.

Neue Regelungen gelten ab 2021

Viele der Gewerbetreibenden auf der Prager Straße und dem Wiener Platz seien derzeit aufgrund der Corona-Pandemie in einer angespannten Situation. Deswegen hat die Stadt die Sondernutzungsgebühren für das restliche Jahr erlassen. Diese Gebühren werden fällig, wenn Tische, Stühle, Schirme und Warenauslagen im öffentlichen Raum aufgestellt werden. Die Werbe- und Gestaltungssatzung solle nicht dazu führen, dass sich die angespannte Lage der Gewerbetreibenden weiter verschlechtert. 

Trotz der Corona-Pandemie und ihrer Folgen für die Wirtschaft glaube die Stadt an einen positiven Impuls für die Prager Straße und den Wiener Platz, wenn der Bereich attraktiver gestaltet wird. Die Aufwertung des Areals solle behutsam, angemessen und schrittweise erfolgen. Bestehende Werbeanlagen und genehmigte Sondernutzungen haben Bestandsschutz, das heißt, dort werden keine Veränderungen vorgeschrieben.

Das Stadtplanungsamt und das beauftragte Architekturbüro Alexander Poetzsch Architekten werden die Ergebnisse der Veranstaltung und der geplanten Online-Beteiligung bis November dieses Jahres auswerten. Diese sollen in die Regelungen der Werbe- und Gestaltungssatzung einfließen. Die konkreten Inhalte der neuen Gestaltungssatzung sollen bis zum Frühjahr 2021 erarbeitet werden. Eine Informationsveranstaltung dazu ist für das erste Quartal 2021 geplant.

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