kfxfw0u2l2kbrfi9y1f9q6dxgs8feoc7.jpg

Dresdner Händler: Wenig Kunden, sinkende Umsätze

11.11.2020
Warum die volle Innenstadt und der gut gefüllte Elbepark am Wochenende nicht über die Probleme der Geschäftsinhaber in Coronazeiten hinwegtäuschen können.

Von Nora Domschke & Kay Haufe & Julia Vollmer

Dresden. Das sonnige Wetter hat die Dresdner am Wochenende regelrecht ins Freie gezogen. Viele nutzten die Zeit am Samstag auch zum Einkaufen. Nicht ungewöhnlich, sieben Wochen vor Weihnachten. Haben Händler nach der langen Durststrecke im Frühjahr und dem schleppenden Geschäft im Sommer endlich steigende Umsätze? Und sind die Dresdner ihrem Wunsch gefolgt, Geschenke möglichst zeitig zu erwerben? 

Daniel Dorner winkt ab. Der Inhaber der Spielaxie in der Altmarktgalerie zählt seit Beginn der Maskenpflicht Ende Oktober deutlich weniger Besucher im Laden als zuvor. "Mein Umsatz ist um rund 30 Prozent gesunken", sagt er. "Tatsächlich hatte man am Wochenende den Eindruck, dass viel los ist, auch in der Altmarktgalerie. Aber die Kunden bleiben kürzer und kaufen ausschließlich gezielt", sagt er. 

"Gruselig" findet Dorner die Situation. Viele Besucher kämen nicht in die Innenstadt, weil sie glauben, dort auf viele Menschen zu treffen. Das verunsichere. "Viele wissen auch nicht genau, wo sie draußen Maske tragen müssen und wo nicht, und bleiben deshalb weg", sagt Dorner. 

Da er mehr als zehn Mitarbeiter und über eine Million Umsatz erzielt habe, profitiert er nicht von staatlichen Hilfsmaßnahmen. Er habe ein mulmiges Gefühl, dass sich der jetzige Lockdown bis in den Dezember oder länger hinzieht. "Aber ich möchte auf keinen Fall schwarzmalen."

Daniel Dorner, der Inhaber der Spielaxie in der Altmarkt Galerie, verzeichnet 30 Prozent weniger Umsatz im Vergleich zu Vorjahr.
Daniel Dorner, der Inhaber der Spielaxie in der Altmarkt Galerie, verzeichnet 30 Prozent weniger Umsatz im Vergleich zu Vorjahr. © Sven Ellger

"Von Einkaufsbummel kann keine Rede sein"

Rund 38.000 Besucher waren am Samstag in den Elbepark gekommen. Kein schlechter Wert angesichts des herrlichen Herbstwetters draußen, schätzt Gordon Knabe ein. Es hat morgens sogar Schlangen vor Smyth Toys, Höffner und dem Media Markt gegeben. Aber der Centermanager relativiert sofort: Im Vorjahr wurden am zweiten Novembersamstag 51.000 Kunden gezählt. 

In Gesprächen mit den Händlern hat Knabe auch erfahren, dass viele Kunden maximal Bedarfskäufe machten, andere nur gekommen waren, um sich über Preise zu informieren. Von einem Einkaufsbummel könne man derzeit nicht sprechen. "Wir bemerken, dass die Menschen sehr zurückhaltend sind und auch verunsichert", sagt Knabe. 

Das merkt auch Hendrik M. Dietrich, Chef des Neustädter Geschenke-Kultladens Catapult. "Wir haben seit Beginn des Lockdowns rund 30 Prozent weniger Umsatz", sagt er. Er sieht auch Angst vor Ansteckung als einen Grund. Der Umsatzeinbruch ist hart, denn auch beim ersten Lockdown verdiente Dietrich nichts, denn da musste er seinen Laden komplett schließen. "Wenn das Weihnachtsgeschäft nicht bald richtig anläuft, ist das existenzgefährdend." Er hofft jetzt auf seinen Onlineshop und dass er da noch ein wenig Geld verdienen kann. 

Auch die Drogeriekette DM registriert weniger Kunden. Gert Moßler ist Gebietsverantwortlicher und beobachtet die Lage in der Landeshauptstadt. "Wir können in den Märkten in Dresden keine erhöhte Kundenfrequenz feststellen. Ähnlich wie beim ersten Shutdown verzeichnen wir insbesondere in den Märkten in der Innenstadt eher einen Rückgang der Kundenbesuche." 

Genau diese Erfahrung machen auch die Händler der Altmarkt-Galerie. "Die Kundenfrequenzen liegen deutlich unter dem Vorjahr. Die Händler erreichen bei weitem nicht die Umsätze von 2019", sagt Centermanager Jens Preißler. Er sieht auch die Maskenpflicht als eine der Ursachen, dass Kunden nur kurz zu Einkäufen im Shoppingcenter blieben.

Einige Sortimente stärker nachgefragt

Der Fahrradhändler Little John Bikes profitiert hingegen von der (wieder)entdeckten Liebe der Dresdner zum Radeln seit der Pandemie. "Seit Inkrafttreten des zweiten Lockdowns verzeichnen wir tatsächlich einen Anstieg der Kundenfrequenz, was jedoch auch auf die recht gute Wetterlage der letzten Tage zurückzuführen sein kann. Zudem ist erfahrungsgemäß das Kaufverhalten am Monatsbeginn immer stärker ausgeprägt als am Monatsende", so Marketingleiter Jan Schneidewind. Die Corona-Situation habe das Freizeit- und Alltagsverhalten vieler Menschen verändert und das Fahrrad werde nun für unabhängige und gesunde Mobilität verstärkt nachgefragt.

Ebenso würden sich Bau- und Möbelmärkte einer gestiegenen Nachfrage erfreuen, so Handelsverband-Geschäftsführer David Tobias, der auch für Dresden zuständig ist. Offenbar nutzen viele Menschen die Zeit, in der sie angehalten sind, Kontakte nach außen zu minimieren, dafür, es sich in den eigenen vier Wänden heimelig zu machen. 

Handelsverband: "Innenstadt steht unter Druck"

Doch auch Tobias bestätigt, dass vor allem die Innenstadthändler erheblich unter Druck stehen. Das habe im Wesentlichen drei Gründe: fehlende Touristen, weil die Hotels geschlossen sind, ein Verlagern von Bürotätigkeiten an den Heimarbeitsplatz und der Appell, eigene Kontakte möglichst weit einzuschränken. Das wirke sich auf Frequenz und Umsatz massiv aus. "Sie liegt je nach Sortiment und Standort zwischen 30 und 50 Prozent unter Vorjahr", erklärt Tobias. Damit lasse sich kein Geschäftsbetrieb mehr wirtschaftlich auffangen. 

Doch der Handel bleibt angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht untätig. "Der Verband steht hierzu im unmittelbaren Dialog mit dem Bundeswirtschaftsministerium." Es geht darum, dass der Bund auch den Umsatzverlust von Ladenbetreibern finanziell ausgleicht. So, wie er es etwa für Gastronomen tut, die 75 Prozent ihres Monatsumsatzes vom November 2019 erstattet bekommen können. 

Der Handelsverbandschef will die Dresdner in dieser Zeit dennoch ermutigen, ihre Weihnachtseinkäufe auch in der Innenstadt zu erledigen. "Unter Einhaltung der gebotenen Regeln, lässt sich ein Innenstadtbummel realisieren", ist sich Tobias sicher. Gerade in diesem Jahr empfehle es sich, mit den Einkäufen schon jetzt zu beginnen und möglichst alle Wochentage und Uhrzeiten zu nutzen, um die Frequenzen vor Ort in den Geschäften etwas zu entzerren.  

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Glashütter Uhrenfirma hat 1,5 Millionen Euro investiert

Glashütter Uhrenfirma hat 1,5 Millionen Euro investiert

Der Neubau der Firma Mühle steht. Die große Einweihungsfeier musste aber ausfallen. Genutzt werden die Räume indes schon. Hier ist Neues geplant.

"Online kommt für mich nicht infrage"

"Online kommt für mich nicht infrage"

Der Chef der Riesaer Elbgalerie spricht über das Weihnachtsgeschäft, die Maskenpflicht - und wo er selbst seine Geschenke kauft.

Jeden Tag ein anderes Gericht

Jeden Tag ein anderes Gericht

Uwe Köhler vom Alleerestaurant hat das Angebot der Stadt angenommen und verkauft jetzt aus einem Holzhäuschen.

Inklusion in Sachsen: Die Brückenbauer aus Leipzig

Inklusion in Sachsen: Die Brückenbauer aus Leipzig

Menschen mit Behinderung einzustellen, ist nicht selbstverständlich. Eine Zahntechnik-Firma aus Leipzig hat es gewagt.