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Ein ganzes Haus voller Lagerplätze

Dresden 13.03.2019
Ein Unternehmen aus Dresden baut ein Self-Storage-Center im Gewerbegebiet „An der Elbe“ Pirna. Das ist dann komplett ausgelastet.

Neues Geschäftsmodell in Pirna: Im Auftrag des noch relativ jungen Dresdner Unternehmens Rhinobox Group GmbH wird eine mehrgeschossige Immobilie errichtet. Im Industrie- und Gewerbepark „An der Elbe“, gegenüber von Möbel Graf, graben derzeit Bagger, um die Bodenplatte zu legen. An dieser Stelle entsteht ein sogenanntes Self-Storage-Center.

Welche Idee steckt dahinter? Das Selbstlagerzentrum, so die Übersetzung, ist ein Angebot bzw. ein Ort zur Einlagerung nicht ständig benötigter Materialien, Möbel und anderer Dinge. Heißt im Klartext: Kunden können dort einen Raum anmieten und ihre Gegenstände einlagern, für die sie beispielsweise in der Wohnung, im Schuppen oder im Haus nicht genug Platz haben.

Das viergeschossige Gebäude bietet nach Fertigstellung 568 Lagereinheiten in unterschiedlichen Größen. Die kleinste Einheit hat ein Fassungsvermögen von einem Kubikmeter und die größte fasst 200 Kubikmeter. Allerdings werden auch noch kleinere Boxen, ähnlich einem Schließfach, angeboten, unter anderem für Urkunden, Versicherungspolicen oder Fotos.

Das Schließfach kann für neun Euro im Monat gemietet werden. Für die größte Einheit muss der Kunde 500 Euro zahlen. „Aber wir sind flexibel und vermieten auch wochenweise“, sagt Thomas Richter, Geschäftsführer von Rhinobox. Und wer größere Dinge einlagert: Das Erdgeschoss des Gebäudes ist befahrbar. Die Zufahrt soll über eine Schranke geregelt werden.

Anders als bei anderen Self-Store-Anbietern können Kapitalanleger in das Projekt investieren und Lagereinheiten kaufen. Zu jeder Box gehöre ein eigenes Grundbuch, die Rendite betrüge fünf Prozent jährlich, erklärt Richter. Die Käufer müssten sich um nichts kümmern, Rhinobox übernimmt das Betreibermanagement, die Vermietung sowie die Hausverwaltung.

Baubeginn in Pirna war bereits im vergangenen Dezember. Voraussichtlich im vierten Quartal 2019 wird der Neubau fertiggestellt.

Warum das Dresdner Unternehmen Pirna als Standort für sein erstes Lager wählte, hat mehrere Gründe. „Die Infrastruktur stimmt. Die Lage garantiert eine schnelle Anbindung an die Autobahn sowie an die S 172“, erklärt Richter. Außerdem springt Rhinobox in eine Lücke. Umfangreiche Marktanalysen des Unternehmens haben ergeben, dass im Umkreis von 15 Kilometern kein solches Angebot bisher besteht. „Wir sind die Ersten“, betont Manfred Braun, der in dem Betrieb für Marketing und Vertrieb zuständig ist. Schließlich sei Pirna als Standort prädestiniert, da Stadt und Umgebung bereits zweimal vom Hochwasser schlimm betroffen waren. „Mit unserem Angebot betreiben wir eine Art aktiven Hochwasserschutz“, erläutert Richter. Denn die Menschen, die in hochwassergefährdeten Gebieten wohnen, hätten somit eine Möglichkeit, ihr Hab und Gut sicher aufzubewahren. „Das ist auch vor dem Hintergrund wichtig, weil Versicherungen gegen Hochwasser, sofern sie überhaupt noch funktionieren, sehr teuer sind“, fügt der Marketing-Leiter hinzu.

Rhinobox Group GmbH wurde 2016 gegründet und zählt derzeit sieben Angestellte. Die Firma will mehr als nur Pirna. Das zweite Rhinobox-Self-Storage-Center soll in Leipzig-Gohlis gebaut werden. Die Gesellschaft hat das dafür notwendige Grundstück bereits erworben. Danach streckt das Unternehmen seine Fühler unter anderem nach Berlin, Jena und Erfurt aus. Zurück nach Pirna. Mit dem Grundstückserwerb durch Rhinobox ist das Gewerbegebiet „An der Elbe“ jetzt zu hundert Prozent ausgelastet. Das teilt Christian Flörke von der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) mit, die das Areal entwickelt. Das Gebiet umfasst insgesamt 36 Hektar. Die bislang noch offenen zwei Grundstücke mit insgesamt 11 500 Quadratmetern werden bis Ende März auch vertraglich gebunden, informiert Flörke.

Neben der begonnenen Investition von Rhinobox zur Errichtung des Lagergebäudes sei in diesem Jahr noch mit dem Baubeginn der Knackfrisch GmbH (Essen auf Rädern) sowie einer bislang in Dresden ansässigen Firma im Bereich Blech- und Rohrbearbeitung/Schweißen zu rechnen. Ebenfalls in Vorbereitung ist der Bau einer Halle für ein Unternehmen im Bereich Transport/Logistik/Umschlag, so Flörke.

Ein kleineres Unternehmen plane noch die Errichtung eines Lagergebäudes. Das Eckgrundstück ist bereits vor mehreren Jahren an einen deutschlandweit bekannten KFZ-Dienstleister veräußert worden. „Er wird, je nach Investplan, in den kommenden zwei bis drei Jahren auf dem Gelände bauen“, informiert der SEP-Geschäftsführer.

 

Von Mareike Huisinga

Foto: © Visualisierung: archlab dresden, Dr.-Ing. Marcus K

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