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Ein grüner Daumen für die Küche

08.01.2021
Das Start-up UrGrow entwickelt einen nahezu selbstständigen Pflanzkasten für Kräuter und Salate. Das Crowdfunding endet jetzt.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Auf den ersten Blick ist es ein einfacher Pflanzkasten, der auf jedem Balkon stehen könnte. Bei genauerem Hinsehen aber ist es ein kleiner Indoor-Garten, ausgerüstet mit Sensoren und eigener Beleuchtung: „UrGrow“, ein Pflanzsystem für die heimische Küche, in dem Basilikum, Koriander und Salate, Erdbeeren, Tomaten und Paprika gedeihen. Den grünen Daumen für die Pflege übernimmt eine Smartphone-App. „Man muss lediglich alle paar Wochen Wasser nachgießen – und natürlich die frischen Zutaten ernten“, sagt Carsten Kremser, einer der Gründer hinter dem gerade heranwachsenden Ökosystem.

Das Start-up, das hinter UrGrow steht, ist voriges Jahr von München nach Leipzig umgezogen. Bis Freitagabend läuft zudem eine Crowdfunding-Aktion bei Startnext, der Dresdner Plattform zur Finanzierung neuer Projekte und Start-ups. Fast 47.000 Euro von 189 Unterstützern waren bis Donnerstagnachmittag zusammengekommen. Mit dem Geld soll die erste Serie an Pflanzkästen produziert und bis Mai oder Juni an die ersten Kunden ausgeliefert werden. Das Start-up will dieses Jahr mit dem Verkauf in Deutschland und Europa richtig loslegen: „Wir wollen 2021 mehrere Tausende Pflanzkästen verkaufen“, sagt Kremser. Gemessen an der positiven Resonanz aus den sozialen Medien sei dieses Ziel noch zurückhaltend formuliert. Die Gründer denken dabei nicht nur an Privatleute, sondern auch an Restaurants, Kantinen und weitere Gastronomie.

Mit UrGrow bekommt der Käufer für 249 Euro den variablen, ökologischen Pflanzkasten aus gehäckseltem Altholz, ohne Chemikalien und Plastikabfälle. Dazu gibt es das Lichtdach, das die Tageslichtspektren abbildet, eine eigens patentierte Pflanzerde, Saatkegel in Demeter-Qualität und Samen für ein Dutzend verschiedene, erprobte Pflanzen. „Mit Hilfe der App kann man die Dauer des Tageslichts und damit auch das Pflanzenwachstum einfach steuern“, erzählt Kremser. Sind die Pflanzen oder die Erde irgendwann verbraucht, kann man bei UrGrow nachbestellen – ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells.

Unterstützung von Freistaat und Stadt Leipzig

An der Finanzierung des zarten Pflänzchens ist neben privaten Business Angels auch der Technologiegründerfonds Sachsen beteiligt. „Wir wurden von der Stadt Leipzig und dem Freistaat Sachsen mit offenen Armen empfangen und beispielgebend unterstützt“, sagt Kremser. Der 43-Jährige, der aus Coswig stammt und seit 2017 in Leipzig wohnt, hat bereits reichlich Berufserfahrung. Nach einem Studium in Luft- und Raumfahrttechnik und einem Management-Studium in Zürich hat er viele Jahre im Vertrieb für große internationale Technologie-Unternehmen gearbeitet und die ganze Welt bereist. Dann aber suchte er einen neuen Lebenssinn, wollte heimisch werden und sich auf andere Interessen spezialisieren: Sport und gesunde Ernährung.

Kremser tauschte sich aus mit seinem Münchener Arbeitskollegen, dem eigentlichen Vater der Idee: Pascal Wolf. Der 29-jährige Gründer ist die treibende Kraft hinter dem Projekt, er hat schon seit Jahren in seiner Münchner Wohnung und auf seinem Balkon mit Pflanzen und verschiedenen Ökosystem experimentiert.

Mit dem technischen Kopf des Teams, Florian Hetzner, entwickelte er die ersten Prototypen. Als das Produkt reif für die Präsentation war und Investoren zur Seite standen, gaben sie ihre alten Jobs auf und stürzten sich auf ihr neues Lebensprojekt. Bald darauf fiel auch die Entscheidung für Leipzig.

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