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Ein warmes Bad voll Mineralwasser

10.02.2020
Teplice hat erstmals ein Thermalbad für die Öffentlichkeit. Der Eintritt ist mehr als erschwinglich.

Es ist Mittagspause. Nach den Kuranwendungen am Vormittag bleibt das Thermalium des Kurbads Teplice (Teplitz) für eine Stunde geschlossen. Zeit für die Reinigungskräfte, die Anlage zu putzen und Gelegenheit für einen ungestörten Rundgang mit Michal Sinčák. Der Manager für den deutschsprachigen Markt verbirgt nicht seinen Stolz auf das Thermalbad. Ende 2018 eröffnet, war es die größte Investition in der jüngeren Geschichte der privaten Kurgesellschaft, zu der in Teplice insgesamt vier Kurhäuser gehören. Das Thermalbad befindet sich im ältesten, dem Bad Beethoven, und damit in unmittelbarer Nähe der Urquelle, die Teplice vor fast 900 Jahren zum Kurort gemacht hat. Das moderne Gebäude passt sich so perfekt ein, dass man sich unweigerlich fragt, was vorher an dieser Stelle stand, zumal der Neubau ohnehin nur von der Badgasse (Lázeňská) aus zu sehen ist.

„An gleicher Stelle befand sich bereits ein Thermalbad. Allerdings reichte die Kapazität von 25 Personen am Ende schon lange nicht mehr aus“, erklärt Sinčák. Durch den Neubau wurde die Kapazität auf 100 Personen vervierfacht. Neu gibt es zwei statt einem Becken. „Das große Becken ist wie vorher klassisch für Thermalanwendungen ausgelegt. Das Wasser ist 35 Grad warm und deshalb nicht zum Schwimmen geeignet. Hier macht man am besten nichts“, sagt Sinčák. Sinn des Ganzen ist nämlich vor allem der Aufenthalt in dem Heilwasser, das bei Beschwerden des Bewegungsapparates hilft. Übrigens nur äußerlich. Seit bekannt ist, dass das Wasser leicht radioaktiv ist, wird es nicht mehr für Trinkkuren verschrieben.

Kinder zahlen voll

Aktiv werden in dem Becken nicht die Menschen, sondern verschiedene Elemente wie 101 Massagedüsen, damit im Zweifelsfall auch wirklich jeder Besucher eine findet, und Wasserspeier. Das Becken ist nur 1,30 Meter tief, damit tatsächlich niemand schwimmen muss. Die gemäßigte Bewegung gilt übrigens auch für Kinder. „Kinder zahlen bei uns bewusst den vollen Preis. Wir haben auch keine Familienangebote. Wer ins Spaßbad möchte, ist hier fehl am Platz und sollte in den nahen Aquapark im Kurviertel Šanov (Schönau) gehen“, betont Sinčák und weist darauf hin, das Kinder erst ab 3 Jahren Zutritt haben.

Da etwas Bewegung trotzdem nicht schadet, gibt es neu ein Schwimmbecken. Das kleine 1,50 Meter tiefe Becken mit 29 Grad Wassertemperatur bietet die Besonderheit, dass man schwimmend quasi durch die verglasten Wände hinaus in die Badgasse schauen kann. „Andersherum klappt das übrigens nicht. Dafür sorgt das Spezialglas. Mit dem Glas-Giganten AGC haben wir den Lieferanten ja quasi vor der Tür“, spielt Sinčák auf das große Flachglaswerk im Stadtteil Řetenice (Settenz) an.

Auch sonst kam beim Neubau nur bestes Material zum Einsatz. Die Herausforderung war, das Gebäude in den Komplex der historischen Kurhäuser einzupassen. „Traditionell besteht der Beethoven-Komplex aus 12 Häusern. Das hier ist nun unser 13.“, sagt Sinčák. Entstanden ist ein Bau, das der Historie wie der Gegenwart gleichermaßen verpflichtet ist. Prägendes Element in der gesamten Ausstattung ist der Löwenkopf. Zwar war es der Sage nach ein Schwein, das die Urquelle entdeckte, aber als Symbol dient hier der böhmische Löwe.

Kein separater Eingang

Er findet sich als Wasserspeier am großen Becken, an den Fenstern, aber auch im Treppenhaus, auch wenn man sie dort nicht auf den ersten Blick als Löwen identifizieren kann, sondern eher für Nilpferdköpfe hält. „Vorlage waren vier Löwenköpfe, die im 16. Jahrhundert in Dresden angefertigt wurden. Wahrscheinlich stellte man sich so damals Löwen vor“, schmunzelt Sinčák. Von den Löwenköpfen aus Dresden sind zwei übrigens noch vorhanden, allerdings nicht mehr im Kurbad, sondern im Regionalmuseum, das seinen Sitz im nahen Schloss hat.

Das Thermalium ist das einzige Thermalbad in den vier Häusern, das auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Man muss sich allerdings ein bisschen auskennen. Denn es gibt keinen separaten Zugang. Wer ins Thermalium möchte, geht ganz normal ins Kurhaus Beethoven. Dafür muss man sich nicht an der Hotelrezeption melden, sondern geht gleich leicht links die breite Treppe in den ersten Stock. Von dort links findet man den Empfangstresen des Thermalium. Neben den beiden Becken werden Besucher vor allem den Saunabereich mit vier Saunen schätzen.

Allerdings hat sich das neue Wellnessangebot schon herumgesprochen, weshalb man vor allem am Wochenende mit Wartezeiten rechnen muss. Da zählt das Thermalium schon mal locker 500 Menschen am Tag. „Leider haben wir kein Reservierungssystem“, sagt Sinčák, hat aber eine Empfehlung parat: „Es kann helfen, einen Abstecher ins Restaurant Café Beethoven zu machen und später wiederzukommen.“ Für diese Empfehlung muss man sich allerdings noch bis Ende März gedulden, da das in der Badgasse befindliche Restaurant gerade eine neue Küche erhält. Wer ohne groß anzustehen in das Thermalium kommen will, sei deshalb auf einen Wochentag verwiesen.

 

Von Steffen Neumann

Foto: © Egbert Kamprath

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