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Eine Klinik für den Bulli

Landkreis Meißen 16.09.2019
Eine Firma baut die VW-Legende auf und nun selbst an. Die Liebe zum Bulli ist ungebrochen.

Katastrophe! Das Lieblingswort den TV-Schraubers Michael Manousakis von Morlock Motors entlockt Stefan Grießbach bestenfalls ein Kopfschütteln. Was auf dem TV-Sender DMAX allabendlich als Männertraum verkauft wird, macht ihn manchmal sogar richtig wütend. 

Erst kürzlich, als der umtriebige Autoschrauber aus Peterslahr in Brasilien abenteuerlich Bullis einkaufte, um sie aufgemotzt und vermeintlich als Schnäppchen in Deutschland zu verkaufen. „Die Bullis aus Brasilien haben hier gar keine Betriebserlaubnis“, sagt der Chef der Sackaer Bulliklinik. Dann noch zu zeigen, wie dort die Fahrzeuggestellnummern herausgeflext sind, das geht für den passionierten Restaurator der VW-Legende in Sacka mehr als an guter Unterhaltung vorbei. „Die sind geklaut“, kommentiert er nüchtern die TV-Soap. 

Mit seinem Schrauberdasein haben solcher Bilder nichts zu tun. „Wir sind in der Lage, ein Fahrzeug wiederherzustellen, wie es zur Zeit seiner Erstzulassung gewesen ist. Wir können es höherwertig erstellen, als es zu seiner Bauzeit je war oder ein Fahrzeug im zeitgenössischen Patinagewand erhalten und technisch instandsetzen“, heißt es ernsthaft auf der Homepage der Bulliklinik.

Dass solch eine Restaurierung nicht immer sinnvoll ist, weil sie eben aufwendig ist, daraus macht Grießbach keinen Hehl. Bis zu 400 Arbeitsstunden sind für ein Exemplar normal, und so manche verunglückte Aufhübschung von irgendwoher landete letztlich in Sacka. Etwas zerknirscht bringen Kunden ihre Lieblinge aus den 1960er Jahren dann an. Da haben Fahrzeug und Besitzer oft schon eine Odyssee hinter sich.

Stefan Grießbach muss die Diagnose stellen. Ein Wort, das passt. In der Bulliklinik liest schließlich kein Computer die Fehler aus. Es wird getüftelt, probiert, überlegt und wenn nötig ein eigenes Werkzeug gefertigt. So etwas sehen sich zwar Millionen Zuschauer gern im Fernsehen an – im echten Leben sucht Stefan Grießbach wie andere Autowerkstätten händeringend Arbeitskräfte.

„Ich habe manchmal junge Männer vor mir, die mir schließlich gestehen, dass sie sich für Oldtimer eigentlich nicht interessieren“, erzählt Grießbach von Personalgesprächen. „Ich habe den Eindruck, die technischen Fähigkeiten sind vielen abhandengekommen.“ Doch wer den Oldtimer nicht innig liebt, kann ihn nun mal nicht retten.

Ein Fazit, das die Piloten im „Fliegenden Museum“ Großenhain für ihre Gefährte der Lüfte bei jeder Gelegenheit genauso treffen. Für Stefan Grießbach heißt das, er kann die Jobs nur attraktiver machen. Bauen will er. Eine neue Karosseriehalle, in der es sich bequemer arbeiten lässt. Jetzt kommen die Männer mit gutem Willen einmal um die Fahrzeuge herum. Der Gemeinderat hat das Vorhaben bestätigt. Die Planungen laufen.

Wann es losgeht, weiß der Chef der Bulliklinik noch nicht. Auf alle Fälle muss er dann nicht mehr mit zig Teilen in die Lampertswalder Halle kutschen. Gerade im Winter ist das beschwerlich. Vielleicht erfüllt sich mit dem Neubau auch der ein oder andere Kundenwunsch schneller. Denn die Sackaer, zurzeit arbeiten hier drei Leute, schaffen die Aufträge kaum.

Die Kunden wollen nicht nur restaurierte Bullis, sondern auch anderes, was geschickte Schrauberhände zaubern. Stärkerer Motor, tiefergelegte Fahrwerke, breitere Reifen – natürlich TÜV-geprüft – sind da noch die normaleren Sonderwünsche, die die Sackaer häufig erfüllen. Der Umbau zum Ladenmobil oder der Aufbau eines Schlafdaches waren da spezieller. Dafür braucht es natürlich Teile, Teile, Teile und die finden sich hier als halb ausgeschlachtete Karosserien und sortiert in Kisten und Regalen zuhauf. Was dem einen Schrott scheint, ist dem Schrauber das gerade gesuchte Teil. Da zumindest gleichen sich die Bilder im Fernsehen und im wahren Leben.

 

Von Birgit Ulbricht  

Foto: © Kristin Richter

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