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Elektroschiff fährt mit Diesel durchs Elbland

Landkreis Meißen 31.10.2019
Der Katamaran hat kürzlich die Werft bei Magdeburg verlassen. Nicht nur über dem Wasser ist das Fahrzeug außergewöhnlich.

Der Gohliser Theo Richter hat auf der Elbe schon so einige Schiffe gesehen. „Ich weiß, was für welche vorbeikommen“, sagt der 66-Jährige, der sich sogar per Handyapp informiert, was so auf dem Fluss los ist. „Ich bin schon bisschen ein Kaputter, was Schiffe angeht“, sagt der Rentner über sich und lacht. So ein Schiff wie diese Woche stromaufwärts schipperte, das war aber selbst dem Kenner noch nicht untergekommen. Deshalb hat Theo Richter auch gleich ein paar Fotos gemacht.

Tatsächlich ist die „Bella Bohemia“ ein Schiff mit Besonderheiten, erzählt Mario Bolle. Der 34-jährige Wirtschaftsingenieur ist Geschäftsführer der gleichnamigen Schiffswerft in Neuderben, die rund 40 Kilometer nordöstlich von Magdeburg nahe der Elbe liegt. In dem 50 Mann großen Traditionsbetrieb ist die Bella Bohemia in rund sechs Monaten Bauzeit enstanden.

Die Bauweise Katamaran lässt das Schiff auch mit niedrigen Wasserständen gut klarkommen. Anders als die meisten Fahrgastschiffe wird die „Bella“ außerdem elektrisch angetrieben, erzählt Mario Bolle. Und anders als andere Schiffe besteht es aus Alu, nicht aus Stahl. Leer wiegt das rund 25 mal zehn Meter große Gefährt deshalb nur 60 statt 90 Tonnen.

Rund eine Tonne wiegt laut dem Werftchef allein die Batterie. Ist sie voll aufgeladen, könne das Schiff bis zu sechs Stunden fahren, ehe wieder aufgeladen werden muss. Das dauere rund eine Stunde. Gesonderte Tanksäulen brauche es nicht, die handelsüblichvorhanden Anschlüsse für die Stromversorgung am Ufer genügten.

Das Schiff mit Solarpanels auszustatten, hätte laut Mario Bolle keinen Sinn ergeben. Denn auf dem Sonnendeck sollen sich künftig die Gäste tummeln. Die übrigen Flächen seien für Kollektoren zu klein und der Energiebedarf des Schiffs auch zu groß.

Mit zwei 50-kW-Motoren (je rund 68 PS) ist das Schiff eher schwach motorisiert. Das sei aber wirtschaftlich und umweltfreundlich – und sei genau auf den Einsatzzweck in Prag ausgelegt, so Mario Bolle.

In der tschechischen Hauptstadt wird das Schiff bald in Diensten der Firma „Prague Boats“ stehen, die laut ihrer Internetseite seit 1990 Besichtigungen vom Fluss Moldau aus anbietet – auf Schiffen unterschiedlicher Größe. Mit bis zu 250 Gästen gehört die Bella Bohemia in der Flotte zu den größeren Exemplaren.

 Auf die Frage, warum sich das Unternehmen für diese Bauart entschieden hat, erklärt Prague Boats unter anderem, dass der voll elektrische Antrieb sowohl abgasfrei als geräuschlos sei.

Für eine fast lautlose Fortbewegung sorgt laut Werftchef Mario Bolle ein neu entwickelter Antrieb, ein sogenannter „Inline Thruster“. Diese elektrischen Ringmotoren kommen ohne Welle und Getriebe aus. Das System werde so bisher eigentlich nur im Superyachtbau eingesetzt, so Mario Bolle. Mit der Bella Bohemia nun erstmals auch bei einem Fahrgastschiff.

Für die Überführung aus Sachsen-Anhalt nach Tschechien kommt allerdings nicht der Elektroantrieb zum Einsatz. „Dafür haben wir einen kleinen Diesel auf dem Schiff“, so Mario Bolle. Denn an der Elbe fehlten schlicht die Voraussetzungen, um das Schiff zu laden. Geschleppt werden sollte das neue Schiff nicht.

Was den Preis des Gefährtes angeht, will der Schiffsbauer sich nicht in die Karten schauen lassen. Aber es sei ein siebenstelliger Betrag. An der besonderen Bauweise oder der eher außergewöhnlichen Konfiguration liege das aber nicht. „Auch ein konventionelles Fahrgastschiff würde so viel kosten“, sagt Mario Bolle.

 

Von Eric Weser

Foto: © Theo Richter

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