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Elektrotechnik-Studentin in Bautzen: Die Eine unter 50 Männern

01.09.2022
Elektrotechnik - das studieren doch nur Männer, oder? Ein junge Frau in Bautzen beweist das Gegenteil. Sie hat sich dafür entschieden, weil sie Gutes tun will.

Bautzen/Dresden. "Als wir nach dem Lockdown die erste Präsenzveranstaltung in der Berufsakademie hatten, wussten alle, wer ich bin - aber ich kannte niemanden", erinnert sich Jamie Heise. Die 21-Jährige fällt im Studiengang Elektrotechnik deshalb so auf, weil sie die einzige Frau unter 50 Männern ist. Doch das hielt sie nicht von ihrem Plan ab.

Die gebürtige Brandenburgerin hat ein Ziel: "Wenn ich abends nach Hause komme, will ich das Gefühl haben, etwas Gutes getan zu haben - für mich, meine Mitmenschen und meine Umwelt." Damit ist sie Teil einer Generation, für die die Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit immer stärker in den Fokus rücken - auch bei der Berufswahl. Mit ihren Voraussetzungen blieben zwei Bereiche für ihren künftigen Beruf: Soziales oder Technik.

Die junge Frau entschied sich für Letzteres. "Ich habe Interesse fürs Technische, ohne dass ich vorher ein technisches Faible hatte oder Zuhause gebastelt habe", sagt sie und schmunzelt. Jamie Heise suchte nach Praktika und wurde bei Solarwatt in Dresden fündig. In der Landeshauptstadt stellt das Unternehmen Fotovoltaik-Module her und montiert Akkus, die den Strom vom Dach speichern. Erneuerbare Energien - das klang für Jamie Heise nach dem, was sie suchte.

Mit Technik etwas bewirken, das begeistert sie

In dem Praktikum war sie unter anderem im Produktmanagement eingesetzt. Dabei werden Produkte im Labor getestet und technisch erweitert, um ihre Leistungen stetig zu verbessern. Es galt, dafür ein technisches Problem zu lösen. "Wir saßen tagelang an der Lösung und sind von Tag zu Tag dem Ziel nähergekommen. Wenn es dann am letzten Tag klappt, ist das ein tolles Gefühl", beschreibt sie. Mit Technik etwas zu bewirken, das habe sie begeistert.

Nach dem Praktikum schmiedeten das Unternehmen und die junge Frau gemeinsam Pläne für die Zukunft. Ausbildung oder Studium? Sie entschied sich für ein duales Studium zur Elektrotechnikerin mit dem Schwerpunkt Energietechnik an der Berufsakademie Sachsen in Bautzen mit praktischen Elementen in der Zentrale in Dresden. Seit zwei Semestern studiert und wohnt sie nun in Bautzen, während sie im dreimonatigen Turnus in Dresden tüftelt.

Insgesamt 400 Studierende gibt es derzeit am Bautzener Studienakademie-Standort. Sie belegen die Studienrichtungen Elektrotechnik, Wirtschaftsinformatik oder betriebliches Ressourcenmanagement - die technischen Studiengänge dominieren an der Einrichtung. "70 Prozent aller Studierenden sind Männer", sagt Direktorin Anne Wuttke. Eine Besonderheit gebe es in der Medizintechnik, wo relativ viele Frauen das Studium beginnen. Im Studiengang Elektrotechnik seien Studentinnen jedoch eher eine Ausnahme, sagt die Direktorin, "wobei die Jahre vorbei sind, wo sich gar keine weiblichen Studienanfänger getraut haben."

"Ich verstehe nicht, warum sich so wenige Frauen trauen"

Warum sie einen eher "männerlastigen" Beruf gewählt hat, muss Jamie Heise immer mal wieder erklären. "Mir ist bewusst, dass es ungewöhnlich ist, aber ich bin auch stolz drauf", sagt sie. "Ich kann nicht verstehen, warum sich so wenige Frauen trauen."

In ihrem Abiturjahrgang seien viele Mitschülerinnen mit guten Noten in Mathematik und Physik gewesen, von denen jedoch keine ein Studium in den entsprechenden Bereichen begonnen habe. Eine vertane Chance, findet Jamie Heise - nicht nur für die Mitschülerinnen, sondern auch die Arbeitswelt.

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