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Ende vom Tankrabatt fördert den Sprittourismus nach Polen

07.09.2022
Am Mittwoch endet der Tankrabatt. Mit langen Schlangen, um noch mal vollzutanken, rechnen Tankstellen aber nicht. Zumindest nicht auf Görlitzer Seite der Grenze.

Von Susanne Sodan

Zwischen 1,87 und 1,90 Euro lagen die Benzinpreise am Montag an den Görlitzer Tankstellen. Bei Diesel waren es 2,02 bis 2,06 Euro. Wie es am Donnerstag aussehen wird? Am 1. September endet der Tankrabatt, also die Senkung der Energiesteuer.

Danach dürften die Spritpreise wieder in die Höhe gehen. Mit langen Schlangen von Fahrzeugen, die noch mal vollgetankt werden sollen, rechnet Patryk Lippe von Total an der Görlitzer Bahnhofstraße dennoch nicht. „Dafür sind wir zu nah dran an der Grenze zu Polen“, sagt er.

Tanken in Deutschland: Schließung der Stadtbrücke nach Zgorzelec war spürbar

Dennoch, ein bisschen sei der Tankrabatt auf deutscher Seite zu spüren, etwas mehr sei los gewesen an den Zapfsäulen. Vor allem, als einen Monat lang die Stadtbrücke nach Zgorzelec wegen Bauarbeiten geschlossen war, Tanktouristen einen Umweg nach Polen hätten nehmen müssen. „Direkt an dem Nachmittag vorige Woche, als die Sperrung aufgehoben wurde, haben wir auch das gemerkt.“ Wieder länger die Autoschlangen an der Bahnhofstraße aus Richtung Zgorzelec. Sicherlich waren einige auch zum Tanken auf der anderen Neißeseite, vermutet Lippe.

In Polen gelten seit Februar auf verschiedene Waren Mehrwertsteuersenkungen. Die Regelung wurde bis zum November verlängert. So lagen die Preise für Super-Benzin in Zgorzelec am Montag im Schnitt bei 1,46 Euro, für Diesel bei rund 1,59 Euro.

Der Tankrabatt habe dennoch einen Einfluss gehabt, sagt auch Ulf Wiegand, Verkaufs-Manager bei Gulf in Lutherstadt Eisleben. Eine Tankstelle betreibt das Unternehmen in Jänkendorf. „Auch in der Grenznähe haben vermehrt Kunden bei uns getankt.“ Wie sie zum 1. September reagieren - ein Blick in die Glaskugel, sagt Wiegand. „Es wäre schon schön, wenn die Kunden uns weiterhin ansteuern.“ Er könnte sich aber auch vorstellen, dass viele die nächsten drei Tage nutzen, um den Tank noch mal aufzufüllen, und die weitere Entwicklung abwarten.

Unklar, in welchem Maß die Benzinpreise steigen

Wie stark die Preise steigen? „Sie wissen, in welchem Maße sie gesunken sind“, sagt Patryk Lippe in Görlitz. Dass sie in geringerem Maß wieder steigen, nimmt er nicht an.

Maximal waren durch die Steuersenkungen Preissenkungen von 17 Cent pro Liter Diesel und 35 Cent bei Benzin drin. Allerdings sollen Mineralölkonzerne die Steuersenkung teils nicht weitergegeben haben.

Offen ist, ob die Preise sprunghaft ab 1. September steigen. Nach Angaben des ADAC Sachsen sei zwar bereits jetzt ein leichter Anstieg zu bemerken. Allerdings rechnen die Experten des Automobilclubs nicht mit einem drastischen Preissprung.

Grund sei, dass auch Tankstellenbetreiber durch den Rabatt aktuell noch günstiger einkaufen könnten. Es sei davon auszugehen, dass sie ihre Treibstofftanks noch einmal auffüllten und Benzin und Diesel dann zunächst weiter vergünstigt abgäben, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Die Preissteigerung dürfte sich also nach und nach bemerkbar machen.

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