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Entsteht neues Logistikzentrum in Zittau?

21.06.2022
Ein Unternehmen aus Mönchengladbach will eine Fläche im Gewerbegebiet Weinau kaufen. Doch der potenzielle Investor hat noch eine zweite Option.

Von Jan Lange

In Zittaus Gewerbegebiet Weinau könnte es bald eine Neuansiedlung geben. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss stimmte am Donnerstag dem Verkauf einer Fläche an die hedue GmbH aus Mönchengladbach zu. Das Unternehmen möchte auf der Fläche zwischen der Firma Ibex und der B99 eine Halle für Logistik, Verwaltung und Service errichten. Ist der Kauf abgewickelt, soll der Bau zeitnah beginnen, sagt Geschäftsführer Ralf Heesen. "Wir wollen das Projekt nicht endlos nach hinten schieben."

Dabei ist noch offen, ob das Logistikzentrum am Ende tatsächlich in Zittau angesiedelt wird. Denn der Firmenchef hat noch eine zweite Option. Parallel zu den Gesprächen mit Zittau gab es auch Verhandlungen mit der Stadt Görlitz über ein Grundstück im Gewerbegebiet Hagenwerder. Dabei geht es um eine Fläche neben dem Umspannwerk an der Einmündung der Alten Kraftwerksstraße in die Nickrischer Straße.

Am 23. Juni soll der Görlitzer Stadtrat laut Tagesordnung über den Verkauf des insgesamt 7.200 Quadratmeter großen Grundstücks beraten und beschließen. Zwei Görlitzer Ausschüsse beschäftigten sich bereits nichtöffentlich mit der Vorlage.

Die Fläche im Zittauer Gewerbegebiet ist kleiner - etwas mehr als 6.500 Quadratmeter. Das Wiesengrundstück war bei der ursprünglichen Planung des Gewerbegebietes in der Weinau mal als Parkfläche für Mitarbeiter der anliegenden Unternehmen gedacht, sagt Zittaus Wirtschaftsförderin Gloria Heymann. Diese Nutzung sei aber nie erfolgt, weil die Firmen auf ihren eigenen Grundstücken Parkmöglichkeiten für die Angestellten geschaffen haben. Aus diesem Grund wurde die Wiese als Gewerbefläche ausgewiesen.

Anfang des Jahres hatte die hedue GmbH Kontakt zur Wirtschaftsförderin aufgenommen und Interesse an der Fläche bekundet. Im Mai wurde dann ein Kaufantrag gestellt.

Das komplette Grundstück will die hedue GmbH nicht bebauen - die Halle soll gut 1.000 Quadratmeter groß werden. Ralf Heesen könnte sich vorstellen, die ganze Fläche zu kaufen, um Möglichkeiten für spätere Erweiterungen zu haben. Denkbar sei aber auch eine Teilung der Fläche. Die erste Variante findet er fast schon sympathischer, denn das Unternehmen musste in der Vergangenheit oft umziehen, weil die vorhandenen Hallen zu klein und eine Vergrößerung an dem jeweiligen Standort nicht möglich gewesen sei.

Bereits im vergangenen Jahr entschieden sich die Mönchengladbacher für eine Firma, die die Halle errichten soll. Die Planungen seien so weit abgeschlossen, sagt Heesen. Ein paar finale Anpassungen müsse es noch geben, wenn der genaue Standort klar ist. Da die Baukosten derzeit stark steigen und Rohstoffe knapp sind, will sich Ralf Heesen nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, wann der Betrieb in der neuen Halle starten könnte.

Eigentlich sollte die Halle bereits fertig sein - an einem anderen Standort. Die hedue GmbH plante einen Neubau am Niederrhein in der Nähe des derzeitigen Standorts. In Viersen, einer Nachbargemeinde von Mönchengladbach, hatte sich der Hersteller von Messwerkzeugen für das Bauhandwerk schon ein Gewerbegrundstück reserviert.

Auf Leitungsebene sei dann überlegt worden, wenn es einen Neubau geben soll, diesen an der polnischen Grenze zu errichten. Mit dem Gedanken konnte er sich sehr schnell anfreunden, sagt Ralf Heesen. Denn es gebe dadurch in mehrerer Hinsicht Vorteile - so beispielsweise die Nähe zum polnischen Markt, auf dem der Geschäftsführer auch Absatzchancen sieht. Zum anderen könnte auch Personal von jenseits der Grenze geholt werden. Und das Logistikzentrum würde näher am eigenen Produktionsstandort im rumänischen Sibiu liegen. In einer Situation, in der Logistik immer teurer wird, sei es von Vorteil, die Entfernung zwischen beiden Standorten zu verringern, findet Ralf Heesen.

Vor etwa 20 Jahren verlagerte die 1983 gegründete Firma ihre komplette Produktion nach Rumänien. In den vergangenen Jahren wurden in kleinen Schritten Teile davon zurück nach Deutschland geholt. Der Geschäftsführer kann sich im Zuge künftigen Wachstums vorstellen, weitere Produktionsschritte in Deutschland anzusiedeln.

Mönchengladbach ist kein reiner Logistikstandort, wie Heesen erklärt. So ist hier auch der Servicebereich angesiedelt. Die Firma hat für ihre elektronischen Messwerkzeuge ein europaweites Rückholprogramm, das heißt, dass Kunden die Geräte bei Bedarf zum Service anmelden können und sie dann bei ihnen abgeholt werden. Dieser Servicebereich soll ebenfalls mit an den neuen Standort umziehen. Das bedeutet, dass auch in Zittau kein reines Logistikzentrum entsteht.

Am Hauptsitz Mönchengladbach gibt es momentan zwei Standorte, die das Resultat einer Expansion sind. Zuerst befanden sich Verwaltung und Lager an einem Ort. Als sich die hedue GmbH vergrößern wollte, ging das nur an einem anderen Standort, dort wo heute das Lager zu finden sei. Der Verwaltungsstandort wurde im Januar aufgegeben und die Immobilien verkauft, berichtet Heesen. Mit dem Neubau an der Neiße soll der Standort Mönchengladbach komplett aufgegeben werden, kündigt der Firmenchef an.

 

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