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Firma Böwe schließt in Waldheim

Landkreis Mittelsachsen 04.10.2019
Die Mitarbeiter sollen bis nach Thüringen zur Arbeit fahren. Das wären jeden Tag 250 Kilometer.

Für die rund 20 Mitarbeiter der Firma Böwe Elektrik kam die Nachricht am Freitagvormittag vergangener Woche völlig überraschend. Bei einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung wurde ihnen mitgeteilt, dass sie ab dem darauffolgenden Montag in das Hauptwerk in Kraftsdorf arbeiten kommen sollen. Geschäftsführer und Werkleiter hätten gesagt, dass die Zweigstelle an der Waldheimer Industriestraße nicht mehr rentabel zu betreiben sei, erzählten Mitarbeiter dem Döbelner Anzeiger.

Das sei den Beschäftigten dann auch schriftlich vorgelegt worden. In dem Schriftstück habe gestanden, dass die Belegschaft des Waldheimer Standortes ab 30. September im Stammsitz in Thüringen eingesetzt wird. Die Geschäftsleitung war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

Die Mitarbeiter finden die Umsetzung in das Stammwerk unzumutbar. Der Hauptsitz befindet sich rund 125 Kilometer von Waldheim entfernt in der Nähe des Hermsdorfer Kreuzes bei Gera. Mit dem Auto ergibt sich laut Google Maps eine Fahrzeit von rund eineinhalb Stunden.

Wie die Männer und Frauen den weiten Arbeitsweg täglich bewältigen sollen, habe die Geschäftsleitung offengelassen, hieß es. Es sei gesagt worden, dass ja schließlich auch Züge fahren. Die erste Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln startet am Waldheimer Bahnhof um 4.23 Uhr. Von dort geht es mit dem Bus zunächst nach Leisnig. Nach dreimaligen Umsteigen in die Regionalbahn und die Erfurtbahn sind Zugfahrer nach mehr als drei Stunden um 7.36 Uhr am Zielort in Kraftsdorf.

Zuletzt wurden in Waldheim vor allem Kabelbäume für Erntemaschinen gefertigt. Anzeichen, dass es mit der Produktion nicht mehr ganz rund läuft, habe es bereits seit einiger Zeit gegeben, erzählten Mitarbeiter. Immer mehr Aufträge seien dem Waldheimer Werk entzogen worden und an das Stammhaus in Kraftsdorf oder nach Polen gegangen. Dort befindet sich eine Tochter-Gesellschaft der Firma Böwe. Trotz der unguten Vorahnungen, die die Mitarbeiter bereits hatten, sehen sie sich nun vor vollendete Tatsachen gestellt. Derzeit würden nur noch zwei Mitarbeiter in Waldheim Restaufträge abarbeiten.

Nach Informationen auf der Internetseite des Unternehmens stellt die Firma Böwe Elektrik Kabel und komplette Kabelanlagen für Großkunden her. Das mittelständische Unternehmen beschäftigt insgesamt mehr als 200 Mitarbeiter. Seit knapp 30 Jahren sei es als Partner unter anderem in der Automobilbranche tätig.

Laut dem im Bundesanzeiger im Februar 2019 veröffentlichen Jahresbericht aus dem Geschäftsjahr 2017 hat sich das Gesamtunternehmen nicht zufriedenstellend entwickelt. Zwar sei das Ziel hinsichtlich des Umsatzes erreicht worden. Das Betriebsergebnis blieb demgegenüber unter den Erwartungen, heißt es dort. Die Firma war ins Minus gerutscht. Als Ursache werden höhere Aufwendungen für Material und Personal angegeben. Für das Jahr 2018 liegen im Bundesanzeiger noch keine Zahlen von Böwe vor.

Von 1994 an firmierte der Betrieb in Waldheim unter dem Namen KIM Kabel-Industrie-Montagen am gleichen Standort. „Wir haben damals eine Ruine vor dem Verfall gerettet“, sagte der frühere Geschäftsführer Dr. Wolfgang Vogel auf Anfrage des Döbelner Anzeigers. Im Jahr 2010 musste er Insolvenz anmelden. Nur drei Wochen nach Abschluss des Insolvenzverfahrens wurde der Betrieb an das Thüringer Unternehmen Böwe verkauft.

Das um die Jahrhundertwende erbaute Backstein-Gebäude beherbergte zuerst eine Spielzeugfabrik, später wurden dort die bekannten BOB-Bausteine hergestellt. Zu DDR-Zeiten produzierte der VEB Elektrowärme in dem Haus Elemente für die Hausgerätetechnik.

 

Von Elke Braun

Foto: © Dietmar Thomas
 

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