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Fischereibetrieb kämpft gegen Krankheit

Landkreis Meißen 12.02.2020
Das Unternehmen ist vom Koi-Herpes-Virus betroffen – und damit nicht allein in Sachsen.

In einem Fischereibetrieb der Region ist das Koi-Herpes-Virus festgestellt worden. Das Landratsamt Meißen bestätigte jetzt Informationen, wonach in einem Unternehmen in der Röderaue eine Erkrankung von Karpfen festgestellt wurde. Der Betrieb selbst wollte sich dazu nicht äußern. Hier ein Überblick zu wichtigen Fragen:

Was ist das Koi-Herpes-Virus?

Die Koi-Herpesvirus-Infektion (KHV) ist eine bedeutende, sehr verlustreiche Erkrankung, von der Nutzkarpfen und Zierkarpfen (Kois) betroffen sind, erklärt Amtstierarzt Dr. Sven Biereder vom Meißner Landratsamt. In der Folge treten "massive Schleimhautablösungen, Hautentzündungen, Blutungen an den Flossenbasen, Flossenablösungen und Verfärbungen" bei den Tieren auf, informiert das Land Niedersachsen. "Die Fische sterben unmittelbar nach Auftreten erster Krankheitsanzeichen." Eine Anzeigepflicht besteht seit 2005. In Abhängigkeit von Wassertemperatur und Eigenschaft des Erregers können  zwischen 10 bis 100 Prozent der betroffenen Tiere sterben. Auch andere Fischarten (u. a. Goldfische, Schleien und Graskarpfen) können Überträger des Virus sein, ohne jedoch selbst zu erkranken.

Wie wurden die Tiere infiziert?

Die Übertragung erfolgt laut Amtstierarzt Biereder von Fisch zu Fisch, über das Wasser, über Gerätschaften und Behältnisse. Aber auch passiv über Wasservögel und andere Tiere. Ein Problem sei das Aussetzen von Zierkarpfen aus Hobbyhaltungen in Teiche von Wirtschaftsbetrieben. "Im konkreten Fall ist der Eintrag des Virus nicht genau nachvollziehbar."

Wann wurde die Krankheit festgestellt?

Die Seuche sei im letzten Herbst bei  einer regelmäßig durchgeführten Kontrolluntersuchung nachgewiesen worden. 

Wie viele Tiere sind betroffen?

Die genaue Anzahl kann laut dem Meißner Amtsveterinär nicht angegeben werden. "Da es sich um einen Zuchtbetrieb handelt und somit auch sehr viele Jungfische betroffen sind, geht die Zahl schnell in die Hunderttausende." Wichtiger sei die betroffene Teichfläche. Im konkreten Fall sei gut die Hälfte der Teichflächen betroffen.

Geht von der Tierkrankheit eine Gefahr für Menschen aus?

Das Virus ist laut Landratsamt streng wirtsspezifisch. "Noch nicht einmal andere Fischarten werden krank. Insofern: absolute Entwarnung, keine Gefahr für die menschliche Gesundheit", so Amtstierarzt Biereder. 

Welche Maßnahmen muss der Fischereibetrieb ergreifen?

Laut dem Meißner Landratsamt hat der betroffene Betrieb  aus der Röderaue  "weitreichende Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet". Demnach dürfen Fische nicht verbracht werden.  Die Bekämpfungsmaßnahmen würden durch das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt verfügt und die Umsetzung amtlich kontrolliert. "Die betroffenen Teiche sind abgelassen und beräumt." Eine Heilung gibt es für das Koi-Herpes-Virus laut Experten derzeit nicht.

Wie lange wird es dauern, bis das Problem behoben ist?

Wenn in den verbliebenen und den dann wieder befüllten Teichen im Frühjahr kein Virus nachgewiesen werde, können laut dem Landratsamt die Schutzmaßnahmen "im günstigsten Fall in diesem Jahr wieder aufgehoben werden."

Wie groß ist die Gefahr, dass sich ein solches Vorkommnis in dem Betrieb wiederholt?

Das Virus könne "jederzeit und überall in jeder Karpfenhaltung, die nicht in geschlossenen Räumen stattfindet, wieder auftauchen", heißt es aus dem Landratsamt.

Gibt es für von solchen Vorkommnissen betroffene Teichwirte eine finanzielle Unterstützung durch den Staat?  

Laut Landratsamt ist das per se nicht der Fall. "Der betroffenen Betrieb kann bei der Sächsischen Tierseuchenkasse einen Antrag auf Beihilfe bei Tierverlusten in Form eines Härtefallantrages stellen." Falls dem Antrag stattgegeben werde, sei eine anteilige Entschädigung möglich.

Hat es in den vergangenen Jahren in Sachsen weitere Infektionen in der Region gegeben?

Nach Angaben des Landratsamts ist die Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen weit verbreitet. Auch im Landkreis Meißen gebe es immer wieder Fälle, wobei meistens Koi-Hobbyhaltungen betroffen seien. Die Anzeigepflicht sei dieselbe wie bei Speisefischen. Im Freistaat Sachsen seien derzeit 36 Fischhaltungen von der Seuche und den damit verbundenen Sperrmaßnahmen betroffen. (WiS)

 

Foto: © dpa

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