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Flugzeugzulieferer ist in sächsischer Hand

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 09.09.2019
Die Wilsdruffer PMG hat neue Eigentümer – und hofft auf einen Großauftrag.

Es gleicht schon einem Wunder, was der Geschäftsführung der Wilsdruffer Metallbearbeitungsfirma PMG gelungen ist. Sie konnte fünf junge Männer einstellen, die Zerspanungsmechaniker werden wollen. Gegenwärtig ist das schon etwas Besonderes. Das findet auch Geschäftsführer und Mitinhaber Torsten Freudenberg. Es habe sich gelohnt, an Ausbildungsmessen teilzunehmen, in sozialen Netzwerken und mit Annoncen zu werben. Die Wege, wie die jungen Leute in die Firma gefunden haben, sind dabei ganz unterschiedlich.

Der Freitaler Anthony Kinzel, 16 Jahre, bewarb sich nach einer Empfehlung seines Großvaters in der Firma. Der gleichalte Tim Weck aus Klingenberg kam über sein Interesse am Flugzeugbau auf die Firma, die im Wilsdruffer Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe tätig ist. Den beiden jungen Männern gefällt es gut, obwohl sie zunächst nur in den Grundlagen ausgebildet werden: feilen, bohren, messen und fräsen.

Freudenberg und Ausbildungschef Maik Roßberger hoffen, dass die jungen Männer ihre Lehre gut abschließen und dann in der Firma bleiben. Denn PMG sucht händeringend nach guten Fachleuten. Der Druck könnte größer werden. Denn die Firma, die im Gewebegebiet Hühndorfer Höhe tätig ist, hofft auf einen lukrativen Auftrag, sagt David Riedrich, der ebenfalls als Geschäftsführer tätig ist. Ein langjähriger Partner plant den Bau eines neues Flugzeugs. Die PMG rechnet sich gute Chancen aus, als Zulieferer tätig zu werden. Ob es dazu kommt, werde sich bis zum Ende des Jahres entscheiden, so Riedrich. Vorsorglich treibt die Firma deshalb auch die räumliche Erweiterung ihrer Betriebsstätte voran. Sollte man den Zuschlag bekommen, werde man innerhalb der nächsten drei Jahre einen 1 500 Quadratmeter großen Anbau errichtet. Gegenwärtig arbeitet man auf 3 000 Quadratmetern.

Die Ausbaupläne würden sich jetzt leichter verwirklichen lassen als vor ein paar Jahren, sagt Riedrich. Denn ihm, Freudenberg und dem Prokuristen Michael Bryks – alle drei wohnen in Sachsen, ist es gelungen, das Unternehmen komplett zu übernehmen. Damit eröffneten sie ein neues Kapitel in der über 20-jährigen Geschichte der Firma. Diese wurde 1997 in Bayern gegründet. 2002 zog die Firma ins Gewerbegebiet nach Wilsdruff und hatte große Pläne. Doch die zerschlugen sich. 2010 kam das Unternehmen in Schwierigkeiten, musste Insolvenz anmelden.

Freudenberg und andere Investoren stiegen kurz danach ein und machten die Firma wieder fit. 2017 stieg David Riedrich ein und wurde so wie Torsten Freudenberg Geschäftsführer. 2018 ließ der bisherige Hauptgesellschafter, die Mönchengladbacher HWN Titan durchblicken, dass sie ihre Anteile verkaufen wolle und auch schon einen Interessenten habe. Freudenberg, Riedrich und Bryks wurden sich einig, tätig zu werden. Sie bewarben sich ebenfalls um die Anteile. Letztlich wurden sich die drei mit der HWN einig. Im März kaufen sie rückwirkend zum 1. Januar 2019 die Firma.

Die Einstellung zum Unternehmen hat sich dadurch geändert, sagt David Riedrich. Zwar sei er diesem schon sehr verbunden gewesen. Jetzt, wo man Mitbesitzer ist, sei es doch noch mal anders. „Jetzt bin ich mit ganzem Herzblut dabei“, sagt er. Auch Freudenberg genießt die neue Freiheit. „Ich bin gern mein eigener Chef“, sagt der gebürtige Solinger, der sich seit seinem Umzug nach Sachsen hier sehr wohl fühlt. Dass er sich auch künftig mit seinen Geschäftspartnern abstimmen muss, störe ihn nicht, versichert er. Zum einen trage er so nicht die ganze Verantwortung wie er es als Einzelkämpfer tun müsste, zum anderen finde man im Team eventuell bessere Lösungen. Bisher klappe die Zusammenarbeit sehr gut. Und das soll so bleiben.

Das Ziel der Firma ist es, weiter zu wachsen. In diesem Jahr will sie einen Umsatz von sieben Millionen Euro erwirtschaften – etwas mehr als 2018. Die Zahl der Mitarbeiter soll in den nächsten fünf Jahren von jetzt 74 auf rund 100 steigen, sagt Freudenberg. Damit einher geht der Kauf neuer Technik. 2018 legte sich PGM ein neues Fräs- und Drehzentrum, eine neue Krananlage und ein neues Energieversorgungssystem zu, in diesem Jahr ist ein weiteres modernes Fräszentrum dazugekommen. Die mehr als 500.000 Euro teure Anlage kann auf fünf Achsen arbeiten und hat 100 Werkzeugplätze.

 

Von Maik Brückner  

Foto: © Andreas Weihs

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