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Freital: Immer neue Pasta-Kreationen – Corona zum Trotz

11.06.2021
Helga Queck bietet in ihrer Manufaktur 40 Nudelsorten. Jetzt hofft sie wieder auf Märkte und Workshops. Doch die Frau hat noch ganz andere Ambitionen.

Von Gabriele Fleischer

Es ist Nachmittag und die Nudelmaschine hat Pause. Dann öffnet Helga Queck den Laden der kleinen Manufaktur Pasta Saxonia an der Dresdner Straße in Freital und kümmert sich um die Kunden. Da sie Lebensmittel anbietet, konnte sie das auch während der Corona-Pandemie, anders als etwa andere Geschäfte im Einzelhandel.

Die Discounter verzeichneten eine ordentliche Umsatzsteigerung. Allerdings seien bei ihr nicht mehr Kunden gekommen, sagt Queck, die aus ihrer Liebe zu Kreativem und Pasta vor zehn Jahren mit einem Partner ein Geschäftsmodell entwickelt hat - damals noch in Pirna mit sechs verschiedenen Sorten.

Jetzt in Freital hat sie mehr als 40 im Angebot, gedreht, als Muscheln oder Spiralen, lange, kurze, dünne, dicke, verpackt zu 200 oder 500 Gramm und lose. Seit vergangenem Jahr finden sich der „Pilztraum“ mit Mischpilzen und BBQ-Nudeln mit in den Verkaufsregalen. Damit nicht genug. Die studierte Betriebswirtin, die einige Jahre in Pirna auch ein Restaurant betrieben hat, kündigt weitere Neuentwicklungen an.

Umsatz auf Märkten ist weggebrochen

„Wir sind mit unseren nach italienischer Tradition handwerklich hergestellten Nudeln ein Spezialitätengeschäft“, sagt die Geschäftsfrau. Deshalb kamen in den letzten Monaten trotz Homeoffice nicht mehr Kunden zu ihr in den Laden. „Wer täglich kochen muss, geht in den Supermarkt. Die Suche nach etwas Besonderem stand bei vielen in den vergangenen Monaten nicht im Vordergrund“, sagt Queck. Touristen, die sonst immer mal reingeschaut hätten, fehlten.Schmerzen würden aber vor allem die wegen der Pandemie weggefallenen Märkte und Workshops, von denen Helga Queck sogar speziell ein Angebot für Kinder entwickelt hat. 25 bis 30 Prozent an Umsatz hat sie so im vergangenen Jahr eingebüßt. Dieses Jahr ließ sich nicht besser an. Also wurden die Internetseite umgestaltet, der Onlinehandel ausgebaut und Geschenkideen weiterentwickelt, auch auf Kundenwunsch. Ob Gärtner, Opa, Oma, Koch, Schweinchen oder Hasen, aufgeben musste Helga Queck bei den Gestaltungswünschen noch nie.

Griffbereit liegen deshalb neben Hartweizengrieß aus Italien, Gewürzen aus Thüringen, Dinkel und Dinkelvollkornmehl aus Sachsen Bastelutensilien bereit - für Ohren, Nasen, Münder, Haare, Mützen und Kleidung. Ihre Puppen und Sträuße voller Nudeln gibt es auch in Konsum-Filialen und in Bio-Märkten. Die Hälfte ihrer Produkte ist Bio-zertifiziert.

Damit ist Quecks Manufaktur die einzige in Sachsen, die so etwas anbietet. Noch etwas ist besonders: Ihre Nudeln stellt sie ohne Eier her. So sind die meisten – Helga Queck spricht von 98 Prozent – für Veganer geeignet. Egal ob vegan oder traditionell, ihre zwei Enkelinnen schwören auf Oma Helgas Nudeln und mögen keine anderen mehr.

In der Nudelmanufaktur kommen neben den Grundzutaten Grieß und Wasser noch viele andere Dinge dazu, je nach Geschmacksrichtung, ob nun Rote Bete, Spinat, Knoblauch oder Pilze.
In der Nudelmanufaktur kommen neben den Grundzutaten Grieß und Wasser noch viele andere Dinge dazu, je nach Geschmacksrichtung, ob nun Rote Bete, Spinat, Knoblauch oder Pilze. © Egbert Kamprath

Warten auf die italienische Mama

Nun hofft die Manufakturchefin, dass es bald wieder Veranstaltungen gibt, auf denen sie Produkte anbieten und ihre Kunst der Nudelherstellung anderen vermitteln kann. Eigens dafür hat sie sich eine transportable Nudelmaschine angeschafft. Die erste Anfrage kam jetzt für Juli von den Veranstaltern eines Frischemarktes mit regionalen Produkten aus Glauchau. Nach Absagen zu Ostern und im Juli wird es im September hoffentlich wieder das Herbstfest im Weidegut Colmnitz am Tharandter Wald geben.

Doch was ist aus ihrem Traum geworden, den sie vor ein paar Jahren hatte? Der wartet noch auf Erfüllung: Sie möchte gemeinsam mit einer italienischen Mama Pasta herstellen. Wegen Corona musste sie das auf ihrer Erledigungsliste nach hinten schieben.

Jetzt bereitet sie sich gerade auf die nächst Bio-Zertifizierung vor. Der Vertreter eines speziell dafür zugelassenen Unternehmens hat sich angekündigt. „Dem muss ich genau Auskunft geben, wie viel ich von welcher Zutat nehme“, sagt Helga Queck und vertieft sich in Zahlen. Aber das muss sein, denn viele ihrer Kunden schwören auf die Bio-Nudeln.

Als Einzelkämpferin in den Bundestag

Am nächsten Morgen wirft sie wieder die Nudelmaschine an, schneidet Nudeln, füllt ab und gestaltet. Auch wenn ihr Tag schon jetzt meist 13, 14 Stunden hat, verfolgt Helga Queck seit Kurzem noch einen neuen Traum. Sie möchte als Einzelkämpferin zur Bundestagswahl gegen die etablierten Parteien antreten. Dafür sammelt sie gerade Unterstützungsunterschriften. Etwas für kleine Wirtschaftsunternehmen tun, mehr Freiheiten schaffen. Das wären zwei ihrer Ziele. Damit will sie sich auch ein wenig selbst helfen. Ob es ihr gelingt, weiß sie noch nicht, aber sie hat ja ihre Nudeln und genug zu tun für die nächsten Jahre.

Geöffnet ist Pasta Saxonia, Dresdner Straße 289 in Freital, Montag bis Donnerstag, 13 bis 18 Uhr, Freitag, 9 bis 13 Uhr und Sonnabend nach Vereinbarung.

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