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Gastronomie: Kommt die Pleitewelle?

08.07.2020
Einige Dresdner Restaurants sind noch geschlossen, ein Hotel bleibt ganz zu. Wie es dort weitergeht und was die Branche fordert.

Von Nora Domschke & Julia Vollmer 

Dresden. Seit Mitte Mai dürfen in Dresden die Restaurants wieder öffnen. Wochenlang war alles geschlossen wegen der Corona-Pandemie – und längst nicht alle Wirte haben ihre Läden wieder aufgemacht.Auch im Italienischen Dörfchen am Theaterplatz ist noch kein Betrieb. „Es würde sich aktuell einfach wirtschaftlich nicht lohnen“, so Betreiber Maik Kosiol. Er dürfte wegen Corona weniger Plätze mit Gästen besetzen, außerdem seien noch nicht ausreichend Touristen in der Stadt. Und auch sonst sind die Bedingungen schwierig. „Wir sind ein Gasthaus für alle Dresdner, doch viele gehen einfach noch nicht wieder essen.“ Außerdem würden durch die Baustelle direkt vor seinem Haus ohnehin weniger Gäste kommen, das war auch vor Corona schon so. Nun plant das Ehepaar Kosiol die schrittweise Wiedereröffnung des Italienischen Dörfchens. Am 5. August soll es mit dem Milchmädchen-Kaffeehaus losgehen.

Ebenfalls noch geschlossen ist das Schießhaus in der Nähe vom Dresdner Zwinger. Auch Wirtin Ute Stöhr sagt, dass sich eine Öffnung wirtschaftlich für sie derzeit nicht lohnen würde. „Aber wir nutzen die Zeit für Sanierungsarbeiten und sind ab dem 25. August wieder da.“ Jetzt bekommen sowohl der Gastraum als auch Küche und Biergarten einen frischen Anstrich. Die Speisekarte aber bleibt gleich. „Auch wir Betreiber und das Personal bleiben bestehen“, so Stöhr.

Nach Corona gar nicht wieder geöffnet hat das Schwarzmarkt-Café auf der Hauptstraße. Bekannt war es vor allem für sein Frühstück, aber auch als Treffpunkt für Dresdner wie auch Politiker. „Es ist für uns an der Zeit, ‚auf Wiedersehen‘ zu sagen. Wir müssen leider mitteilen, dass unser geliebtes Schwarzmarkt-Café weiterhin geschlossen bleibt und am gewohnten Ort nicht mehr öffnen wird“. 

Das Café auf der Hauptstraße gehörte wie das Café Toscana zur Bäcker-Kette Eisold. Sie hatte mit ihrer Insolvenz 2019 für Aufregung gesorgt.„Wir haben uns entschieden, das Schwarzmarkt-Café nicht wieder zu öffnen, sondern einen neuen Standort zu suchen“, sagt Christian Heintze, Insolvenzverwalter bei Eisold und damit auch zuständig für das Neustädter Kultcafé. Es habe Gespräche mit dem aktuellen Vermieter gegeben, doch ohne Übereinkunft. Der Mietvertrag sei befristet gewesen. „Nun suchen wir und wollen gerne in der Neustadt bleiben“, so Heintze. Die Corona-Krise hatte die Bäckerkette hart getroffen. „Der Umsatz ist um ein Drittel zurückgegangen“, so Heintze. Zu dem Unternehmen gehören neben den Cafés auch 17 Bäckerfilialen in Sachsen.

Hotels warten weiter auf Gäste

Aufgrund der Corona-Krise und fehlender Einnahmen kämpft auch die Hotel-Branche derzeit ums Überleben. Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Beispiel aus dem Dresdner Osten: Dort hat eine Traditionsunterkunft den Kampf bereits verloren. „Wir mussten aufgrund des Coronavirus das Hotel Smetana nach 26 Jahren schließen und werden leider nicht mehr öffnen“, war Ende Mai auf der Internetseite des Hotels zu lesen. Inzwischen ist die Seite abgeschaltet. Das Vier-Sterne-Haus an der Schlüterstraße in Gruna wurde seit seiner Eröffnung 1994 privat von einer Pragerin geführt – nun bedeutet die Corona-Pandemie das Aus für Familie Naderi.

Das müssen die Mitarbeiter des innerstädtischen Penck-Hotels an der Ostra-Allee nicht befürchten, sagt Ronald Schuster, Director of Sales. Seit dem 25. Mai ist das Haus nach zweimonatiger Schließung wieder geöffnet. Die Auslastung liegt derzeit bei 35 Prozent. „Normal wären im Juli 75 bis 80 Prozent“, so Schuster. Mittlerweile fänden in den drei großen Tagungsräumen – ein Hauptgeschäft im Penck-Hotel – zumindest wieder kleinere Schulungen statt, auch über das Buffet, das nun wieder mit bestimmten Regeln angeboten werden kann, freuten sich die Gäste.

Auch hier war man während der Schließzeit nicht untätig: Die Berliner Eigentümerfamilie Gaedecke investierte nicht nur ins Gebäude, etwa in eine neue Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie in neue Klimatechnik. Allen Angestellten wurde auch das Gehalt wieder aufgestockt. „Das ist nicht selbstverständlich“, betont Hoteldirektor Antoni Knobloch. „Unser Eigentümer hat so aber gezeigt, dass er an die Zukunft des Hotels, des Standortes Dresden und an seine Mitarbeiter glaubt.“ Axel Klein, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen und Regionalbereichsleiter für Dresden, sind derzeit bis auf Ausnahmen wie das Hotel Smetana keine Insolvenzen in der Dresdner Branche bekannt. Aber Klein warnt: Das wahre Ausmaß der Krise werde sich erst im Herbst zeigen.

Insolvenzen: "Ausmaß erst im Herbst sichtbar"

Axel Klein, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen und Regionalbereichsleiter für Dresden, sind derzeit bis auf Ausnahmen wie das Hotel Smetana keine Insolvenzen in der Dresdner Branche bekannt. Aber Klein warnt: Das wahre Ausmaß der Krise werde sich erst im Herbst zeigen.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern, hat der Bundestag Ende März das Insolvenzrecht geändert. Demnach wird die Insolvenzantragspflicht mindestens bis Ende September ausgesetzt. „Erst nach dieser Frist werden wir Zahlen dazu haben“, sagt Axel Klein. Bis dahin werde man sehen, was die Konjunkturhilfen von Bund und Land den Gastronomen und Hoteliers in Sachsen gebracht haben. Vieles sei noch unsicher, was diese Hilfen betrifft. „Wir kennen derzeit nur die Gesamthöhe der Hilfen. Was bei den einzelnen Unternehmen ankommt, ist aber unsicher“, so Klein. 

Und die Situation könnte sich durchaus verschlimmern, meint der Dehoga-Chef. Denn Dresdner Hotels und Gaststätten sind auch auf die zahlreichen Großveranstaltungen in der Stadt angewiesen. Sachsen stellt zwar in Aussicht, dass Events mit mehr als 1.000 Besuchern ab 1. September wieder erlaubt sind. Doch schon jetzt signalisieren Veranstalter, dass es schwierig sein könnte, die geforderten Auflagen umzusetzen. Das betrifft etwa das Stadtfest und das Elbhangfest – Veranstaltungen, die viele Gäste nach Dresden locken. „Wenn es für die Großveranstaltungen in diesem Sommer keine Lösung gibt, wird es auch in der Hotelbranche und Gastronomie viele Insolvenzen geben“, glaubt Klein.

Ein weiteres wichtiges Thema seien die Weihnachtsmärkte. „Normalerweise sind die Hotels für die Weihnachtszeit schon gut gebucht, jetzt sieht es da noch ziemlich mau aus.“ Kleins Verband fordert nun, dass die Märkte verlängert werden.

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