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Gehaltsatlas Dresden: Für welche Jobs es wie viel Geld gibt

09.08.2022
Lehrer, Kellner, Krankenpfleger: Der neue Entgeltatlas der Arbeitsagentur zeigt, in welchen Berufen man in Dresden vergleichsweise gut verdient und in welchen weniger gut. 30 Jobs, 30 Gehälter.

Von Sandro Rahrisch

Dresden. Die gute Nachricht zuerst: In Dresden steigen die Löhne und Gehälter in nahezu allen Berufen. Das geht aus dem neuen Entgeltatlas der Arbeitsagentur hervor - eine Auswertung von Daten vollzeitbeschäftigter Menschen in der Landeshauptstadt, die zeigt, wer wie viel Geld 2021 verdient hat. Sächsische.de hat 30 Berufe miteinander verglichen. Zwischen dem best- und schlechtbezahltesten Job liegen mehr als 4.500 Euro - das ist die Kehrseite des Rankings. Die Zahlen im Detail.

Das Ranking wird - wie schon 2020 - von Geschäftsführern und Vorständen angeführt. Ihr mittleres Bruttoentgelt liegt bei 6.392 Euro im Monat. Mittleres Bruttoentgelt heißt, dass die Hälfte von ihnen mehr Geld bekommt, die andere Hälfte weniger. Und das vor Steuerabzug.

Auf Platz zwei und drei folgen Ärzte und Gymnasiallehrer mit 6.158 Euro bzw. 5.967 Euro im Monat. Bei Ärzten unterscheidet die Arbeitsagentur nicht nach Fachrichtung und wo sie tätig sind - in einem Krankenhaus, einer Forschungseinrichtung oder einer Praxis. Grundschul-, Oberschul- und Förderschullehrer zählen zu den Jobs, zu denen es in Dresden zu wenige Daten gibt, um für sie ein mittleres Entgelt zu berechnen.

Auf der anderen Seite des Rankings befinden sich Restaurantfachkräfte, also Kellner, sowie Reinigungshilfskräfte. In beiden Berufen liegt das mittlere monatliche Entgelt bei unter 2.000 Euro. Nur knapp darüber schaffen es die Dresdner Köche.

Die vorgenommene Auswahl umfasst Tausende Dresdner Beschäftigte - Gymnasiallehrer, Erzieher, Kranken- und Altenpfleger, Kfz-Mechaniker, Busfahrer, Sekretäre, Reinigungskräfte und Ärzte. Zwar gibt es deutlich mehr als 30 Berufe in der Stadt, doch nicht für alle liegen der Arbeitsagentur genügend Daten vor. Somit fehlen im Ranking zum Beispiel einige Handwerksberufe wie Fliesenleger, Maurer und Trockenbauer, aber auch Taxifahrer und Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten sind nicht dabei.

Wo hat es die größten Gehaltssteigerungen gegeben?

Die größten Sprünge hat es innerhalb eines Jahres bei den Lager- und Transportarbeitern (plus 14 Prozent), den Altenpflegern (plus 8 Prozent) und den Fluggerätemechanikern (plus 6 Prozent) gegeben.

Am wenigsten passierte 2021 bei den Gymnasiallehrern (plus 1 Prozent) sowie den Verwaltungsangestellten in der Dresdner Kommunalverwaltung, den Postboten und Ärzten (jeweils plus 2 Prozent).

Für eine Reihe von Berufen lagen im 2020er-Ranking nicht genügend Daten für die Entgelt-Ermittlung vor, sodass ein Vergleich zu den neuen Zahlen nicht möglich ist.

Verdienen Pflegekräfte jetzt wirklich so viel mehr?

Mit einem Lohnsprung von knapp acht Prozent hat es bei den Altenpflegern mit die größten positiven Veränderungen gegeben. Lockt die Branche, die ebenfalls über Personalknappheit klagt, tatsächlich mit einer guten Bezahlung?

"Die Gehaltsentwicklung in Pflegeberufen liegt tatsächlich über dem Durchschnitt anderer Berufe", sagt Michael Junge, Vorsitzender des Pflegerates Sachsen und Pflegedirektor des Dresdner Diakonissenkrankenhauses. "Die durchschnittlich höhere Vergütung sei ein wichtiges Signal an beruflich Pflegende, dass ihre professionelle Leistung auch finanzielle Anerkennung finde." Allerdings, und das macht die Lage nicht besser: Zu mehr Mitarbeitern habe die bessere Bezahlung bislang nicht geführt. "Dafür sind weitere grundlegende Veränderungen notwendig", so Junge.

In den Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften und Krankenhäusern geht es derzeit vor allem um die Arbeitsbedingungen, etwa höhere Personalschlüssel, um Arbeitsüberlastungen zu verhindern.

Warum hat sich trotz Personalmangel in der Gastronomie so wenig getan?

Die Gastronomie gehört zu den Branchen, in denen der Personalmangel besonders zu spüren ist. Insbesondere in der Corona-Pandemie haben zahlreiche Mitarbeiter ihren Kellner- und Koch-Job an den Nagel gehängt. Zwar zeigt der Entgeltatlas für 2021 eine Lohn- und Gehaltssteigerung um 4,8 Prozent für Köche sowie Restaurantfachkräfte. Mit einem mittleren Bruttolohn von 1.816 Euro (Restaurantfachleute) bzw. 2.011 Euro (Köche) könnte der finanzielle Anreiz für viele angehende Azubis aber zu gering sein, um sich für eine Laufbahn in der Gastronomie zu entscheiden.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnt davor, die Zahlen der Arbeitsagentur zu genau zu nehmen. So spiegelten die Zahlen von 2021 nicht die Situation von heute wider, sagt Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Sachsen. Im April sei bereits eine Lohnanpassung um acht Prozent erfolgt, die nächste folge in gleicher Höhe im Oktober. Nächstes Jahr sei eine weitere Erhöhung vorgesehen. Nach zwei Jahren seien die Löhne dann um 25 bis 30 Prozent gestiegen, je nach Qualifikation. Auch Azubis bekommen mehr Geld. Zum anderen berücksichtige der Entgeltatlas nicht die Trinkgelder, so Klein weiter.

Insgesamt blickt Klein optimistisch in Zukunft. So habe sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt stabilisiert, die Corona-Delle sei überwunden.

Wo werden in Dresden gerade besonders viele Fachkräfte gesucht?

Die Arbeitskräftenachfrage ist im Juli erneut gesunken, teilt die Dresdner Arbeitsagentur mit. "Das ist eine durchaus typische Entwicklung in den Sommermonaten, da Unternehmen ihre Personalplanungen erfahrungsgemäß auf die Zeit nach den großen Ferien verschieben." Bei einem Bestand von mehr als 6.000 freien Stellen gebe es jedoch eine große Auswahl, die in nahezu jedem Bereich den beruflichen Neu- oder Wiedereinstieg ermögliche.

Die meisten freien Stellen in Dresden hat es im Juli bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen gegeben. Dort waren 251 Stellen zu besetzen. Aus der Zeitarbeit wurden 2021 offene Stellen gemeldet, aus der öffentlichen Verwaltung 156 und aus dem Gesundheits- und Sozialwesen 115. Vergleichsweise wenig Auswahl gab es im Handel, dort waren 86 Stellen frei.

 

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