jfvh7p8g5n67w66p566m4y9hu3se6xjk.jpg

Geschäfte in der Innenstadt schließen

10.09.2020
Der Einkaufsmarkt Nahkauf Hütter in der Breiten Straße in Pirna macht zu. Auch ein Nachbarladen gibt auf.

Von Mareike Huisinga

Eine Legende schließt. Der beliebte Einkaufsmarkt Nahkauf Hütter in der Breiten Straße in der Pirnaer Innenstadt macht zum 15. September zu. Das teilt Geschäftsführerin Margret Hütter auf Nachfrage von Sächsische.de mit. 

Jahrelang hatte das Geschäft schwarze Zahlen geschrieben, doch dann änderte  sich die Situation. "Das fing schon mit der Eröffnung des Schwarzen Nettomarktes auf der Königsteiner Straße vor einigen Jahren an", berichtet Hütter. Die Umsätze des Nahkauf gingen zurück.  Später kam dann der Bioladen Podemus in der Breiten Straße dazu. "Das Geschäft hat zwar eine andere Klientel, aber dennoch sind auch einige unserer Kunden dorthin abgewandert", sagt die Pirnaerin. 

Mit der Eröffnung des Scheunenhofcenters gleich in der Nachbarschaft vor wenigen Tagen habe nun ihr Laden keine Chance, hat Margret Hütter ausgerechnet. "Vom Preisniveau sind wir mit dem Edekamarkt ungefähr gleich, aber unser Geschäft ist natürlich nicht so modern und auch mit dem Sortiment können wir nicht mithalten", sagt die Geschäftsführerin. 

Mit ihren fünf Mitarbeiterinnen habe sie rechtzeitig  gesprochen. Alle sind informiert und bewerben sich um eine neue Anstellung. Margret Hütter selber wird die zwei Nahkauf-Geschäfte an den Standorten Freital und Bad Schandau weiter führen. 

Bereits mit Nachfolgern im Gespräch

Die Kardinalfrage lautet: Was wird aus dem dann leerstehenden Geschäft mit einer Verkaufsfläche von rund 250 Quadratmeter? Das weiß Christian Hütter, Margrets Hütters Ehemann, dem das gesamte Haus in der Breiten Straße zwischen historischer Altstadt und B172 gehört. Geplant ist die Aufteilung des großen Ladens in zwei Einheiten, die weitervermietet  werden sollen. "Mit Interessenten stehe ich schon im Gespräch", sagt Christian Hütter, der Details jedoch nicht verraten möchte. 

Klingeln nach Ladenschluss

1991 hat Margret Hütter den Nahkauf in Pirna eröffnet. Etwas wehmütig schaut sie auf die vergangenen 29 Jahre zurück, in denen vieles, aber nicht immer alles glatt lief. Zahlreiche  Kunden kamen aus dem Seniorenwohnheim Alexa. Hatte jemand einmal eine zu schwere Tasche für seine nicht mehr ganz so kraftvollen Arme, trugen die Mitarbeiter des Nahkaufs dem Kunden auch schon mal den Einkauf nach Hause. 

Da Hütters direkt über dem Nahkauf-Geschäft wohnen, kam es durchaus auch vor, dass ein Kunde nach Ladenschluss klingelte, weil er unbedingt noch etwas für sein Abendessen brauchte. Klare Sache, dass Margret Hütter noch mal aufschloss. Ein älterer Herr ließ bevorzugt anschreiben. Auch das war möglich.  

Von der Treuhand gekauft

Überhaupt war es wichtig für das Team,  nahe am Kunden zu sein. "Das sagt ja auch schon der Firmenname", betont sie. Die Lebensmittel wurden von dem Unternehmen Rewe geliefert. "Aber die Kunden konnten immer ihre Wünsche äußern, sodass wir dann unser Sortiment angepasst haben", sagt  Hütter. Allerdings ging es nicht immer harmonisch zu. Ein Kunde wurde handgreiflich, auch mehrere  Ladendiebstähle musste Margret Hütter der Polizei melden. 

Von der Treuhand kaufte sie den früheren HO-Laden an dem Standort. "In den Anfangsjahren standen die Leute Schlange, da es fast keine Lebensmittelgeschäfte in der Pirnaer Innenstadt gab", erinnert sich die Geschäftsführerin. Um ein möglichst breites Sortiment zu haben, setzte sich Christian Hütter in den 90er-Jahren des Öfteren in seinen Kleinlaster, fuhr damit nach Holland, um dort unter anderem Käse zu kaufen, der dann in Pirna weiterverkauft wurde. 

Noch gut kann sich das Ehepaar Hütter an die Flut von 2002 erinnern. Das Wasser stand 1,70 Meter hoch in dem Laden. Nach nur 14 Tagen der Entschlammung und Reinigung eröffnete der Nahkauf aber schon wieder, und die Kunden stürmten den Laden.  "Wir waren damals fast der einzige Versorger in der Innenstadt", weiß Margret Hütter. Auch 2013 erwischte das Hochwasser den Nahkauf. Erneut machte das Geschäft relativ zügig wieder auf, es folgten mehrere Modernisierungsarbeiten. Jetzt steht Margret Hütter vor ihrem Geschäft und sagt mit leiser Stimme: "Ja,  es war eine bewegte Zeit".

Quo vadis, Breite Straße?

Nicht nur der Nahkauf macht zu. Wenige Meter weiter befindet sich der Otto-Bestellshop, den Ute Nemitz seit 13 Jahren führt. Sie wird Mitte Dezember ihr Geschäft schließen. "Das Unternehmen Otto stößt die Shops ab, das ist der Grund für meine Entscheidung", sagt sie. Viele Kunden werden ihren Weggang bedauern, da sie auch zahlreiche hübsche Dekorations-Artikel, Kerzen und Karten anbietet. 

Überhaupt muss man sich fragen,  in welche Richtung sich die Breite Straße entwickelt. Die Apollo-Optik-Filiale ist bereits von der Breiten Straße in das Scheunenhofcenter gezogen. Der Non-Food-Händler Tedi zieht ebenfalls nach. Noch befindet sich dieses Geschäft auf der Breiten Straße 19. Gelingt es nicht, neue Mieter für die Geschäfte zu finde, verliert die Straße an Attraktivität. 

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Großinvestition bei Radeberger trotz Corona

Großinvestition bei Radeberger trotz Corona

Die Radeberger Brauerei nimmt eine neue Abfüllanlage in Betrieb. Die passt geradeso in eine Halle. Was das Besondere an der Anlage ist.

Der vernetzte Weinberg

Der vernetzte Weinberg

Forscher zeigen im Weingut Schloss Proschwitz, wie Sachsens Landwirtschaft durch Mobilfunk, virtuelle Realität und Drohnen revolutioniert werden könnte.

Wirtschaft klagt übers Görlitzer Rathaus

Wirtschaft klagt übers Görlitzer Rathaus

Mehr als ein Jahr nach der Wahl ist die Zufriedenheit mit OB Octavian Ursu hoch. Doch jetzt gibt es erstmals auch Kritik.

Dresdner Händler kritisieren Prager Straße

Dresdner Händler kritisieren Prager Straße

Aufdringliche Buden, viel Werbung: Die Einkaufsmeile sehe "verramscht" aus. Wie die Stadt das ändern will und was Händler und Gastronomen fordern.