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Glamour am Altenberger Galgenteich

27.04.2021
In den zwei Jahren am Galgenteich hat das Pächterpaar des Campingplatzes alle Extreme zwischen Überfüllung und Leere erlebt - und plant unbeirrt weiter.

Von Siiri Klose 

Dunkles Holz, weiße Flächen, grasgrüne Jalousien - die neue Rezeption wirkt bis in die Souvenirshop-Ecke hinein frisch und weltläufig. Seit Marcel Gundel und Lea Wojzischke vor zwei Jahren den Campingplatz Galgenteich übernahmen, haben sie dort optisch und inhaltlich einiges entstaubt.

Noch im Sommer letzten Jahres organisierten sie Konzerte am Galgenteich. Als Erinnerung an ihre Wanderjahre in Norwegen setzten sie Rentierburger auf die Imbisskarte und sorgten für zeitgemäßes Wlan auf dem Platz, stutzten Fichtenwildwuchs und pflanzten neu. Währenddessen erlebten sie eine kurze Normalität, bis das Jahr 2020 das Campingplatzgeschehen auf den Kopf stellte.

Theoretisch ausgebucht, praktisch viel Zeit

Nach einem Winter ohne Schnee - und deshalb auch ohne Touristen - kamen im Sommer so viele Camper, "dass wir einen Buchungskalender einführen mussten", sagt Marcel Gundel. "Zuvor musste noch nie jemand weggeschickt werden", habe ihnen eine langgediente Mitarbeiterin versichert. Doch ginge es nach der Theorie, dann könnte das in Zukunft noch öfter passieren: "Winterferien, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten - die Leute buchen ganz optimistisch. Auf dem Papier haben wir an den Wochenenden jetzt schon kaum noch freie Plätze."

In der Praxis hatte die Familie im Winter viel Zeit zum Skifahren - die beiden Großen mit ihren fünf und vier Jahren schon auf eigenen Brettern, die Einjährige im Loipenschlitten. Dass der Lockdown nicht zum finanziellen Desaster ausartet, haben Marcel Gundel und Lea Wojzischke den Dauercampern zu verdanken, die den Platz nach wie vor nutzen dürfen.

Dauercamper sorgen für finanzielle Sicherheit

Aus den 50 Dauerstellplätzen, mit denen das Betreiberpaar den Platz von ihren Vorgängern übernahm, sind mittlerweile 70 geworden. Davon sind nur noch zwei, drei frei, "an Ecken, die nicht so attraktiv sind", sagt Gundel und fächert einen Stapel Stellplatz-Anträge auf, die bereits für den Sommer eingegangen sind. Ein halbes Jahr mindestens muss ein Dauercamper mieten.

"Wir sind froh darüber. Für uns bedeutet das finanzielle Sicherheit", sagt Gundel. Andererseits: "Das Geld zum Investieren bringen die Durchreisenden und die Zelturlauber." Auch wenn dieses Klientel coronabedingt derzeit nicht kommen darf, hält das Paar ihnen bestimmte Bereiche des Platzes frei.

Projekt "Glamping" ist noch verpackt

Trotz der leeren Zeltplatzwiesen plant das Paar in diesem Jahr einige Neuerungen: "Wir haben beim Förderprogramm 'Lieblingsplätze für alle' Mittel für familien- und Handicap-gerechte Sanitäranlagen beantragt", erzählt Gundel. Für die vielen Wohnmobil-Inhaber sollen in und an dem großen Sozialgebäude neue Wassertankstationen und Säuberungsmöglichkeiten für Chemietoiletten entstehen.

Und dann ist da noch das Projekt "Glamping", dass derzeit noch verpackt auf seine Verwirklichung wartet. An der Westfassade des Empfangshauses ist eine große Holzterrasse geplant. Sie wird der Boden einer Zeltlodge - so mondän, wie man sie aus Safaris kennt.

Haus gehört der Kommune Altenberg

Auf der Fläche westlich des Sozialgebäudes soll die Zeltlodge ihren Platz finden. Doch die Giebelseite des Sozialgebäudes passt wenig zum geplanten Glamour-Camping.
Auf der Fläche westlich des Sozialgebäudes soll die Zeltlodge ihren Platz finden. Doch die Giebelseite des Sozialgebäudes passt wenig zum geplanten Glamour-Camping. © Egbert Kamprath

"Letzten Sommer haben wie den Umsatz von zwei Jahren gemacht", sagt Marcel Gundel: "Deshalb haben wir uns trotz der ungewissen Lage entschieden, das durchzuziehen." Die Zelte aus festem Canvas sind bereits da. Das Paar hat den Bauschutt abtransportiert, der sich bisher auf der Fläche breit machte. Als nächstes sollen die Holzbohlen verlegt werden.

Doch beim Haus kommen sie ohne die Stadt Altenberg nicht weiter, denn sie ist die Eigentümern des Platzes. Gundel und Wojzischke haben von ihr gepachtet. "In dem Wort 'Glamping' steckt Camping und Glamour", sagt Lea Wojzischke. "Aber wenn man sich den Giebel anschaut" - sie zeigt auf die Holzverschalung der Westfassade - "dann sieht das nicht glamourös aus."

Keine Sicherheiten für Planungen

Der braune Anstrich muss uralt sein. Wo die Farbe nicht schon abgewaschen ist, blättert sie. An einigen Stellen sind die Bretter sichtbar vermodert. "Dass der Giebel gemacht werden muss, haben wir schon bei der Übernahme des Gebäudes festgehalten", sagt Gundel. Auch zwischendurch habe er das Problem immer wieder bei der Stadtverwaltung angesprochen. Eine Entscheidung gäbe es jedoch nach wie vor nicht.

Sicherheit, wie sie den Sommer planen könnten, haben sie natürlich auch nicht: "Bei uns fragen jetzt die Schüler nach, ob sie in den Ferien wieder hier jobben können", sagt Wojzischke. Hilfe, die das Paar beispielsweise am Imbiss dringend brauchen wird - wenn sie denn das Freibad und den Campingplatz für alle öffnen können. "Zusagen können wir jetzt keine geben", sagt Wojzischke: "Wenn wir dann tatsächlich öffnen dürfen, haben sich wahrscheinlich längst alle etwas anderes gesucht."

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