9vcgwdp53g9blk5fi193lj13b2glblb9.jpg

Görlitzer Liebesperlen gibt es bald auch in Bio und vegan

10.05.2022
Die Görlitzer Süßwarenfabrik Hoinkis baut an. Im September soll die Halle mit Hochregalen und Produktionsräumen fertig sein. Dann sind Spezialisten nötig.

Gleich vier Neuigkeiten kann Mathias Hoinkis aus Görlitz verkünden. Der Geschäftsführer der Spezial-Dragee-Fabrik Rudolf Hoinkis GmbH spricht über Veränderungen im Unternehmen. Einige kann Jedermann sehen. Andere haben mehr mit den Produkten und den Menschen zu tun, die sie herstellen.

Platz für Hochregale und Produktionsräume

Seit einiger Zeit wächst die neue Halle auf dem Firmengrundstück im Gewerbegebiet Nord-West nah am Flugplatz Görlitz. Auf einer Fläche von rund 1.000 Quadratmetern entsteht ein Neubau, der im September fertig sein soll. Zwei Drittel der Halle werden mit Hochregalen bestückt. "Deswegen auch die Höhe von fast zehn Metern", erklärt der Bauherr. Diese Regale befüllen Gabelstapler künftig mit fertigen Produkten und Rohstoffen, die zu deren Herstellung benötigt werden. Damit konzentriert Hoinkis die Lagerung von Rohstoffen und Produkten zum Großteil an einem Standort. Bisher nutzt das Unternehmen mehrere Lager im Görlitzer Stadtgebiet und im Umland. Einige fallen mit Fertigstellung der Halle weg, aber nicht alle.

Lieferanten und Speditionen werden künftig die Produkte und Rohstoffe an einer automatischen Laderampe abholen oder anliefern können. Wenn der Bau fertig ist, wird im hinteren Teil eine Verbindung zum bereits bestehenden Produktionsgebäude geschaffen. Auch Sanitärräume in der neuen Halle werden errichtet.

Das letzte Drittel des Erweiterungsbaus wird im hinteren Bereich zwei Etagen haben. Hier entstehen neue Produktionsflächen. Die Maschinen dafür sind bereits bei europäischen Herstellern bestellt. Wann sie geliefert werden, kann der 51-Jährige aber noch nicht sagen. Auch das hat mit der veränderten wirtschaftlichen Lage auf dem Weltmarkt zu tun.

Millioneninvestition in einem Bau mit Abenteuerpotenzial

Die Lebensmittelbranche ist davon nicht ausgenommen. "Auch hier hat sich die Situation verändert: Es gibt Lieferengpässe, manche Lieferketten sind unterbrochen, weil eben vieles aus Asien kommt", erklärt Hoinkis. Für die kontinuierliche Produktion in zwei Schichten seien jedoch ausreichend Vorräte an Rohstoffen nötig. Mehr als jetzt will sich Hoinkis bevorraten. Platz bieten die neuen Hochregale.

Andererseits fertigen die Mitarbeiter viele Produkte als Saisonware: für Ostern, Halloween und Weihnachten. Exportiert werden sie in 22 Länder. Die lange Haltbarkeit der Produkte spielt dem Unternehmen in die Karten. Sie können rechtzeitig produziert und eine Zeitlang gelagert werden.

In den Erweiterungsbau auf dem Firmengrundstück investiert Hoinkis "einen Millionenbetrag", wie er sagt. Dabei kann er Fördermittel vom Freistaat Sachsen nutzen. Anders als noch 1996 beim Bau des Firmengebäudes im Gewerbegebiet spricht Hoinkis heute vom Bauen als Abenteuer und denkt an bürokratische Hindernisse, das Ausbleiben von Genehmigungen, vom Run auf Baustoffe und Material und von viel Zeit, die er aufbringen müsse. Mit einem Generalauftragnehmer aus der Nähe von Leipzig und einem Planungsbüro aus Eibau fand Hoinkis zuverlässige Baupartner.

Vor Jahren noch undenkbar, heute schon gefertigt

Nötig sind die neuen Produktionskapazitäten auch für zwei neue Produkte. Die Palette an Liebesperlen, bunten Dragees und Dekorzucker wird bald von Liebesperlen als Bio-Produkt und in veganer Ausführung erweitert. Die Zertifizierung für diese Produkte erhielt die Fabrik bereits. Im Handel sind die Produkte noch nicht zu finden, spätestens Ende des Sommers sollen sie in den gängigen Supermärkten zu kaufen sein.

Für Hoinkis ist der Trend nach veganen und Bio-Produkten ein Riesenthema, obwohl er vor Jahren noch nicht daran glaubte. "Die Nachfrage nach solchen Produkten steigt kräftig, wir stellen uns dieser Herausforderung", sagt er. Künftig werden die jeweiligen Produkte sogar in getrennten Räumen produziert, eben auch in der neuen Halle.

Berufsausbildung startet bei Hoinkis wieder

Nachdem die Süßwarenfabrik Hoinkis viele Jahre lang keine Lehrlinge ausgebildet hatte, steht das in diesem Jahr wieder an. "Wir beginnen zunächst mit der Ausbildung in Lagerwirtschaft und Logistik, bilden Spezialisten für das neue Lager selbst aus. Später sollen Lebensmitteltechniker dazukommen", erläutert der Geschäftsführer. Voraussetzung ist jeweils ein Realschulabschluss.

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Ruf nach freiwilligem Jahr im Handwerk

Ruf nach freiwilligem Jahr im Handwerk

Sachsens Handwerkstag warnt vor einem Fachkräfte-Fiasko. Den Betrieben machen aber auch noch andere Probleme zu schaffen.

Bahn-Auftrag bringt keine Jobs für Waggonbau Görlitz

Bahn-Auftrag bringt keine Jobs für Waggonbau Görlitz

Deutsche Bundesländer investieren Milliarden in neue Züge. Die Arbeit landet bei Alstom - doch im Ausland. Ist das der Preis von Liberalisierung und Globalisierung?

Porsche Leipzig feiert 20. Geburtstag mit eigener Eissorte

Porsche Leipzig feiert 20. Geburtstag mit eigener Eissorte

Porsche plant im August das große Jubiläumsfest in Leipzig. Das Waldfruchtsorbet gibt es für den guten Zweck.

Feralpi Riesa stellt erste Stahlwerker aus Mariupol ein

Feralpi Riesa stellt erste Stahlwerker aus Mariupol ein

Ehemalige Mitarbeiter von Asow-Stahl arbeiten jetzt im Riesaer Stahlwerk. Auch mit Spenden versucht das Unternehmen, zu helfen.