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Gute Nachrichten aus Sachsens Wirtschaft

03.10.2019
Drei Faktoren sorgen im Freistaat trotz des bundesweit leichten Abschwungs für Optimismus:

Trotz des Abschwungs der deutschen Wirtschaft haben im September mehr Sachsen einen neuen Arbeitsplatz gefunden als ihre Stelle verloren. Die Arbeitslosigkeit hat einen neuen Tiefstand erreicht – und wird in den kommenden Monaten weiter sinken, erwartet Reinhilde Willems, eine Geschäftsführerin der Regionaldirektion Sachsen der Bundesarbeitsagentur. Zugleich sinkt auch die Inflationsrate, und in manchen Branchen erwarten die sächsischen Unternehmer eine Besserung ihrer Geschäfte.

1. Arbeitslosigkeit: Sommerflaute ist vorbei, auch für Jugendliche
Im Sommer war die Arbeitslosigkeit in Sachsen gestiegen, nun sinkt sie wieder. Willems sprach von beginnender Herbstbelebung. Außerdem haben Förderlehrgänge für mehr als 8.000 Sachsen begonnen. Nun sind 110.851 Sachsen arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr waren es noch über 8.000 mehr, vor einem Monat rund 4.500 mehr. Weil viele Ausbildungen begannen, ist auch die Jugendarbeitslosigkeit zurückgegangen. Willems erwartet, dass die Herbstbelebung und die Unterstützung von Arbeitsagenturen und Jobcentern vielen Menschen „neue Chancen eröffnen“. Nicht mitgezählt bei den offiziell Arbeitslosen sind allerdings rund 48.200 Menschen, die gerade in Schulungen, in Ein-Euro-Jobs oder krankgeschrieben sind. Doch auch die Langzeitarbeitslosigkeit sinkt.

2. Preise: Kraftstoffe billiger, Mieten im Schnitt kaum gestiegen
Der Preis für einen typischen Warenkorb in Sachsen ist von August zu September um 0,1 Prozent gesunken. Die Inflationsrate beträgt nun auf ein Jahr gerechnet genau ein Prozent. Die Kaltmieten sind innerhalb eines Jahres noch weniger gestiegen, laut Statistischem Landesamt um 0,9 Prozent. Bei Brot, Fleisch und Gemüse lag die Teuerung im Jahresvergleich aber höher als ein Prozent. Doch dafür ist Obst insgesamt etwas billiger geworden. Benzin, Diesel und Heizöl sind spürbar billiger als vor einem Jahr. Auch bei Schuhen, Telekommunikation und Ausgaben für das Bildungswesen stellten die Statistiker niedrigere Preise fest. Herbstkurse an Volkshochschulen beispielsweise sind im Schnitt billiger geworden, Eintrittspreise für Sportveranstaltungen und Theater dagegen teurer. Strom kostet in Sachsen jetzt im Schnitt 1,8 Prozent mehr als vor einem Jahr und ist damit wieder auf demselben Stand wie im Jahr 2015, schreiben die Kamenzer Statistiker.

3. Geschäftsklima: Dienstleister und Baufirmen mit hohen Erwartungen
Die Stimmung in den ostdeutschen Chef-Etagen hat sich im September aufgeheitert, stellt das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung fest. Zum ersten Mal seit fünf Monaten stieg der Geschäftsklimaindex Ostdeutschland, der auf 1.700 monatlichen Meldungen von Unternehmen beruht. Im verarbeitenden Gewerbe bewerteten die Firmenchefs zwar die laufenden Geschäfte weniger gut als noch im August, doch sie hoben ihre Erwartungen für das kommende halbe Jahr leicht. Im Dienstleistungssektor hellte sich das Geschäftsklima kräftig auf, und auch im ostdeutschen Bauhauptgewerbe stiegen die Erwartungen für die kommenden sechs Monate merklich. Dabei beurteilten die befragten Bauunternehmer die gegenwärtige Lage schlechter als vor einem Monat. Im ostdeutschen Handel setzte sich die Abwärtsbewegung bei der Bewertung der laufenden Geschäfte fort.

Die Aussichten: Bei 1,1 Prozent Wachstum sinkt Arbeitslosigkeit nicht überall
Für das nächste Jahr fallen die Prognosen der Experten noch unterschiedlich aus. Das gewerkschaftliche Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung erwartet jetzt nur noch 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum für das kommende Jahr. Das Ifo-Institut rechnet mit 1,25 Prozent. Das liegt näher an dem Wert, auf den die Bundesagentur ihre Arbeitsmarktprognose baut: Mit 1,1 Prozent Wirtschaftswachstum rechnet die Arbeitsbehörde und hat für diesen Fall Vorhersagen für sächsische Regionen getroffen. Aus heutiger Sicht bleibt der sächsische Arbeitsmarkt robust, voraussichtlich entstehen 11.000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit wird unter diesen Annahmen weiter sinken, aber nicht mehr überall. Für Leipzig und Chemnitz ist eine leichte Zunahme der Arbeitslosenzahl zu erwarten, auch für das Elbland und den Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Schon jetzt sinkt die Zahl der freien Stellen in Sachsen leicht, aber auf hohem Niveau: 39.295 Arbeitsangebote stehen in den Computern, das sind 1.261 weniger als vor einem Jahr. Doch allein im September meldeten sächsische Betriebe mehr als 9.000 freie Stellen neu an. In der Arbeitslosigkeit gibt es laut Bericht „erste strukturelle Veränderungen“: Insgesamt ist die Zahl der Arbeitslosen zwar gesunken, aber nur bei den Jobcentern, die vor allem für Hartz-IV-Empfänger zuständig sind. Die Arbeitsagenturen, die vor allem neu gemeldete Arbeitslose betreuen, stellten bei Männern einen leichten Zuwachs fest.

 

Foto: © Sebastian Kahnert/dpa

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